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Full text of "König Rother"

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König Rother. 



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HUDEBBAüj D 

LIBEARY. 



Herausgegeben 



von 



K, ¥• Bah der. 



Halle. 

Max Niemeyer. 

1884. 

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Altdeutsche textbibliothek, heran^i^egeben von II. Panl. 

No. 6. 




Die vorliegeude Botbi'rau^;abe macbt ntcUt den 
verauch die nraprilDgliclie geetalt des gedtchtes za re- 
ronatroiren , Bondera will unr einen lesbaren abdrucb 
der Heidelberger bandäcbrift geben, die von mir uoeli- 
maU nach verglichen worden ist Sie rerzicbtet daher 
darauf die alteren uud jüngeren bestandteile des 
gedichtea von cioander zu ecbeideo, sie behält nament- 
lich auch die aprachformen der handacbrift , ao bunt 
zuaam menge würfelt diesclbeo auch äind, unverändert 
bei. Da nun einmal nicht versucUt werden sollte das 
gedieht in die dem dichter zukommenden sprachformeD 
uuizuBcIiieiben (ein nnternehmea , das ich Mr unaua- 
ftthibar halte, da der dichter sich keines in sich ge- 
schlossenen dialektea bedient hat), so blieb nichts an- 
deres übrig als diese durchgehende bewahraug der 
Überlieferung. Die zahlreichen fehler der ha. habe 
ich mich zu verbesnern bemüht mit verwertnng der 
schon früher aufgestellten v erb esaer ungs vorschlage, doch 
scheute ich mich auch hier vor gewaltsamen ändernngen 
und habe mieh öfters damit begnügt in einer anmerkung 
auf das verderbnis im texte hinzuweisen. Alle worte 
und buchstaben , die in der ha. nicht stelin — von 
der regelung der orthograplüe M.&t^ \^«i%b&'ra.'o.% ^vi& 



4 



IV 

schreibversehn abgesehn — sind cursiv gedruckt, alles 
zn tilgende ist in [ ] gesetzt. 

Was in der einleitung über die entstehung, spräche 
u. s. w. des gedichtes gesagt wird, begründe ich, soweit 
es sich nicht um allgemein anerkanntes handelt, aus- 
führlicher in der Germania bd. XXIX, S. 257 ff. 

Folgende berichtigungen erlaube ich mir an dieser 
stelle anzuführen. 10, 18 'zweimal har für her* zu 
streichen; 12,5 hätte bemerkt werden müssen, dass 
die vollen vokale öfters nur aus dem reim zu er- 
schliessen, dagegen in der hs. in e verwandelt sind; 
21, 216 du 1. dü\ 23, 314 nü 1. ww; 24, 334 du 1. dir, 
25, 381 etlichir 1. etUchir; 28, 475 Helfrich 1. Helfrich; 
29, 515 Krechen 1. Kreichen; 30, 567 gän 1. gänt\ 
31, 617 gewinnin 1. gewinnint] 34, 710 Aspriän 1. 
Aspriänt; 40, 940 gebin 1. gibin] 47, 1178 ir 1. iz] 
52, 1357 so 1. sd] 53, 1388, 55, 1461, 73, 2057, 
74, 2113, 75, 2152, 79, 2289, 93, 2819 Dietherich 1. 
Diethench] 52, 1384 wart 1. war] 64, 1748 nach getan 
komma; 68, 1873. 85. 87 gaf 1. gaph; 78, 2270 sazte 
1. satte] 78, 2271 nach her komma; 86, 2567 görziste 
1. grdziste] 96, 2928 stundiz 1. stündiz] 97, 2958 genam 
1. genan] 2970 gerüwen 1. gerüwent] 111, 3492 ztt 1. 
zieh; 112, 3546 genSdeclicher 1. genedencHcher. 

Leipzig, 30. März 1884. 

E. y. BaMer. 



Einleitung. 



1. Die sagenhaften bestandteile der dichtung. 

Das gedieht vom könig R other ^härt-^^QF spiel-. 
mann8clichtung_§a.-Jind berührt sich so mit den ge- 
äichten von Oswald , O^endel^ Salman und MorolL die 
es aber durcli grössere kunstmässigkeit und eine edlere 
ausdrucksweise überragt Der Charakter der Spiel- 
mannsdichtung ergibt sich a us de r formelhaften wider- 
kehr gewisser wen^ungea.,- 3er anwendung stehender 
beiwörter, oft^ jdlitfirirfind^ . gewisser zahlen ; ferner aus 
den mit besonderer Vorliebe behandelten komischen 
Zügen, der rolle, welche den spielleuten angewiesen 
wird, und namentlich aus dem willkürlichen umspringen 
mit dem sagenhaften stoff^). 

Den grundbestandteil bildet die erzählung von 
einer durch list eingeleiteten, durch gewalt beendeten 
brautwerbung, eine sagenhafte Überlieferung, die auch 
einem uns verlorenen ^deutschen gedichte den stoff ge- 
liefert hat. Dasselbe ist uns seinem Inhalt nach in 
der isländischen Thidreksaga. überliefert, die^auf dj^ut- 
8chen_ quellen beruht. Der held der erzählung ist 
hier Osantrix von Wilzenland, derselbe, der in der 
deutschen sage als Oserich, vater der Helche, begegnet. 
Er wirbt um Oda, die tochter des königs Milias von 
Hunnenland. Er sendet zuerst sechs rltter, die Milias 



1) lieber den stil der Spielmannsdichtung handelt F. Vogt , Salniau 
und Morolf CXVIIIff. Vgl. auch dessen leben und dichten der deutschen 
Spielleute im mittelalter. Halle 1875. 

König Eother. \ 



ins gefängnie werfen läset, dann Beine brnderfldhne 
llertnit und HirSir, denen das gleiche scbicksal wider- 
fährt. Darauf versammelt könig Osantris seine mannen, 
zu denen auch die rieaeabrilder AspiliaD , Äventrod, 
Adgeir und Widolf gehören; letzterer muBS seiner Wild- 
heit wegen mit einer eisenkette gefesselt geführt werden. 
Ins Hnnnenland gekommen, ändert der kOnig seinen 
namen und nennt eich Thidrek. Er erbittet von könig 
Milias schätz gegen Osantris, der ihn vertrieben habe. 
Ais Milias zaudert seine bitte zu ei'fflUen, tritt Aspilian 
vor wut bis an die knöchel in die ej'de und als der 
kfinig weiter droht ihn mit gewalt auä der stadt zu 
treiben, schlägt Äspilian ihn mit der faust nieder und 
die mannen Osautris erschlagen alles was eich in der 
bürg befindet und befreien die gefangenen. Oda wird 
dem könig Osantrix gebracht und er zieht ihr einen 
silbernen und einen güldenen echah auf seinem schosee 
an; sie wUnscIit ihren fuss streichelnd „käme der t«g, 
dass ich meinen fuss so auf könig Osantrix hochaits 
streicheln könnte", worauf er sich ihr zu erkennen 
gibt. Es folgt die versölinung mit Milias. 

Die hauptzUge dieser erzählung finden wir im 
ersten teile unseres gedichtes wieder, nur vielfach auB- 1 
geschraflckt nnd erweitert, wie es der dem romantisches 1 
bereits zugewandte geschmack in der mitte des 12. jnhr^ 
hunderts erforderte. Aber der Schauplatz ist ein gans 1 
anderer. An stelle des Osantris von Wilzenland findeaij 
wir Rother, könig von Rom, au stelle des Milias voalf 
Hunnenland den griechischen könig ConStantin. 
Iinndelt sich hier keinenfalla um willkürlich von deatfl 
dichter vorgenommene änderungen, er folgte vielmebiltfl 
der in ättddeutschland herschenden tradition der sage'JEl 




In Setfaer ddrfen wir wol den L&ngobapdeak&iHg 
Rotbari (614 — 50) seilen, der als veraoatÄlter eiDes ge- 
setzBachcB berühnit geworden ist; alierdiuga iat er der 
deutschen heldenaage eonst fremd, docii darf vermutet 
werden, dass die sage von der brantwerbung des königs 
AiithiLri u m Theodelinde, von der Paulus Diaconus be- 
r lebtet, aDfibu übertragen worden ist. Wenn Rother 
m iin~BeTm gedicbte um die tochter des griechischen 
königs wirbt, so erklärt sich das ans dem allgemeineD 
lage der späteren Spielmannsdichtung ihre erzähinngeu 
in den Orient zu verlogen. Daas Rother selbst zu 
eioem dentachen könig von Rom geworden ist, erklärt 
üch aus den Zeitanschauungen. 

AuBserdem finden wir im gedicbte andere gestalten, 
die in der erzählung der Thidreksaga nichts ent- 
sprechendes haben. Vor allem der alte ratgeber des 
königs Rother Berchter (oder auch Berker), herzog 
von JMeran. Ohne zweifei steht derselbe im Zusammen- 
hang mit dem Berchtung von Meran, der in der Woli'- 
dietrichsage eine so grosse rolle spielt; da er hier 
eine unenlbebrliche figur ist, indem er seinem lierren 
sein land erhält, kann er nicht erst aus dem Eother 
herübergenommen worden sein, sondern der Vorgang 
musa der umgekehrte gewesen sein. Vou hause aus 
aber ist er ein ostgolischer held und begegnet als 
solcher in den meisten gedichten ans dem Sagenkreise 
Dietrichs von Bern; Meran d. i. Dalmatien und Kroatien 
wnrde als das stammland der Goten angesehen, vgl. 
" Kaiaerchronik D 424, 8 ff. Mit der Rothersage ist er 
iret spät und bloss in der süddeutschen tradition in 
gebracht worden. — Im Wolfdietiich hat 
Jerchtung 16 aSbne, in unserem gedieht werden dem 
^erobter 12 beigelegt (doch vgl. zu t. 6135), von 
Jlenen zwei, Liuppolt genannt „wn Meyl&n" nnd Erwin 
1 die stelle dea llertnit und UirtJir iu der Thidrek- 
BKga getreten sind. Auch diese gehören wol der sage 
ma, im Biterolf kommen „Berkers khtt" als die „fürsten 
mn Mei/län" vor. allerdings mit den abweichenden 
OAinen Randolt und Rienolt. — Auch die beiden TengCi 





linger, Ämelger und Wolfrat, tragen die namen zweier 
beiden Dietricha von Bern (vgl, z. B. Alpiiarts Tod 11), 
doch könneQ die personeo selbst nicht als eigeDtlich 
sagenhafte gelten, sondern sind im wesentlichen 
Bcböpfungen des dichtere. — Mehrfach zeigt sich also 
vermiBcliung mit der sage Dietrichs von Bern. Änch 
der name Dietrich, den aich Hother beilegt, findet 
hierdurch am wahrscb ein liebsten seine erklärung. 

Aber auch die gescliichte selbst hat in unserem 
gedichte eine erweiterung erfahren. Die königstocbter 
wird dem Kotber durch einen listigen apielmnnn wider 
entführt, sie gelangt in die gewalt eines heidnischen 
königs, dem sie Rother mit eigener lebensgefahr wider 
enti'eisat. Hier haben wir es mit Jüngeren erßndungen, 
teilweise entlehnungen aus anderen Sagenkreisen au 
tun. Die listige entführung der königstochter vergleicht 
sich der der Hilde in der Kudrnn, ihre befreinng von 
dem aufgedrungenen freier durch den rechtmässigen 
gemahl ist ein zug, der in vielen volksttlmlichen ge- 
wichten widei'kehrt; ganz ähnlich wie Rother durch 
seine mannen vom galgen errettet wird, wird dies im 
Salman und Morolf vom kitnig Saltuan erzählt. Der 
kämpf mit den beiden verrät deutlich den elnduBS 
der kreuzzüge. — Wenn schliesslich Rother zum vater 
Pippina, zum ahnherrn Karls des Grossen gemacht 
wird, so liesse sich das vielleicht aus dem umatHnde, 
dasa die Karolinger als rech tsnachf olger der lango- 
-hardischen könige betrachtet wurden, erklären. Viel-^^Jj 
leicht haben wir es auch mit einer erfindung dö^^^^H 
dichters zu tun, der aeiner erzählung eine grösaen^^^^ 
begUnblguiig geben wollte. . ^^^H 

^^t> 3. Ort und zeit der abfässung. ^^H 

^^K Der dichter hat in seine sagenhafte eraühlnng^^^^ 

^^^Msige historische demente hinein verwebt, Wie U'ilken, ^^^^ 

GeBchiebte der kreuzzüge 2, bd. beilagen S. 17 ff. zuerst ' 

nachgewiesen bat, verbanden sich krenzugserianerunüen 

mit der darstelinng der zUge Kothors nach Grifchcn- h 

^^nd/ Jedenfslls hat man dabei an den zug zu denke%^^^H 



den der Baiernherzog Weif im Jalire 1101 unternaliro. 
Das beer der Baiern lagerte danialB längere zeit vor 
ConstantiDopei und batte Ursache sich ttber den wankel- 
mnt des kaisei's Alexius, der mistrauen und furcht vor 
dsD krenzfatirern hegte, zu beklagen. Sicher hat dem 
dichter bei der gelungenen charakterzeichnnng Con- 
stantins der kaiser Älesius vorgeschwebt Wenn uns 
weiter erz&blt wird, dass eiu kreuzfahrer einen zahmen 
I6wen am hole des Alesius erschlagen habe, so haben 
wir hierin das Vorbild für die heldentat des Aapriau 
zu sehen. Die kämpfe mit Ymelot, könig von Babilon, 
erinnern dann auch an die kämpfe, welche das kreuz- 
heer in Kleinssien zu bestehen hatte, freilich durchaus 
nicht mit dem günstigen ansgange, wie in unserem ge- 
dichte. Dass der dichter den kreuzzug mitgemacht 
habe, braucht aus dem allen nicht geschlossen za 
werden, seine kenntnis beruht wol nur auf den er- 
Bählnngen, welche die kreuzfahrer nach ihrer heimat 
mttbracbteu and die dort in Baiern asgenhaft ausge- 

^BGhmfickt umgingen. 
Wird hierdurch schon wahrscheinlich, dasa das 
^dicht in Baiern entstanden ist, so ergibt sich die ge- 
irisheit daraus, dass der dichter einige bairische familien 
nennt. Vor allem die von Tengelingen, Amelger und 
seinen söhn Wolfrat, die in nächster heziehnog zu dem 
aiten Berchter von Meran stehn. Diese Verknüpfung 
einer sagenhaften figur mit einem bekannten bairiachen 
geachlecbt (vgL über die grafen Von Tengling im 
Satsburg) sehen, Riezler, Geschiclite Baierns 1, 661) wird 
war dadurch verständlich, dass der tilel herzog von 
Meran (oder auch Dalmatlen und Kroatien) im 13. Jahr- 
hundert bairischen adelsfamilien zukam und zwar zn- 
nfiehst den grafen von Dachau (nordwestlich von 
München); da der zweite herzog Ronrad 111. keine 
nachkommen halte, ging der [itel (seit 1178) auf die 
grafen von Andecha (am Ammersee), zunächst Bert- 
hold IV. fiber. Diesen darf man allerdings nicht, 
froher geschehen ist, mit nnaerm Berchter t.usa.'b» 
faringen, denn das gedieht ist avcVtt \'«\ 6!\a%sfH\ 




entstanden; dagegen kann der dicliter die grafen von 
Dachau Bchr wol im äuge gehabt haben. Zuerst im 
jähre llö2 eracheint KoDrad 11. von Dacban ofGciell 
mit dem titel „herzog von Meran", und nacli dieaem 
jähre wäre also unser gedieht anzasetzeu, wobei freilich 
die mögliehkeit bleibt, daea das gescbleeht acboii vor 
1152 den herzogstitel trag oder beanspruchte. Dachte 
sich der dichter den Berchter von Meran als bairiachen 
magnaten, so konnte er Ihn zu einem verwandten der 
Teagelinger machen. Ob die tradition dieaea geaohlechtea 
von einem Amelger und Wolfrat zu erzählen wusste 
oder ob er dieae frei erfunden hat, mnsa unentschieden 
bleiben. Daaa er von dem beatreben geleitet ist die 
familie zu verherrlichen, tritt unverkennbar hervor. 
Endlich wird noch ein Hademar von Dieaaen genannt, 
der bei Rothers anwesenheit die kröne zu asarpirsn 
sucht: es ist das geschlecht gemeint, das später den 
namen „von Andecha" annimmt; diesem war der dichter 
wol weniger geneigt. — Diesen bairiacUen eleinenten 
reiht sieb auch der lobspruch auf den Baiernst&mm 
v. .■J844. 45 au. 

Weisen uns diese merkmale alle nach Baiern, BS 
lässt auf der anderen Seite mnncbes an die Rheinland« 
^ denken. Nicht etwa, wie man wol gesagt hat, daaa dsB 
. gedieht Karl d. Gr. zum enkel Rüthers macht, denn Karl 
war Überall populär, in Balorn so gut wie in Rhein- 
franken. Eber wäre achon das lieranzuziehn. dass 
Rother, nachdem 'seine fahrt gelungen, nach Riäanden 
zieht, daes hier in Aachen sein söhn acbwert nimmt. 
Sicher verrät rheiniache herkunft die erwälinung der 
heil. Gerdrut von Nivelle, die häufige anrafung dee 
heil. Egidiua. Beide aind in den Rheinlanden verehrte 
heilige. Wir müssen annehmen: daa gedieht iat von 
einem rheinischen spieJmann in Baiern verfasst 

dieaer annähme alimmt nun auch die aprnohe. 



n 







nberein. Die epraclie des gedichts in seinei' ursprüng- 
tichen gestalt. wie sie aus den reimen za entnelimen 
ist, während sonst vielfach nnuraprUngliches hineinge- 
tragen iet, weist nns auf das nördliche Mittel franken, 
die gegend nördlich von KOIn, ganz nahe der nieder- 
frflnbiBchen grenze. Der dichter hat indes nicht un- 
eingeechränlct von seinem dialekte gebraach gemacht, 
aondei-n sich teilweise anch obd. formen bedient. Eine 
ähnliche miacJinng liegt vor im Rolandslied des pfafTen 
Konrad nnd der Kaiaerchronik, bei denen aber die be- 
einäuBsung durch das obd. noch etwas grösser war, 
wahrend z. b. in Lamprechts Alexanderlied uns der 
reine mfr. dialekt entgegentritt. 

Um die zeit der abt'assung zu bestimmen, ist vor 
allem metrik und reim heranzuziehn. Das metrum 
zeigt noch grosse freiheiten. Das ganze ist in ab- 
schnitte von nngleicher daiier (durchschnittlich 15 bis 
20 Teree) gegliedert. Die grosse mehrzahi der verse 
ist mit 4 hebungen zu lesen, wobei jedoch notwendig 
angenommen werden muss, dass anf eine hebung zwei 
Senkungen folgen können, in der auch minder betonte 
vOrter, wie artikel, pronomina, präpositionen, partikeLn, 
auxillaria stehen dürfen (vgl. Amelung, Zeitschr, für 
denteche Philologie 3, 253 ff.J. Zwischen diese sind 
«ber längere verse von 5 — 8 hebungen eingestreut, 
Sie finden sich namentlich am ende eines absclmittes, 
manchmal auch am anfang, oder innerhalb eines ab- 
sohnittes, falls etwas neues kommt i. b. bei beginn der 
rede. Sehr häulig lässt sich durch leichte änderangen 
der Versbau regelmSssiger machen, was indes in dieser 
ausgäbe vermieden ist'). Gross ist auch noch die reim- 
freifaeit. Etwa die liälfte aller reime sind bloss asso- 
nanzen. Dasa bloss zwei Hesionsvokale mit einander 
reimen, kommt nur vereinzelt vor, dagegen mehrfach, 
dasB Btammsilbc und flexionssilbe reimen: letztere ist 




i. ptinoip lu Lui^eu 



ä 



dann mit einem vollen vokal a i o u zn lesen. Ffir 
deo fall der aesonanz wird entweder gleiohheit der 
vokale bei uugleicher consoufinz oder gleichheit der 
coDBDuanten bei ungleichem vokal verlaugt. Letzterer 
fall kommt beim stumpfen reim nur selten vor, dagegen 
beim klingenden sind beide tMe bäufig. Am grösstea 
ist die freiheit bei den dreisilbigen reimen. 
L. Einen grossen teil dieser freien reime werden wir als 
^u der dielitungsgattung, dem der RotLer augeliört, alt- 
Hlberlieferte ansehen müssen: sie begegnen auch in viel 
späteren spielmannsgediehten. Indes erlaubt uns doch 
die reimbehandlung im ganzen die zeit des dichters 
darnach zu fiiiren. Gewöhnlich setzt man dieselbe als 
1130 an, (loch ecliwerlich mit recht. In dem bald nach 
U.131 gedichteten Rolandslied sind die reimfreibeiten 
Bhoch bedeutend grössere. Wie lange nach 1131 das 
n;edicbt gesetzt werden rnnss, ist nicht leicht zu ent- 
scheiden. Nicht wahrsclicjnlich ist die abfassung nach 
1160 wegen einzelner sehr freier reime, freilich ist 
dabei zu berücksichtigen, dass ein rheinisches spiei- 
mannsgcdicht nicht mit dem massstab gemessen werden 
darf, wie ein oberdeutsches gedieht eines geistlich6]|J 
Verfassers. Ziehen wir noch das oben b, 6 gewonueni 
datnm in betraclit, ao werden wir den Rother 
Wahrscheinlichkeit 1152 — tiO setzen können. Auf diea« 
keine frühere zeit verweist auch das durchgefütirti. 
höfische ceremoniell und die bereits hervor tretend«^ 
spuren des minnedienstes. 

^3. Die überlieferan^. 
Das gedieht i^t uns mit ausnähme der scbluBSven 
vollstündig in der Heidelberger handschrjft (H) i 
pal. 390 Überliefert. Dazu kommen fragmente: 
Arnswaldisclie in Hannover (A), das Badener (BJ, jetS 
auf der bibliothek des germanischen museama in NUrnberird 
— beide in Massmanna ausgäbe abgedruckt — das Erm- 
litzer (£), zu derselben hs. wie B gehörend, abgedruckt 
ücrmania Bd. SXIX Heft 2 und das Mflnchener (M), ver- 
^^eaUicht von Keim. Sitzungsberichte der k. bayer. Akad, ■ 



der WiBB. 1869 II 309 — 11. Von diesen suchen A und 
BE die reime zu glättsn, was durch Umarbeitung und 
anfägnng von äickwörtern geechieht; Über die be- 
achaffenheit der vorläge von Ä iäaat sich nichts sicheres 
entscheiden, die von BE ist von H unabliÄngig und bietet 
manchnial die bessere lesart. M endlich liönnte auf 
das in Baiera entstandene gedieht direlit zurückgehn. 
2inr die sprachformen sind ine oberdeutsche umgesetzt 
worden, was ein paar mal auch zur änderuug der 
reimworte führte. Ks fehlen in M, der Heidelberger 
hs. gegenöber, eine reihe von versen, von denen ea 
sehr wahrscheinlich ist, dass sie erat durch interpolatioa 
in das gedieht hineingekommen sind. Da diese geringen 
fragmente eine kritische aasgabe nicht ermöglichen, 
hat man sich im wesentlichen an H zu halten. 

Die Heidelberger hs. bietet uns das gedieht nicht 
in seiner ursprünglichen gestalt. Eine reilie von 
grösseren und kleineren abschnitten geben sich durch 
den abweichenden ton, den gebrauch sonst nicht vor- 
kommender Wörter und ausdrücke, durch genauere 
reime und regelmftsaigerea vcrsbau als Interpolationen 
mta erkennen. Von längeren abschnitten gehört faiei*- 
pier: die Schilderung der leiden der boten im kerker 
(364- — 8ÖJ, znm grossen teil die rttstung zur zweiten 
fahrt Rothers (3379 ff.), Arnolds anspräche an die 
seinen (4115 — 42), die Verherrlichung Wolfrats nad 
der andren beiden (4333 — B4), die beratung der 
rieaen über Constantinopels Schicksal (4397 — 4458), 
die belehnnng Arnoida (4712 — 35) und der beiden 
Rothers (4823 ff.). Der iuterpolator schiebt geistliche 
betrachtungen ein und hat das bestreben nebenpersonen 
deutlicher hervortreten zu lassen. Auch im einzelnen 
ist wol manches geändert worden, besonders ^em reim 
zu liebe, und manches unursprüngliche in das gedieht 
hineingetragen. An dem ganzen der erzählung bat er 
dagegen nichts geändert und keine neuen sagenelemente 
eingeführt. Nicht begrilndet ist die annähme, dass mit 
den hMnfigen verweisen auf da: Irnoc/i die original- 
BBtalt des gediclites gemeint sei tiäet 4»,%% ' 



^UffCBtalt des 




begegnende ausdruck Hchtire ala „ttberarbeiter" 2tt 
Dehmen sei '). 

Aucli die spräche der Heidelberger \a. ist nicht 
in allen atUcken mehr die alte nütlelfräDkische. Aller- 
dings überwiegen noch' die mfr. elemente, ja es sind 
sogar zu denselben andere hinzugetreten, welche anf 
eine nördlichere gegend, also Niederfranken, verweisen 
und bekunden, dass das gedieht hier einmal abge- 
schrieben worden ist, vielleicht hier die Interpolation 
erfahren hat. Daneben sind aber die mfi'. eigentDmlich-- 
keiten (z. B. dat für daz) in grossem umfang beseitigt 
worden. Der Schreiber, von dem diese Veränderung 
herrflhrt — wahrscheinlicli ist es der Schreiber der 
Heidelberger lis. gewesen — muss nach Rheinfranken 
gehören, deun er setzt auch das nur diesem gebiet 
znkommende b'it für mit ein. In einigen punkten 
nähert sich seine spräche dem oberdeutschen: häuRg 
/ für d, einigemal das verschobene pf, zweimal har 
für her. Er muss in der nähe der fränkisch-alemanni- 
schen Sprachgrenze zn hause gewesen sein. — So ist 
allerdings eine eigentümliche mischnng von sprach- 
formen entstanden: man muss darauf verzichten diese 
in die des Originals zurück zn übersetzen, da ja dies 
bereite sprachlich gemischt war. Nur bei den reimen 
lässt sich meist die vom dichter gebrauchte form fest- 
stellen, doch durfte auch hier consequenterweise die 
Überlieferung nicht geändert werden, 

Ausgaben des könig Rother haben veranstaltet' 
P. H, von der Hagen in den Deutschen Gedichten des 
Mittelalters 1. bd. (Berlin 1608), Afassmann in den 
Deutschen Gedichten des XIl. Jahrb. II. th. (Quedlin- 
burg und Leipzig 1837) und H. Rttckert (Leipzig 1872), 
letzterer mit dem bestreben die nrsprün glichen sprach- 



I 



I) I 


JcbtrHchäut wird die ISllakeit 'Ifs iuterpoUlors duroh Edzuffl,, 


der Ihm ■! 




duran frat, 




Dofll, ii..e 


[ ^Itrdingii ein alleres godlchl st< nullit gedleal lub«n udfj 



11 

formen des gediehts hennstellen. An die Rückert'sohe 
ausgäbe schliessen sich an: die recension von Lambel 
in der Zeitschr. t Österreich. Gymnasien 1874, 168 — 81 
nnd Edzardi's „üntersncbnngen über König Rother^, 
Germania XVIII, 385 — 453, sowie dessen an&atz ^Znr 
Textkritik des Rother" ebenda XX, 403—21. 

Die hanpteigentümlichkeiten der spräche des denk- 
mais sind folgende. 



Iisutlehre. Vokalismus. 

a für mhd. o öfters in van, sal sali, wal oder tvcUe] 
vereinzelt in antwarde, bäte. 

e hänfig für mhd. i z. b. mer, der, helf, geberge; 
umgekehrt aach t für e z. b. tvilich, liven, silve, daza 
ie ftlr i, e z. b. riese, lieben, 

(cJ) häufig für mhd. u z. b. over, ovele, vorste\ 
umgekehrt u {ü) für o z. b. genumeyi. Der umlaut des 
u und bleibt unbezeichnet. 

ä noch häufig, wo das mhd. den umlaut ce ver 
langt z. b. riiäre, stäie, besonders in den reimen. Für 
e steht es in kärde. Der umlaut wird durch e bezeichnet. 

e für mhd. t in dre» Durch zusammenziehung 
entwickelt es sich häufig aus ie z. b. dS, bles, Krechen, 
d^est, kne oder aus ei z. b. en, tel, bez&chenunge. 

% vertritt auch häufig den diphthong ie z. b. Mit, 
artest. Selten für mhd. iu z. b. Lxpolt, 

6 (S) steht allgemein für mhd. uo z. b. goty vor, 
seltener für ou z. b. armboge, stop oder ü z. b. irörich, 

ü (ü) neben 6 häufig für mhd. uo. Fast regel- 
mässig vertritt es mhd. iu z. b. bütit, Lüpolt. 

ei öfters für mhd. ie z. b. heiz, reit, leib. 

ie entwickelt sich auch durch zusammenziehung 
z. b. sien, gesclen für sehen, geschehen. 

01 manchmal durch zutritt eines / zu o entwickelt 
z. b. schoine, doit. 

ou = mhd. ü, iu wird vor ?v geschrieben z. b. 
irourve, rouwe. Manchmal für uo z. b. sclouc. 

In den endsilben finden wir neben dem tonlosen 
e auch i. Das e erscheint öfters da, wo es nach mhd. 




regel scliwiDdeD mnss z. b. ane, here\ manchmal werden 
die einäilbigea formen aber dnrch den reim gefordert. 
Auch volle vokale finden sich noch an dieser etelle 
des Wortes z. b. erledigöt, vorderöst, dienan, trörande, 
weiniinde, erisU 

ConaonantiamuB. J 

& far m häufig JD bil. ,m 

p fUr mhd. p/' JBt regel im anlaut z. b, pleget^M 
mninc. Im inlant erscbeint es z. b. in ritirschap, 
Ipen, up. 

" ' J im inUnt ist regel z. b. leven, tvive; 
Im anstaut erscheint f oder ph z. b. gaf, wtph. Da- 
neben nach obd. weise h, im auslaut p. 

f fiillt vor / Öfters weg z. b. bedorte, fomen ^ 
mhd. hedorfle, ftmfzehen. Für ch einigemal einge- 
^eten z. b. plaf, ho/zich, l&ßen. 

w hftt sich im anlant vor r noch Öfters erhalten 
». b. wringen. Im inlaut einigemal für J z. b. mowe- 
ÜChe. In der hs. wechselt häufig ii- mit v, was nicht 
beibehalten ist. 

assimihrt sich folgendes b in umme mhd. umbe. 
= mhd. d, den im mittel fränkischen im 
12. jahrh. noch bew;ihrten spirantischen laut bietet die 
nur selten z. b. gethige, Thiederich, 
d ^ mhd. ( im anlant, inlaut naeh vokalen und 
liquiden sehr häufig s. b. dag, riden, Halden. Dt™ 
leben '■ j^ 

hd. z hflufig in den pronominalformen t'^B 
äit, it. auch sonst nicht Belten z. b. satle, scat, /i^| 

ut ftllt / öfters ab z. b. niar{l), knech{t) 
oder wird unorganisch angefügt z. b. Aspriän(l), sclöch{t). 
Uanchea ist wot nur nachlässigkeit, so jedenfalls daa 
lehlen des l im inlaut z. b, tocher. 



I 

D 

m 

bi 

I 

Ol 

I fernen aes i im iniaut z. d, tocner. ^^m 

sc und fcA wechseln. Aus s entwickelt sich Jt^^^l 
^fter vor ( z. b. sciagen, »viscliche. J^^l 

*( für fl in bedorsie = bedürfte, ht in forste «^^^^ 
■ ""-"""-•'-••"•■ 






^t 



n fllllt sTisl. oft weg, tmio entlieh im infin. z. b. ffezemeM 
habe, vermezzeliche. Inlautend n nacli vokal bleibt'] 
in der he. sehr bänfig unbezeichnet. 

g wird für j im an- und ioUut gescbrieben z. b. 
genir, vrige: für im mbd. vokaliachea i in gehein, ge- 
num. g Mit mebrmalB zwiscben vokalen ans z. b. 
mänkrt^t ^ magenkraf(. 

k = Bhd. ch öfters in (C, mic, sie, sonst ver- 
izelt E, b. sprac, leike. 

ch sehr häufig für das inlautende g geschrieben 

lach, burch. Dass g im Inlaut überhliupt als 
Spirant anzusehen ist, beweisen scbreibnngea vie ir- 
sag ^ irsach. ch für k vereinzelt z. b, roch, starch. Das 
für /■ (virlreich, gach, wurchen) und t (höflich, zieh, 
trüch, goch) einigemal eintretende ch scheint lautlichen 
wert £u haben. 

h zwischen vokalen fast immer ausgefallen z. b. 
iSn oder sien *= sehen, züt = ziuhet. Oeftera wird 
aber die volle form durch den reim gefordert Meist 
schwindet auch h nach t z. b. hefden, häufig vor ' 
a, b, forte, n'orle und vor s z. b, ses, Sassen. Im 
anslant z. b. mar, vl6. 

Umstellungen sind bei Verbindung von r mit einem 
consonanien häuHg z. b. vormtg ^ vromig, tröste — » 
forste, vrochle = vorchte\ sogar trü/ich = türdch, 
tdrsle ^= tröste wird geschrieben. Inlautend r naoh^ 
vokalen bleibt in der hs. häufig unbezeichnet, 

Flexionslehre. Conjugation. 

Endungen: in der 1. sg. erscheint ausser bei häl*i 
stän , din ein -n auch eonst vereinzelt z. b. u^a 
lisen-, die 2. Bg. gebt gewöhnlich auf -s aus z. b. fieziffT 
dieselbe endung erscheint oft im praet. ind. z. b. wSres:^ 1 
die 3. %%. auf -t, aber gewöhnlich ts neben ist; dl6>^ 
1. pl. auf -«; die 2. pl. auf -n z. b. sin, nemen, UezlnJ 
■t; die 3. pl. auf n z. b. gevallen, im praes. i 
ih auf -nt. 
Von einzelnen verben weiBen folgende vom mh< 
iweiobende formen auf: 




I Itän nnd haven neben einkoder, sn letiterem «neb 

formen mit e z. b. heoel, hebele. 
I gdn, stän neben gm, slen, und in der 2. 3. üng. 

präB. ind. Icomint &Dch geis, stets, geil, steil vor. 

Prit. gie oder gieng, stünt. 
\ sehen (sen, sien) bildet sein prät pL meist sägen, 

I CODJ. "ege. 

1 geschehen {gesehen, geschien) flectirt regelmäBsig, 

Y doch kommt einmal ein p. p. gescheit vor, eine dem 
I mfr. geschiel eotaprecliende form. 
l n'iV flectii't zuweilen nacb mbd. weise, in der regel 

I sber (eelbt geg;en den reirnj als regelmäBeigea sohwaches 
[ rerbnm : ich n-ille, du wilies a. b. w. 

I DeclinatioiL. 

I Von masc. hat schö (^= schuoch) schwache dexion 

[ angenommen , von fem. kemenäte, keline, kröne u. a. 

I Die ntr. bilden den plnr. hänfig anf -e z. b. böche, 

» rosse. 

I Beim adjectiv sind folgende endungen abweichend; 

I nom. Bg. fem. uud nom. acc. pt. ntr. starker dexion 

I auf ~e; dat. sg. masc. und ntr. et. flexion nach mfr. 

I weise anf -£?i, daneben anf-£ine; dat. sg. fem. scliwacber 

' flexion anf -er, daneben auf -en. — Wenn nach ein 
und dem poBBessiTpronomen gewöhnlich die schwache 
form erscheint, so entspricht das der mfr. regel. 

Vom perBonalpron. 1. 2. peraon erscheint dat Bg. 
sowol als ml, dl wie als mir, dir, der acc. lautet mich, dich 
{mic, die). PI. wir oder m, ir; dat. nnd acc, als 

Ivns-unsich, ü-iich gewöhnlich auseinander gehalten. 

T Vom gesc blech Hieben pron. 3. person kommt der nom. 

j tg. masc. als er. her, he nebeneinander vor. — Der 

Igen, dieser pron. nacb mfr. regel mines, dhies, sxnes 

r.tn der Verbindung mit selves. 

Possessivpron.: mhi, (fiw, sin, ttnse, ihre oder ütver. 

[ fttr fem. Bg. und pl. der 3. pers. bat sich iV ausgebildet. 
Demonstr.: die (de) oder der, die (di), dal (daz). 
KBelat.; mie [ife) oder teer, wat {waz). 



ä 



Bi deme westeren mere^) 
saz eiii^uninc, der heiz Ro^ther; 
in der stat zu Bare 
da lebete er zft wäre 

mit vil grOzen §rin. 5 

ime dientin andere heren: 
zw^ne und sibinzich kuninge, 
biderve unde vormige, 
die wären ime al undertän. 

er was der aller heriste man, 10 

der da zu R5me 
ie intfinc die krönen. 

Rüther was ein here, 
sine dinc stünden mit erin 

unde mit grözen zuchtin an sinen hove — 15 

iz nehaben die horche gelogen — 
daz ime da an göte nihtes negebrach, 
wene daz er äne vrouwen was. 
dö rededen die jungen gräven, 
die in deme hove wären, 20 



wie s6 äne vrouwen 



ir erbe solden büwen. 

dö düchte sie alle recht, 

swär so war ein gut knecht, 

deme die riebe werin undertän 25 

unde so manic wol geboren man, 

daz er ein wip neme, 

de ime zu vrouwen gezeme. 



1) ,,Das adriatische meer im gegeuBatz zwxn. ^Q.'6k,\%e\i«Ql'^ . 



16 

unde virsciede er an erben, 

so wäneden s6 irsterben; 30 

Werne sie dan die krönen 

solden geben zö ßo'^me? 

Alsus redte der h^rre: 
„ich vorchte vil s^re, 

daz ic küninges do^chter gehige 35 

unde iz tan uvele gethige, 
dat her ez gewreche ane mtnen liph. 
gerne hetich ein wolgeboren wiph, 
die van allem adele 

gezeme eime koninge 40 

unde zö vrouwen riehen herzogen. 
ic neweiz sie neirgen in dime lande ^), 
die mir so wol gevalle, 
daz ir sie lobit alle". 

Dö heter ein gräven ' 45 

der half ime wol zo** wären 
mit listen grözer 8ren: 
so dienete er stme hören, 
des quam er stt in gröze not. 

Lüpolt heiz der helet gut, 50 

der was in Rötheris hove 
mit grözeme vlize gezogen, 
er was sin man unde mäc; 
an deme stünt ouch stn rät. 

der was der aller getrüiste man, 55 

den ie sichein römisc kuninc gewan. 
die türen volcdegene 
die giengeu zö samene, 
die wisen althörren, 

die plagen grözer 6ren 60 

und göter züchte under in. 
sie nanten ein megetin. 

Lüpolt der sprach zi aller örist: 
„ich weiz wizze Crist 



1) Kann des reime wegen nicht richtig sein. Büokert vermutet hove, 
das aber dem ainne nach wenig postt. 



17 

öster over sc 65 

einis rikcn kiininjjjes to^chter vil her 

da z6 Coustantinopole 

in der meren burj>v. 

ir vater hcizit Constantin, 

schone ist die toeliter sin: 70 

siu luclitit uz deme gedigene, 

so daz gesterne tat von deme hiinele. 

siu lüchtit vor anderen wiben, 

so daz golt von der siden. 

siu ist in midin also snial, 75 

sie gezeme eime hcrren wol, 

unde mochte von ir adele 

gezeme eime koninge. 

ir dinet aller degeliche.^) 

daz wizze aber got der riche, 80 

umbe de stät iz möweliche, 

wände ir nebat nie nechein man, 

er moste den lipli virloren hän". 

Also der kuninc do virnam 
den rat der was getan, 85 

ein marcgräve der heiz Herman, 
mid deme er' Orist reden began, 
wer der böte mochte sin, 
de ime irwur])e daz megetin. 

dö sprach der marcgnive: 90 

„ich sage dir ze waren, 
herre, iz to"t Lipolt, 
die ist der van allen herzen holt 
unde weit oucli wol we ez umbe daz wiph stat.^) 
truwen, daz is min rat: 95 

machtü in mit minnen 
in de rede bringin, 
daz er din bode wille siu, 
der werbit dir aller triiwelichis umbe daz megetin". 



1) (rfwühulic'h erklärt als aller degene gcUrh, was aber nicht ohne 
bfdenki'u ist. Vielleicht tegeliche und aunfuU eines verses. 

-) Der Vers wird von Ameluug in zwei zerlogt, u\\\. «a\w^\\öä waw^ 
dreifachen reimes (L'ipolt : holt : koI). 

König Rother. *L 



18 

Eüther sande boden dräte 100 

nach Lipoide in eine kemenäte. 
aiser vor den kuninc quam gegangen, 
dö war er wol untfängen. 
der marcgräve römt ime den sto^l: 

daz heiz in sin herre dön. t05 

Also Liupolt gisaz, 
der köninc gezügeliche sprach: 
„ich hän durch michele not 
nach dir gesant, helet g6t, 

daz tu mir werbes umbe daz megetin, HO 

die da s5 wundrinscdne si, 
unde hilf mir miner erin: 
ja sprechint dise harren, 
du sist aller best darzo", 
helit, nü salt tftz durc dinis selbes frumicheit do^n". 115 

Alsus redete dö Liupolt 
(dem kuninge Rüther was her holt): 
„herre, dune salt mich so verre manin niet. 
din Sre sin mir also liep, 

daz ic dir werbe die bodescaft, 120 

so ich aller trüwelichis mac 
umbe daz vil scöne wip 
oder ich virlösen den lip. 
nü heiz dir gewinnen harren, 

die du mit dinen §ren 125 

wol mugis senden 
üz disen landen, 
eilf riche grävin, 
der zwelfte bin ich zwären. 

Ich wil daz have gräven igelich 130 

zwelf rit^r herlich, 
die alle so gut gewant haven, 
daz wir äne laster vor ein kuninc mugin tragen". 

Der kuninc dö sinen hof gebot, 
sowaz er vnrsten hete gesamenöt, 135 

zw6 und sibenzic krönen, 
die deneten ime scöne. 
den sagete h6 sinen willen. 



19 

dö sprach vile manic helit snelle: 

„herre, woldit ir mic senden 140 

hinnen zo^ der erden enden, 

daz newiderredtich durch neheinen man: 

wir sulen ftch alle s!n underdan^S 

eilf gräven ime dö swo^ren, 

daz sie erme harren umbe die maget vören.^) 145 

sie wären dem kuninge alle holt; 

daz machete silber unde golt, 

daz er in knnincliche gap. 

sie'wiirben des herren bodescap. 

Alse die vart wart gelobit, 150 

d6 nam swert üfe deme hove 
ein vil junger degen. 
beide sabel unde kelen, 
ein gräve der heiz Erewin, 

da mite zireter die riter sin. 155 

die anderen herren däten sam, 
vil wol vazzetin ire man. 
ir ros wären alle blanc. 
iz quam in nie nichein laut 

so manic bäte wol getan. 160 

sie l^ite ein vile listiger man, 
der was dem kuninge vile leph 
unde nehäte der untrüwen niet. 

Die ktle wären gevazzöt 
van den Stade wolde Liupolt der helit göt 105 

der kuninc heiz in stille haven 
und bad eme sine harfen dar tragen, 
einis zeines her ime gedächte, 
daz her sint voUenbrächte. 

er hiez die herren alle gän, 170 

Oven üfen kiel stän, 
drt leike er in nande, 
die sie sint wole irkanden. 
dö sprach der herre vile g&t: 
„kumit ir imer in decheine not, 175 



1) Von Amelung in zwei veree zeTlegl ^tulW'en \ 'KIrrtu \ x^r««^. 

1* 



20 

swä ir viraemet die leiche drt, 
da sulder min gewis sin", 
des vrouwete sich manic man, 
der sint in groze not quam. 

Iren ruf sie dö höben, 180 

von deme Stade sie vören. 
eiä, we die segele duzzen, 
do sie in ouwe vluzzenl 
die herren vluzzin in dat mere. 

dö stünt der kuninc Röther 185 

unde bat got den riehen unde den guten 
durch sine ötmöde, 
daz er sie sande 
wider heim zä lande. 

er sprach: ,,srver danne wil scat nemen, 190 

deme sal ich in äne zale geben; 
wil er aber bürge unde laut, 
des gibich ime in sine gewalt, 
unz in des selven dunket vil — 

we gerne ich daz dön wil! — 195 

und helfe ime daz beherten 
mit mines silbes s werte". 

Dö vören die boten here 
üffe den sc verre 

gegin Constinopole dar zö Krechen. 200 

ir /fiele se dö stezen 
in daz frümede lant. 
sie trögen riterlich gcwant 
alle geliche, 

sie vören vermezzeliche. 205 

dö bat Liupolt einen koufman 
eine wile zö dem schitfe gän, 
unz sie von hove qucmen, 
des wolder ime wol lönen. 

einen mantel her ime gab. 210 

,dri tage unde nacht 
hödich dir", sprach der koufman, 
„so war du wilt ritin oder gän. 
daz weiz der waldindinger got. 



21 

der mer zö lebene gebot: 215 

du häs mir so kimincltche gegeben, 

ich wil diner schiflfe wol mit triiiwen phlegen". 

Die harren vazzetin sich, 
aisech kan virstän mich, 

daz nie vor nicheinen man 220 

so manich schöne bode nequam. 
ire mantele wären gesteinit bt der erden 
mit den besten jächanden die ge dorten gewerden; 
die draehen van schiren golde^), 

also siez haben wolden; 225 

herze unde binden, 
maneger slachte wunder 
truogen die helede göde 
üz van golde an ir gewede. 

mit samite und pfellele 230 

waren die sadilsch eilen 
geztrot, dat was michil loph. 
sie quämen schöne üffe den hof. 

Die herren ritin nffe Constantinis hof. 
da intfenc man in de ros. 235 

dö lüchte manic jächant 
von enander in daz gewant. 
der türlichir degen Erwin 
der hez die zwelf ritär sin 

mit zuchtin nach ime gän; 240 

die anderen herren däden sam, 
sie gengen alle in sunderlich schare, 
ir gewandes nämen sie gröze wäre, 
da quam deime kuninge m^re, 

daz üffe deme hove wöre 245 

ein lossam rittirschap. 
eiä, waz der kaflfere was, 
die den vrouwen sageten, 
wilich gewant de geste havetenl 

Alsus redete du göte kuningin: 250 



1) Die mäutel waren am säume mit edelsteinen besetzt und mit v;qI<1- 
plättchen in der gestalt von draehen u.a.i«. ^eTz\«T\.. 



22 

„nü staut üf, herre Constantln, 

und intfa wir dise geste. 

w6 gerne ich daz wiste, 

wannen sie knmen w^ren. 

ir gewant is seltsSne. 255 

swer sie hat üz gesant 

her in unser lant, 

der ist ein statehafter man. 

of ich mt^ rechte versinnen kan, 

mich dunket göt, h§rre, 260 

daz wir dese boden eren. 

sine sint der antworte nicht gewone, 

die du tös manigen boten vore. 

ich w^ne daz nie so manic man 

schöne in diz lant nequam. 265 

sie sint alle wol getan, 

beide ros unde man. 

iz nequämen ng lüte s5 wunnencllche 

in diz Constanttnis riche". 

In den hof der kuninc gtnc, 270 

die helede er alle wol intfinc, 
unde die göte kuningin, 
sie hiez sie willekume sin 
9Xle geliche 

unde neig en gezugenliche. 275 

sich hof ein grdz gedranc: 
sie düchte selts^ne daz gewant. 
von ritarin unde von vrouwen 
dar wart ein michil schouwen. 

dö redite ein [altjvrouwe ') die heiz Herlint: 280 

,,swannen dise herren kumen sint, 
daz ist ein wunderltchiz lant. 
sie tragen s5 manigen jächant, 
geziröt mit deme golde; 

daz daz got wolde, 285 

daz wer den kuninc gesehen, 
des dise boten wSren". 



IJ Amelung nimmt dd redite ein alCvrouu« ala besoaderen ven. 



23 

L6polt z6 dem kuninge sprach: 
„nu orlöve mir mtnes harren bodescap, 
dar umbe ich bin gesant 290 

her in diz lant, 
daz ich der sage, h^rre göt, 
waz der ein riche kuninc inböt. 
der ist der aller schöniste man, 

der ie von wtbe gequam 295 

unde verit mit grdzer menige. 
ime dienent snelle helede. 
scal ande vedirspil, 
des ist in mtnis harren hove vil, 

ros unde juncvrouwen 300 

und ander ritaris gezouwe, 
des vlizit sich min h§rre. 
von du mahtü mit §ren 
mir irlouben mines herren bodescap, 
wände her weiz aller tugende kracht". 305 

Alsus antwarde Constanttn: 
„nft sal iz dir irloubet sin 
durch dtnes herren willen, 
nü werph swaz du willes. 

du bist ein wßtlicher man, 310 

dft Salt mtnen urlob hän". 
dd sprach Lüpolt 

(dem kuninge Röther was er holt): 
„nft vimim mich, kuninc Constanttn, 

min htoe gerit der tochter din, 315 

der ist gtheizen Köther 
und sizzit westert über mere. 
her ist ein statehafter man, 
her wolde dine tochter z6 einer kuninginne hän; 
und wil daz got von himele, 320 

daz sie kumen zö samene, 
sone gewan nie bezzer wunne 
wip mit einem manne". 

Trdrich sprach d5 Constanttn 
(zumich was der möt stn): 325 

>,daz ich die rede irloubit hän, 



24 

des möz ich lange trörich stän. 

were min siete so getan, 

(laz ich sie gebe geheinen man, 

so mochtich sie mit erön 330 

senden dime herren. 

daz weiz aver got der riche, 

du tätes wisliche, 

du vurreditis umbe die bodescap, 

dune bescöhetis anderis nimmer mer den tac.^) 335 

wände min er tochter nebat nie nichein man, 

er nemöste sin hovet virlorin hän. 

so mag iz ü nicht irgan, 

ir Sit alle gevän 

unde negeset üweris harren 340 

riche nimmer mere". 

Der kuninc heiz die botin kere 
in einin kerkere, 
da wären sie inne manigen tac, 

daz ir nie nichein de sunnen gesach, 345 

noch den mänen so liecht. 
leider sie neheten vrouwede nicht 
wone vrost unde naz. 
hei wi groz ir arbeit was! 

se häten hnngir unde not, • 350 

sie wären nä blibin töd. 
die dar heime gnöc habeten, 
mit deme wazzere sie sich labet en, 
daz under in swebete. 

we küme die herren libeten! 355 

dö weinte manic man 
sinen lib wol getan, 
ir herzerfiwe was groz, 
sie nehetin zö niemanne tröst. 

iedoch half in got der göte 360 

dure sin ötmöte. 



1) ,,Du hast weislich gehandelt, dass du vorher um die botsohaft 
ledetest (d. h. batest, dass dir gestattet werden möchte sie auszurichten), 
sonst würdest du niemals mehr das tageslicht gehen (d. h. sofort getötet 
werden)'*. 



25 

daz sie alle samen gesunde 
quämen heim zö lande. 

Nu mugide?' hören mdre 
de nöte von den herren. 305 

du sprach der herre Erwin 
zO Lupoide deme meister sin: 
„owi, lieber brQder min, 
wie lange sul wir hie sin? 

wer heifit nü den mägen, 370 

den wir götis schuldic wären 
oder weme sal unser erbe 
zü Jungestin werde? 
der Adamen gebilidöte, 

der helfe uns uze derrer nöte". 375 

du vielen sie al in crüces stal, 
niichil wart der ir scal [hal], 
da, sie zö gote riefen. 
we trörich sie weifen! 

vil trürich iz öz ir herzen gienc. 3S0 

etlichir in daz wazzer viel, 
daz er dar inne belochen lac. 
Sit gesähen sie den tac, 
daz sie vröliche 
besäzen da heime ir riche. 3S5 

Der kuninc heiz dö hinen gän 
beide mäge unde man, 
daz sie die zirheit gesähen, 
die in den kielen lägen. 

dö giengin die juncvrouwin 390 

dure wunder sehouwen 
mit in zö den schiffen, 
(iä sie daz göt wistin. 
nu nekan ü nichein man gesagen 

die wunder, die in den kielen lägen. 395 

da inne was daz golt röt 
kleine gewieröt, 
nuskele unde vingerin, 
daz die botin mitsam in 
hetin brächt den vrouwen; 4kS<^ 



26 

vunf dftsint bouge, 

die sie al geben wolden, 

so sie widir k^ren solden; 

rossekleit unde vanen 

lac dar ein michil teil ane 405 

unde v^he gezelde, 

wole geworcht mit golde, 

gäben in ir holden, 

dd sie von lande varen solden, 

die sie in selben beten irwelit. 410 

da was manic snellir hellt 

vil virmezzinliche üz kumen, 

iz nehaben dd böche gelogen. 

Nu sagit man uns von schazze^) und von golde: 
sower daz sien wolde, 415 

des lac da ein vil michil magen. 
der kuninc heiz iz abe tragen 
und beval iz sime kameräre, 
daz er is also pldge, 

sowanne man iz haben wolde, 420 

daz er iz haben solde, 
iz wäre wäfen oder vane, 
daz is icht qudme dane; 
swä ein ros irsturbe, 

daz ein ander widir gewwnnin wurde. 425 

daz gebot er ime an sin liben 
und heiz in des sd plegen, 
ob man iz immer wider gegdbe, 
daz iz dar allez wdre. 

Nu wertiz jär unde dag, 430 

daz vil manic man lac 
in deme kerkendre 
unde qualitin sich sSre: 
gröz was ir weinen. 

unde ouch Rdther dft heime 435 

vil sere tröröte 
umbe die botin göte. 



1) In der ha. ausradirt bis auf . . . e. 



27 

her wranc stne hende 

unde gedachte in manigin ende, 

wg er daz besage, 440 

w& stne boten lägen. 

dö giengen die alden rätgeben, 

der vrunt da wären under wegen, 

die weinötin vil sere 

and bätent ouch ir harren, 44i> 

daz er sie silbe gestehe, 

ob sie lebende w^ren. 

Röther üf eime steine saz — 
wS trürich ime stn herze was! — 

dr§ tage unde drte nacht, 450 

daz er zd niemanne nicht nesprach, 
wene daz her allez dächte, 
wS er kumen mochte 
zö Eriechin in daz lant, 

da er hete gesant 455 

manigin boten h^rltch. 
dö heiz er gön vor sich 
Berchter einen alden man, 
zö deme er allen sinen rat nam. 
des snne wären ir sibene*) 460 



der nelegitiz onch niergin nidere. 

her sprach: „du salt mir rätin, Berchter, 

w§ wir knmen ober mer 

zA Constönopole in d^ stat. 

is daz des got gestadet hat, 465 

daz der kuninc Constantin 

gehonbetit hat der boten m!n, 

sone willich nimmer m^re 

beliven an Römesker erden, 

^r iz ime an den l!b gät; 470 

owi wo tröric her mich gemachit hat!" 



1) Nach T. 460 ist eine lücke anzunehmen. Wie aus v. 474 f. hervor- 
geht, hatte Berchter zwölf söhne , von denen sieben sich der botschaft an- 
geflohloosen hatten. In dem v. 461 vorangehenden versa musa von d«x 
klage Berohters um diese die rede gewesen aein. 



28 

Alsiis redete do Berchter der aide man, 
(er was ein grave von Merän): 
„ich hete eilif sime herlich; 

der zweite hiez Helfrich, 475 

den santes du über Elve 
mit vil grozer menige. 
da vor er hereverte*) 
und manige stürm herte, 

da er die heidinen quelete, 480 

die sunder ewe leveten: 
an godes dienste wart er irslagen. 
den nemuge wer nummer verklagen, 
nii sin ir sibene an desse vart. 

owi daz ich ie gebom wart, 486 

ich vil weineger man! 
waz ich lieber kinder virlorin hän! 
Lüpolt unde Erewin 
waren die edelsten sune min. 

sowanne ich der vunver virdage, 490 

dise zwene nemacb ich nimmir virklagen. 
Ruther, lieber herre min, 
daz sal nü min rät sin, 
daz wir varen herevart 

und ir beide üngerin und Krechen slät. 495 

ich vöruch ritäre düsint. 
mich ruwent sere mine kint". 

Des antworde ime dö Röther, der getrüwe man: 
„des saltü imer Ion hän. 

ja hörtich minen vater ht bevoren sprechen, 500 

sower were ein göt recke, 
daz her unrechte tete, 
so man ime göten rät gebe, 
daz er des nicht neneme. 

nü wil ich üflfe den hof gän: 505 

wir suln iz den herren allen sagen 
unde künden iz göten knechtin — 
daran tö wir rechte — 



1) Der dichter denkt an die kämpfe gegen die heidnischen Wenden; 
dasa er aber einen bestimmten kriegazng \in. «w%^ Vv^Vj^, Ut unerweislioh. 



29 

wie iz in gevalle, 

unde bedenken unsich alle. 510 

wat ob ittelicher ist, 

der hat bezzere list, 

dan wir uns haben genumen? 

war umbe solde wir mit so manigime kumen 

hin z6 Krochen, 515 

wine wisten wcrlicbe, 

ob so wären gehoubitöd? 

waz ob sie der grimmige tot 

noch hat neicht bevangin? 

söche wir sie mit here dan, 520 

so quellt men die helede lossam. 

daz weiz der waldendinger gut, 

der mer z6 lebene gebot, 

sd rüwin sie mich sere". 

dö weinitin de herren. 525 

Alsus redete dö Berther der aide man: 
^kuninc, dune mochtis nimmer s5 g6te sinne habe, 
lehne wolde dir gerne gevolgich sin.^) 
die leit die sin half min. 

nü samene, herre, dine man, 530 

ich wil is gerne iren rät häji, 
mit wie getanen sinnen 
wir Kriechen bekennen. 
daz is ^n, herre. 

mich rüwent vil sere 535 

mine süne wol getan, 
die ich wunderliche virloren hän. 
die sandich durch dine ere. 
nü westu, lieber herre, 

also vil als ich, 540 

wei iz an iren dingin kumen is, 
wene gut durch sine krefte 
helfe mir schadeA«/*^in, 
daz daz muge gesch8, 
daz ich mtne kint lebende gese". 545 



I) „Welche guten gedaukea du auoh haben magst, ich will dix ^«e^xvi« 
folgsam sein". Die gleiche negativ-hypothetisclie auadt\xcVÄVjQ>\*e w\c\\"'o> 



30 

« 

Röther g!nc z6 hove 
mit deme alden herzogen 
unde bat sine liebesten man 
vor sich an den rät gan. 

dö dS harren vimämen 550 

die starken numare, 
da h6rde man manigin vromen man 
vromicltche rede hän, 
da mide sie ir herren 

hülfen grözer 8rin. 555 

sie giengen zö samene 
sprachen vor die kameren. 
sie reiten iren herren, 
er solde mit grözen ^rin 

in recke wis over mere vare, 560 

so mochter stn ^re aller bezzist beware; 
wente ein ald herzöge 
was in Rötheris hove, 
der riet daz man iz solde irwenden. 

do half der vatir sinin kindin. 565 

er sprach: ,Jä du zagehafter man, 
wei trostis du an disen rät gän?" 
mit der vüst er in sclöch, 
daz ime üz deme halse vuor daz blöt 
und er ouch lach drie nacht, 570 

daz er nehorte noch nesprach. 
d6 sprächen Bercheris man, 
her bete ime al rechte getan, 
war umme her in solde sßren? 

ir herre hete doch schaden m^re 575 

dan der anderin sicheinir, 
man nesolde ene nicht leiden. 

Der herzöge hatte den schaden, 
im was ein michil slach geslagen. 

die herren gingen dräte 580 

vor den kuninc mit deme rate 
unde reditin under in, 
ob er is gevolgic wolde sin. 
sie sprächen: „wir haben einis dingis gedächt 



31 

daz mac wol werden vollebracht. 585 

der herverte ist ein tßl zö vil, 
unde ob du iz tßn wil, 
so machtü dich aller best bewaren, 
wiltü in recken w!8 over mere varen. 
wände sdche wer die Kriechin, . 590 

daz wizzestü w6rliche, 
sie tun uns vil z5 leide, 
und lebit der boden sich^nir, 
sie mdzen alle kiesen den töd, 

des is den Kriechen michil ndt 595 

nü vöre golt unde schaz, 
des ein michil mänkraft 
in diner kameren 
is gelegit z6 samene: 

des bistu, kuninc, riche. 600 

nü teilene vrumeliche, 
mtn vil lieber hßrre, 
da mide Stent din 8re. 
wir nemugen mit unsen sinnin 

nicht bezzeris rätis vinden. 605 

nevolgis du des nicht, Röther, 
sone kumistü nimmer über mer^'. 
D5 sprach der kuninc ilche 
harte willidiche: 

„ir habit vrumicltche getan, 010 

ich wil ü gerne volgan. 
swaz mir ie war, daz was ü leit. 
diz ist ubergulde aller wärheit, 
daz ir mir nü sd vaste bestat, 

nü is mir an die not gät. 615 

Ich han gewisse michelin schaz: 
nü mdze er gewinniD gotis hai, 
der sin immir icht gespare, 
swilichin enden er gevare". 

Tiere boten er dö sande 620 

TÜ wttin inme lande 
unde inböt in al geliche, 
dd d& woldin werdin rtche, 



32 

daz sie zü hove quemen, 

der da solde sin zo Röme, 625 

da bedorfter er z6 eime dinge, 

daz nemochter nicht wol viillenbringen 

{ine göte knechte, 

iz neqiieme ime unrechte. 

einin briet* er do sante 030 

zö eime unkundigin lande: 

da was ein riesc der hiez Aspriän, 

der nemer zo hove niquam. 

durch die starken numere 

hüb er sich zwäre 035 

mit unkundiger diete 

vor den kuninc göten. 

der vörte riesiniske man, 

die trögin stangin vressam. 

Des kuningis numere, 040 

(daz sagech ü zwäre) 
die irschullen harte wide. 
die herren begunden riden; 
da vazzite sich man wider man, 

daz er schone zö hove quam. 045 

durch daz iz ein hovespräche was, 
ir nechein iz nevirsaz. 
do gewan her michele heres kraft, 
sie ritin dicke scharehaft, 

dö zwä unde sibinzich krönen 050 

vur den kuninc quämen zö Röme. 
dö sän sie in dorne melme gän 
einin wunderlichen man, 
den nemochte nichein ros getragen, 

der duchte sie ein seltsene knape. 055 

der tröch eine stäline stangin, 
vier und zweinzich ellene lange, 
des wart sie ein michil kaflfen an getan, 
sie') brachte ein riese, der hiez Asprian. 



1) Sit in V. G'3S. .'lO muss auf die gesamte schaar der rieseu bbzojsren 
werden, von der v. »>3S, aber nicht unmittelbar vorher, die rede war. Viel- 
leicht liegt ein fehler der überlief crung vor. 



33 

Also Berther die riesen an gesacli, 600 

nü miigit ir hören wie her sprach: 
„ich sie dürt guote knechte, 
die tiirrin wol vechten. 
uns kiimit z6 vöze ein schöne schare, 

die sin harte wicUche gare. 665 

min vil lieber herre, 
untfa sie nach dinen eren. 
si sint zö den brüsten vil gröz. 
war gewan ie sicheinis kuningis gnöz 

so manigin wichgaren man? 670 

swär sie einen zom willen hän, 
sowilich in intwichet vor der stangin 
unde her in mit deme s werte gelangit, 
der nedorfte umbe daz sin leben 

nimmir einin pfenninc gegeven. 675 

nft vöre, kuninc Röther, 
derre wigande zwelfe ober mere, 
sone dar uns nehein man 
mit sime volke bestän, 

her nemöze virlSsin den leben. 680 

al sie in de hof ungelegen, 
sie sin doch so wichgare kumen 
dir zö helfe unde zö vromen". 

Die riesen in deme melme 
trögen Hechte helme 695 

unde brunien sn^wize, 
gewroht mit allen vlize, 
die swert zö den Stangen, 
dö geislen also lange: 

daz die riemin solden sin, 690 

daz wärin ketenen iserin, 
grdze knöpfe hingen dar an. 
michel wunder sie des nam, 
die 8Ö heten gisen, 

waz en solde gesehen. Gü5 

sie wäfenden sich mit grimme 
in die liechtin ringe, 
ir gebore wärin vrumeliche getan. 

König Botber. *>> 



34 

do irsag iz der herzöge van Merän: 

vil luzzil er dö twalte, 700 

unze her daz volc irrante. 

her sprach: „wer hat irhaben diesin scal? 

den verbedich über al". 

Dö sprächen die stormgierin: 
„wir untforten gine herrin. 705 

den sule wer imsich nidliche wenn 
durch daz wir uns generen". 
dö sprach der aide herzöge: 
„sie kumint dur göt here zö hofe. 

iz ist der kuninc Aspriän 710 

unde bringit riesinische man", 
wol unticnc der kuninc riche 
de riesin al geltche 
unde man igen vromen man, 

der zö stme hofe quam, 715 

unde sagete in allen sine not, 
die dar hette der helid göt. 
her sprach: „nü vumimet, türin wigande, 
ich möz üzime lande 

in einis recken wise varen 720 

unde wille mich anderis namen. 
ich wene, der kuninc Constantin 
gehoubitit habe die boten min: 
des is nü jär unde dach, 
daz ich ir negeinen negesach". 725 

Do begunden die harren dringen 
vaste zö deme ringe 
unde machitin eine schare vil breit, 
dö zirete sie wisheit, 

unde reditin under in, 730 

Berchter solde kuninc sin, 
biz ir herre queme, 
wände her der krönen wole pflege, 
dö sprach der herzöge: 

„ichne darf nicheinis gerichtis hie zö hove. 735 

wände bevildir mir daz üwer laut, 
iz wirt beroubit unde virbrant, 



35 

virhert die marke, 

virwösten^ [sie] vil starke.*) 

von du kiesit ü einin anderin man, 740 

ich wille nach mtnen sonen varin. 

nü bitit Amelgerin, 

die mach wole wesen herre". 

deme beväien sie die krönin 

imde daz gerichte z6 Röme 745 

an eime vil schönin ringe. 

her was von Tengelingin. 

Der kuninc Röther zö ime nam 
zwelf herzogen lossam 

nnde herzogen iegelich 750 

zwei hundert ritär erlich, 
so sie aller schOnist wären kiimen. 
die vil türlichin gumen 
linder deme volcmagene, 

die höben sich zö samene. 755 

dö vörte der kuninc Aspriän 
mit ime zwelf sine man, 
da under hette her einin riesin vreissam, 
des moste man gröze böte hän. 

der gienc gebunden alse ein lewe 760 

unde was der aller künisten eine, 
der ie mütirbarn gehiez. 
swenne man in von der kitenin geliez, 
deme nitete nieman einin zom, 

er nehette den lib virlorn. 765 

der was verre gegangin 
yon der riesin lande 
durch degenhete willen, 
mit drouwe unde mit minnen, 

so virwant in Aspriän, 770 

daz her wart sin man. 
er was vresliche gemöt. 
Witolt hiez der hellt göt. 



1) Warum Berchter befürchtet, dass seine regentschaft zur verhee- 
nmg des landes veranlassen werde, ist aus dem gedlciVvX,« mOcwX. «t%\s?(v\>2vO&. 



36 

Der kiininc hiez daz gedigene 
mit Emilgcre rttin widere, 775 

unde daz sie daz rtclie 
bewarten vromeltche 
vor aller slachte ubelen inannin. 
dö kärde der herre dannen 

ingegin der stat zö Bare, 780 

dar die kiele wären 
so wltine gereitöt, 
dar inne der hellt göt 
over mere solde varen. 

mit golde wären sie geladen 785 

imde mit grözer zirheit, 
samit unde pfellile breit, 
den schaz man äne zale nam 
imde trog in allez daz an 

fiz des kuningis kameren. 790 

sie vörtin üffe den wagenin 
hinne zö den kielen 
maniger slachte gewire. 

Der kuninc heiz ime gewinnen man, 
die göt gesmtde künde slän 795 

schöne üzer golde, 
alse iz dß ritär haben wolden. 
daz worter allez über acht: 
iz newir biz an den tümistach 

nimmer me nichein man, 800 

der suliche wunder möge begän. 

Dö wären des kuningis kiele 
gereitit vil schire. 
sine harfen her zö ime nam. 

her heiz daz lüt unde die riesin in gän. 805 

von deme stade sie scubin, 
die sigilriemen sie zogin, 
sie vören zö Constinopole, 
der vil mören bürge, 

über dö sö vil breit. 810 

der kuninc gedächte eine wisheit. 
er sprach zö herren allen samint: 



37 

„wir sulin in ein unkundegiz lant. 

iz inist nichein kindis spil, 

daz ich ü nü sagin wil. S15 

wir mözen mit götin listin 

unser lib gevirstin. 

ich bitüch alle geliche, 

armen unde rtche, 

heizit mich Thiderich. 820 

sone wez nichein vremede man, 

wie min gewerph st getan". 

des swören sie ime eide, 

die liezin sie ummeine. 

sie gelobetin daz sie hietin Röchtere Thideric, 825 

daz dätin die herren herltch. 

D6 d^ recken schöine 
zö deme Stade quämen, 
dö liefin die bürgere 

durch wunderis mere 830 

unde woldin ire zirheit gesen hän. 
do begundin die riesin sän 
zö vechtene an dem sande. 
sich hob die vlucht dannen. 

ettilicheme ward so leide, 835 

daz her des anderin nicht nebeide. 
dö quam einir harte hesteliche 
vor den kuninc riehen, 
her sprach: „owi, kuninc Constantln, 

wannen mac diz volc sin? 840 

daz veret mit so getaner kraft, 
daz iz neman gesagen nemach". 

Alsus redete dö die kuningin: 
„wilich mach ire geverte sin?" 

dö sprach der burgäre: 845 

„warumbe suldir mich des vrägen? 
wände unser was ein michil teil, 
dö nö zö rechte nebesägen den kiel. 
wer vorten die vreislichen diet, 

da newart schouwenis niet. 850 

dar ligit ein gebunden vor sime zorne*. 



38 

wir wenn andcris die virlame. 

ich nekan üch nicht m6r gesagen, 

war mite de kiele sin geladen, ^ 

wene mit isirtnen Stangen, 855 

grozen unde langen. 

lach och anderis iecht dar ane, 

des nekan ich ü niet gesagen". 

Sie hiezin den vreissamen man, 
der da lac gebunden an, 860 

daz er an deme stade were 
unde her des gödes pl^ge. 
wül gezieröt was ir liph, 
sie trögen alle bonit h^rlich. 

sie ritin sn^wtze müle, 865 

de wären da zö Krieken türe; 
manich appelgrä march, 
beide schone unde starch, 
die giengen in an den henden. 

den wären de manen bewunden 870 

mit borten also kleine, 
da inne was göt gesteine. 
sowar die h8rren hinin rietin, 
de riesin liefen alliz mite 
in ere wichgewete. 875 

Dar saz in manigen retin 
der kuninc Constantin, 
wie de htoen mochten sin. 
dö sprach siner rätgeven ein: 

„herre, dir ist uvele gescheit 880 

an den boten wal getan, 
die du hast gevangin län. 
unde sin diz ir herren, 
sie möigint unsich alle söre. 

des intgeldet ettelicher man, 885 

der is nie scult negewan. 
die da mit den Stangen 
kumen sint so langen, 
den nemach nehein man widirstän. 
du hast den väJant getan". 890 



39 

Do quan iz an einin östertac, 
daz Constantin mit scalle was 
an deme Poderamis hove^) 
mit grävin unde mit herzogin 

unde mit vrigin harren, 895 

d6 hette er durch stn ere 
heim z5 sime hüs geladit. 
die wurden mit swßte gebadit, 
den sie von vrochten haveten, 
wände die riesin gebärtin also sie doveten. 900 

D6 Thiederich unde sine man 
vor den kuninc quam gegän, 
€me ward ein schöne dönest getan, 
intgegin ine gingen d^ herzogen lossam, 
unde die göte kuningtn, 905 

sie hiez sie willekume sin, 
sie neic in allen geliche 
unde intf§nc sie gezoginliche. 
dö solden zwene grävin 

Aspriänes stangin intfähin: 910 

da was so vil stalis zö geslagin, 
sie nemochtin sie hebe noch getragin. 
an iren danc viel sie dar nieder, 
sie liezin sie durch not ligen. 

Constantin saz üpfe sinin stöl. 915 

Thiederich gezoginliche stunt 
vor ime an den knien, 
her sprach: „kuninc, man sagete mer ie 
von dir gröze vrumecheit. 

leider nü ist. min arbeid 920 

also groz zo mime schadin, 
daz ich in dier nimmer nemochte gesagin. 
nü «rkinne got an mir armen man, 
wände mich hat in ächte getan 

ein kuninc der heiz^^ Röther 925 

unde sizzet westrit ober mer. 



1) Es ist der Hippodromus gemeint, woselbst die grossen festUchkeiten 



abgehalten wurden 



40 

des gewalt ist s6 getan, 

ime nemach nieman widerstän. 

dö her mir sin riclie virböt, 

dö mostich iz rümen durch d^ not. 930 

do netrüwidich in negeineme lande 

mtnin liph so wol behalden, 

s6 hir zö deme hove din. 

mir is gesaget, daz du gewaldich sis. 

min dienist biede ich dich an: 935 

nü nim iz, ^uginthafter man. 

durch genäde quam ich here gevaren. 

du Salt dine §re an mir bewarin. 

newiltü mich an din dienist nicht nemen, 

so möz ich Röthere den liph gebin". 940 

AI d6 wile Rother den kuninc bat, 
Aspriän der riese trat 
in de erden biz an daz bein. 
Constantin ward in ein 

mit den bidervisten mägin 945 

die an sinen hove wann, 
we her de herren lossam 
mochte behalden. 

Er sprach: „der herre nemach vor Röther nicht genesen, 
nü wolde er gerne mit mir wesen, 950 

her bütit sich an de gewalt min 
unde sagit mir ouch daz her nötic st. 
waz wert iz umme den virtrivenen man?') 
mir is leit daz er ie here quam; 

unde die sine ho/den 955 

dunkint mich harte irbolgen. 
die haben so nötliche site: 
da stet ein unde tredet, 
der gezeme wole in der helle 
deme tüvile zö eime gesellen". 960 

Dö reiten ime dö herren daz her ir also pflege 2), 
daz sie ez vfir göt nömen. 



1) ,,Wa8 soll geschehen mit dem vertriebenen mann?'^ 

2; Von Amelung in zwei verse zerlegt (hirren : pßfge : nimen). 



41 

„wir newizzen umbe Röthere net. 

diz ist ein vreislicher diet, 

den sul wir grözliclie geben, 965 

daz sie uns läzen daz leben". 

Constantin sprach herliche 

wider Thiederiche: 

„mir rätin genöge mine man, 

wir s&lin dich minnidiche unfan. 970 

ob siez aber widerredit habetin, 

wei ungerae ich en^) virsagetel 

deme eilenden, 

swilichen mir got gesendet, 

deme wirt gedienit, wizze Crist, 975 

also her is wert ist. 

doch neachtich in zö nicheinen vmmen man, 

der da ie durch richtöm üz quam 

her zö Kriechen in did laut. 

türe degen[e] vile halt, 980 

din geverde daz ist gröz, 

du bist ir aller obergnöz. 

nu gebüt dir an de gewalt mtn, 

du salt hie silve wirt sin, 

wandiz mir zö danke is, 985 

daz du minis götis geröchis. 

wer wänden daz du gertis 

einir magit wol getan, 

die ich mit vlize irzogin hän, 

so tetich also Röthere, 990 

der dich virtreib ober mere: 

den hän ich iedoch bedwuugin, 

stne boten sin hier[e] gebunden 

in mtme kerkenere, 

her negesiet sie nimmer mere. 995 

dar nnder wären zwene man, 

daz sie ein keiser mochte hän 

gerne in stner gewalt. * 

sie vuortin manigin helt halt". 



1) Edzardi vermutete ez^ das zum folgenden Vj^ftÄet ^«A^'t. 



42 

Alse Aspriän dise rede vimam, ICOO 

den seilt er vazzen began*) 
unde vordirte sin wicgew8/e. 
her sprach: „man bütit uns hi unrechte, 
ir habit minen h8rren z6 swache gezalt. 
Röther sante göte knechte in diz lant, 1005 

sower die heiz binden, 
des mochte her noch lichte untgelden. 
nü st wir ht vor ftwen banden; 
er wir werdin gevangin, 

daz weiz der waldindiger got, 1010 

er geligit ettelicher töd, 
der aller türist wil sin, 
mir nezübreche die stange min". 

Snelliche her an den rinc trat. 
Constantin zo ime sprach: 1015 

„herre, ir zurnit äne not, 
wände üch hi neman misseböt. 
die rede die ich hän getan, 
die suider nicht z5 nide hän. 

mich mach^^n trunkin mine man, 1020 

daz ich hüte alse en tore gän, 
von du nekan ich nicheime goten knechte 
geanwarten zö rechte, 
min drouwe newart nie von sinne getan, 
des geloubit mer, herre Aspriän, 1025 

wan diz mer noch in deme übe umbe gät 
unde mich so geweldigit hat. 



1) YcT8 1002 — 54 bringt das Badener bnichstUck in folgender Umarbei- 
tung : unde vorderte sin wit gewete. „man Mutet uns hie unrede stete** er spraeh 
xo Constantin dein kunich riehen „ir habet minen herren Dietrichen ein taii 
ze swache gezalt. Ruther sande in ditz lant chneht haltt <vt« t** <^'« hiejuet 
binden, die enmohtens niht erwinden. nu sin wir her entrunnen zu vru und 
suln wir werden hie gebunden nu, daz weiz der waltende got^ hie gelit i manich 
hell' tot, der der tiurist wil sin, mir zebreste S die stange min". snelledUieh 

jir an den rinch gie. kunich Constantin in do enpße. er sprach: „herre, ir 
zürnet an not, wan iu nieman drot. die rede die ich han getan, die 9üU ir 
ane zorn lan. mich machten trunchen mine man, daz ich Mute als ein rore 
gan; dez enchan ich guoten chnehten nicht geantwurten nach ir rehten. min 

dro wart von sinnen niht getan, daz gtloubti, fromcr man. wan ez mir noch 



43 

daz ich widir üweris herren man 
negeine göte rede nekan". 

Aspriänis zorn was irgän. 1030 

sich herbergetin Thiederichis man 
der porten also nähe, 
daz sie sich wol undersägen. 
dö gingen die kameräre, 

die mit TSthiriche da wären, 1035 

unde gewunnin zwelf wagine: 
die gtngin sibin nacht geladene, 
sie trögin golt ande schaz 
und allez daz in den kielen was, 

ein vil michel macht des götis. 1040 

da mite vor ein der iz wol behöte^), 
dene triven ses riesin vresam 
unde heizen ene ungebere hän, 
daz die bürgere 

immer sageten mere 1045 

von Dietheriches mannen, 
dö strebete her an d6 lannen, 
zw^ne steine her in de haut nam, 
dß wref dier grimmiger man, 

daz dar üz vor dft vlamme. * 1050 

die Kriechen höven sich danne, 
doch volgete ume manich man, 
unze her vor Constantine quam, 
dö sprach ein gräve oberlftt: 



umbe ffcU unde mich also entwelet hat, daz ich wider iwers herren man en- 
horine rehte rede chan^\ Asprianes zorn wai ergan. sich herbergeten Diet- 
riches man zo der porte nahen hin zu, da sie alle sampt warn nu. dö giengen 
des chuniges kamerman unde fürten den schätz allen dann unde gewungen zwelf 
»agene do, die siben naht ze samene so trugen in dez kuningez palaz swaz 
da an den seheffen waz. unde der des hordes alles pflach unde alle zit an dem 
Mchiffe lach, den triben soehs risen freisan unde hiezen in ungeberde hau, daz 
die bürgere immer sagten mere von Dietriches mannen, do strep er an der 
lammen, zwene muolsteine er in die hant nam, die zerraip der grimmige man, 
dar sie gnaistoten vil umnderlichen gnoten unde ouch die ßures bliche dar uz 
giengen diehke. daz widersat vil manich man er daz er für den kunich quam. 
do sprachen graven uberlut — . 
1) Widolt. 



44 

„hir veret des tüvelis brut. 1055 

moclitich die schände 

immer mer gewandelen, 

so mir daz heiliche liecht, 

ichne gebeite sin vor deme kuninge nicht".^) 

Also die kuninginne gesach 1060 

dene de dar gebunden lach, 
sie sprach: „sich nü, htoe Constantin, 
ht voren sie den meister dtn 
in einer ketenen zwären. 

owi we tump wer dö wären, 1065 

daz wer unse tochter virsageten Röthere, 
der dise virtreif über mere. 
iz^) negewelt nicht grözer wisheit. 
got der möze geven leit 

dineme ungemöte. 1070 

owi, herre göte, 

nü mochtistü dise van oder slän, 
ob wer minen rät hedden getan, 
ich wene aber, sowes sie dich beten, 

daz du iz vor vorchtin tetes 1075 

mer dan dur göte. 
owi, hetten sie nfi min gemOte, 
so heizen sie in geben daz selve wiph, 
dar umbe du manegen man daz liph 

hast benumen unde brächt in arbeid, 1080 

so wolde ich sien dine kundicheit. 
dise nesin dir aver kumin nicht rechte: 
sie voren gute knechte, 
mich dunkit daz sie dine meistere sin. 
du torstis baz in daz ouge din 10S5 

gegrifin mit thiner hant, 
den du zometis wider dessen wtgant 
immer mit eineme häre. 
hüde ne is din gebäre 



1) „Ich würde ihm (Widolt) selbst vor dem künige nicht stand halten, 
falls ich die mir daraus erwachsene schände je wieder gut machen könnte". 

2) ,, Unser benehmen Bother gegenüber*'? £her wird an einen fehler 
der Überlieferung zu denken sein (tot negeicellenV 



45 

nicht kimincliche getan: 109(> 

du zuckis dich tnmkenheit an". 

Die recken stalletin ir ros 
unde geherbergetin üffe dene hof. 
in er mantelin sie sich bev^ngin, 

Tor Constanttne sie giengen 1095 

harde gezoginliche 
mit eren herren Thiederiche. 
Silbe trögen sie die swert. 
nnder in nehette nigen werc 

der unwizzende hoveman, llou 

noch nedorfte niergen zö in gän, 
wände sie vören mit so getanen statin, 
daz den Dietherlchis gatin 
nö neblüchte der tacb. 

sin holde der da gebunden lach, 1105 

der hette sich geztröt, 
van ume sehen daz golt rot, 
her tröch eine brunien guldtn, 
die bezeichnöte den rtchetftm under en. 
dar ober tröch der hellt göt 1 1 1 o 

einin stälinen höt, 
deme was die liste 
gewracht mit allen vlize, 
gewierit vile kleine. 

dd tröch her an den beinen 1115 

zwo hosen schönir ringe, 
die schouwetin die jungelinge. 
einen göden wäphenroch tröch er an. 
dö sprächen Constantinis man: 

„hüte gesie wer daz beste gewant, 1120 

daz ie quam in diz laut. 
dise recken sin alle rtche. 
wer leven bösliche, 
daz wir dienin eime zagin, 

der ime vil seidene grözen schadin 1125 

durch unsir siheinis willen tot, 
wände ene erbarmet zö harde daz göt". 

Die umbehange man üf hienc. 



46 

der kuninc Constantin zö tische gienc 

üf ein schöne palas. 1130 

Constantin da inne was 
mit vile grozime gedrange 
von Dietherichis mannin. 
der was ein schone menige: 

ein düsint snellir helide 113^ 

vörte der virtrivene 
z6 hove in daz gesidile. 
die kamerere quämin, 
die des götis plägin, 

unde satten Dietheriche 1140 

harde vromicliche; 
truzzäten ande schenken, 
die solden bedenken 
zucht mit grözen eren: 

sie vorchten die geste sßre. 1145 

Do zöch man vor Constantinis disch einin lewen vreissam^), 
der newolde niemanne vor nicht hän. 
her nam den knechten daz brot, 
her teten over deme disge gröze not. 

Aspriän begreif ene mit der hant 1150 

unde war/* ene an des sales want, 
daz her al zebrach. 
we leide ime der kuninc d6 säz! 
her negeregite doch nie d6 vöte. 

„got möze uns gebözen" 1155 

sprächen zwene herzogen, 
„diser herren hir z6 hove". 
der eine rümite den sal 
unde sagete iz deme ingesinde over al: 
„dar hat der eine välant 1160 

den lewin geworfen an die want, 
durch daz her eme stne spise nam. 
ir sulit gewerliche gän; 
wilder minis rädes volgen. 



1) Bückert vermutet : dö töeh man vor den dUch des ktmingU dmtlmh 
iinis VL. 8. w. 



47 

ir vermtdet den unholden 1165 

linde läzit ene- mit gemache 

werven sine sache. 

hödit üch alle üflfe daz loven, 

daz ir ime sin bröt nicht nenimen! 

begrifet her iemanne mit der hant, 1170 

her werfit ine an des sales want". 

Die kuniginne sach gerne den zorn, 
daz der lewe was virloren. 
sie lachete Constantine an: 

„nü warte", sprach sie, „wie genir hoveman 1175 

din vedirspiP) irzogen hat, 
der da vor deme dische stät. 
ir kumet noch an die ride min: 
Jane hettes du die tochter din 

nicht vorloren an Röthere*), 11 SO 

der diese vertreif over mere. 
owi, wie gerne ich noch riete, 
daz man die boten liete 
rttin hin zö lande 

unde yazzede sie mit gewande; 1185 

solicher slachte iz were, 
daz man en mochte given mit eren: 
we mochte iz bat bestadet sin? 
nu gedenke, herre Constantin, 

daz sich dise^) nicht nemochten erweren: 1190 

wd woldestu den dich vor Röthere generen? 
gedenkit her an sine man, 
so möz din lant in ouwe gan; 
wane givestu mir noch die haftin, 

die dar ligint in un krachten, 1195 

daz ich sie möze üz nimen; 
sie havent ein vil swär liven". 

Der kuninc, jocb einer n6te, 
sprach daz her diez nlne t^, 



1) Hier so ritsl wits ,^pMunig**\ A*tf I6w« iti gemeint. 
3) ..Wahrlich ni<;ht bitUMi dti At^uH HtnhXtt weggeworfen, wenn da 
sie Rother gegeben YtAXtunV*. 

3) Der «agebUefa« MnirStth ntiA MrffM wmumi. 



48 

ir bete were al verloren: 1200 

sie niüstin dolen sinen zorn, 

iz were ir leit oder lieb; 

sie nequämin von Kriechen nicht, 

s6 lange so er lebete . . .^) 

dö sprach aber die kuningin: 1205 

„waz wunderis wiltü an in begän? 

ir vader hiez Adam, 

danne wir alle qiiämin. 

du Soldes gotis schönin 

an der vil armer diete, 1210 

unde liezis sie üz der nöte. 

nü sin si virswellit, 

harte missevuorit. 

owi des ir vil schönin libes! 

der mir armen wibe 1215 

einin sulichen belfere 

wider den kuninc gebe, 

also die dar ligit gebundin, 

so möstin sie zö lande. 

dune rietis mir nicht so vaste mite 1220 



er iz der äne danc wöre*), 
swi schere er iz verbere". 

Bercher sprach zö deme [kuninc] harren sin: 
„ich tröste mich an d6 kuningtn. 

iz kumit uns wole, daz Aspriän 1225 

deme lewen so w6 hat getan, 
sie vröit sich in ir gemöte. 
die anderin neröchtin, 
ob wir also verre wenn, 

daz sie unsich nimmir nigesehin 1230 

hie in ir lande, 
sie gent so rünande 
beide üz unde in, 
w^ne wir in iecht dancncme sin. 



1) Es fehlt das reimwort (gen hs.) 

2) Durch den ausfall mehrerer vene ist der zuBanuuonhang undeutlich 
g^eworden. 



49 

ir nechein newenit vor uns genesen. 1235 

nü sulen sie mit genadin wesen: 

irläzent sie der sorgin 

linde vax zö den lierebergin, 

daz die eilenden mözen genezen 

des der din vater lieze; 1240 

der hie vil maniger umbe gät 

unde habit vil grozen unrät 

von deme armöte. 

got durch sine göte 

der irgezze sie ir leides! 1245 

]b mochtin sie heiuie 

wole wesen riebe. 

sie lieben jämerliche; 

daz irbarmit mich sere. 

HÜ hilfen thur dine §re. 1250 

du bist richir dan Constanttn, 

war umme soldistü an siner spise sin? 

iz newere uns nicht mugelich". 

dö sprach der here Dietherich: 

„du hast einin stedigen möt. 1255 

daz der got geve göt! 

swanne ich üz dime rate gän, 

sone volgich nimer nehein^n man". 

Also man daz wazzer genam, 
Dietherich vor den kuninc gienc stän. 1260 

her sprach: „ich wolde gerne, Constantin, 
zö den herbergen sin 
mit minent holden, 
sie nemugin mer nicht gevolgen, 

also ich hare zö hove gän. 1265 

so ist d«ar vile manich man, 
da wir al samen sin. 
nü helfet mer, vrouwe kuningin, 
wände ich vöre eine helfelöse diet: 

der vromigistin nevolget mir niet. 1270 

swaz so ich der mochte haben, 
die hat Röther irslagen. 
her virtreich mich uze deme lande mm". 

König Bother. \ 



50 

dö sprach der kuninc Constantin: 

„wir virzilient din ungerae. 1275 

nü vare zö dinen herbergen. 

geröcliis du iecht des ich hän, 

dat sal dir wesin underdän. 

ich wille dich gerae miete 

unde wille dir ere biete, 1280 

daz du dinin hoveman 

zogeliche heizis hl zö tiske gän, 

wander irsrecket mir daz wtb, 

die mir ist also der lib. 

minen mannen nemag it nicht schade wesen, 1285 

die sint is dicke genesen. 

in disime sale ist iz aber seiden getan". 

du sprach der riese Aspriän: 

„hßrre, iz tete mir michil not. 

mer nam din berwelf^) min bröt". 1290 

Dietherich der herre 
vor z6 den herbergin 
unde gebarte verzen nacht, 
also her were uusta.deha/'t, 

alwante ime die eilenden 1295 

got begunde senden: 
den wären die porten üf getan, 
sie liezen sie fiz unde In gän. 
selve her iz in wol gebot, 

her böttin vlizeliche ir not. 1300 

Berther unde Aspriän 
unde andere Dietheriches man, 
wol entf engen sie die armen 
ande lezin sich ere not erbarmen. 

dicke richte man den tisch: 1305 

da was daz inbiz gewis 
allen die des geröchten, 
daz sie den helit gesöchtin. 



1) Aspriän nennt als ungebildeter Deutscher, der die tiere der süd- 
lichen länder nicht kennt, den löwen das ' bärchen \ Vgl. Jacob Grimm, 
Beinhart Fuchs XLYII. 



51 

den besch<?mete men gröze minne 

unde brächte sie alles gödes eninne. 1310 

des was den eilenden not, 

wandez en nieman neböt 

ovir alle die stat. 

ir zöch zü Dietlieriche die kracht, 

die von degenheite 1315 

gelidin hatten arbeite. 

sie nehatten die kleider noch die ros, 

daninibe verbot man en Constantinis hof. 

des livete vile manich rtche 

harte jamerliche. 1320 

Sich virstönt die nötige diet, 
dat sie dem richc?! wfiren lieb, 
der in Constantinis hove was. 
ir zöch dar hiene ein gröz heris kraft 

zö Dietheriche. 1326 

her gab en vnimeliche; 
her genözte sich in, 
her sazte sie inebin in 
imde hiez ir de schenken 

hötin mit deme tränke 1330 

unde gebot den truchtsetin, 
daz sie ir niene virgezin. 
den vremedin gesten 
war die aller beste[n] 

liphnare vore getragen, 1335 

die man iergin mochte haven. 

Also die herren geäzin, 
ir leides ein teil virgäzin, 
swö dar bäte ritaris namen, 

die sundirte man dan 1340 

unde gach en göte rosse 
unde pelleline rocke, 
Zü den rossin stäline ringe, 
daz sie mit swerte nieman nekunde gewinnen, 
dö tröch der riese Aspriän 1345 

manigen mantil wol getan 
nze der kamerin Dietherichis 



62 

linde vazzite sie al geliehe. 

die swert li3r en iimb bant 

unde gab in die van in an die hant. 1350 

do begundeu sie behurdiren 

linde vroiiweden sich vor lieve. 

des lovete man Dietheriche 

dar zü hove grözliche. 

Do quam ein herlich schare, 1355 

die hatte sich virsümit gare, 
daz sie so lange waren, 
sie vrochtin daz man en icht gäve. 
Berker gienc sc iimbe 

allez scliouwende, 1360 

w§ ir geläz were getan, 
do saz dar manich nakit man 
linde schametin sich vil s6re. 
do sprach Berker z6 sime herren: 

„nfi warte zö disin annen! 1365 

daz mochte got irbarmen, 
sie schament sich vor schänden, 
sie netragent nicht umbez liph und in den handen.*) 
du Salt sie alle vazzen 

unde reichte machen. 1370 

sie sint zö deme gurtele also smal, 
en stät er liph harde wal. 
sie vlizen sich zü wären 
nä riterlichen gebäre. 

die toginlichen blicke 1375 

begän sie so dicke, 
daz iz von ungeslachte 
kiimin nine mochte, 
nesin under in nicht edele man, 

so heit mir min hovet ave slän". 1380 

„ich volge dir gerne", sprach Dietherich. 
„sower so genäde sochit ane mich, 
her vindit sie, ob iz got wil". 
dar wart des gödis harde vil 



J) Anwluug: sie netragait nicht umbe die lenden. 



53 

den eilenden vor getragen. 1385 

sie intfengen iz al an Cristis namen.*) 

Done stund iz borlange, 
er Dietherich der manne 
ses düsint gewan, 

die ime wären iinderdän 1390 

mit dieniste aller tageltcli: 
stn ingesinde was herltch. 

Dd qnam ein verorloget man 
zö Constanttnopele gegän, 

ein gräve der hiez Arnolt. 1395 

der vörde ein nodigiz volc, 
drß vrige lierren, 
die hatten gröze ere 
virloren in eren lande. 

die gingen trorande 1400 

vil blöliche in der stat, 
daz en nieman nicht negaf. 
du sprach der beste koiifman, 
der ie vele göt gewan: 

„ich sie an fi herren wole, 1405 

er nesint der armöte nicht gewone. 
wildir nü drate 
volgin mime rate, 
so gilt vor Diethcriche: 

her lielfit u vnimeliche 1410 

uz der nOto 
unde gcrocht ir mtnis götis, 



1) Hier tritt das Krmlit/er briichstüek ein. Es boj?innt mit einer ein- 
schiebuug; der redende ist wolWidolt: wan irir chomen al von einem man**, 
do sprach der rise Asprinn: ,,Dietrich, liher fitrre min, %rar umhe gtloiihestu 
dich nicht sin? er ist ain schale ungeborn; mir ist grozlichen zorn, daz diu 
rede hiut wart getan, (jetorste ich in mit der fuoste slan, er engeriete dir 
nimmer mere tceder übel noch ere**. Vom folgenden gebe ich nur die ab- 
weichuugen: 13S7 nicht lange do 1388 manne do 1389 tcol s. 13!>2 gesinde 
toart do grozlich V■V^■^ Nu q. e. unchunder m. 1394 hinze 1395 A. genant 139(> 
der volch nofich waz erchant 1397 vier 1398 teuren grozzer eren 1399 behert 
in ir l. gar 1400 tr. dar 1401 vil 6/.] flegende 140') %col an iu herren schon 
1406 der fehlt, ungetcon. 1409 und giengte zuo Dietrichen 1410 hiilf 1411 
iwer not ir ht-rnn min 1412 min guol sol iu btraiittt sm. 



Ö4 

ich givc ü ein gewant, 

daz ir ü so liarde nicht neschamet, 

daz ir so nachit sin". 1415 

„nü löne der min drcchtin", 

sprach Arnolt der gräve. 

„daz saklü wizzen zwfiren, 

of mir Dietherich genäde döt, 

ich vergelde der din göt". 1420 

Der eilende gräve 
nam sine mäge 
unde vor vore Dietheriche. 
der intfeuc ene vmmeliche 

mit gödeme gebäre 1425 

luide vrägcte ene wie her wäre, 
du sprach her trörande: 
„mich hänt mine viando 
virtriven dur iren overmot. 

HU iz mir türe daz göt 1430 

swc arm so ich si, 
ich bin doch von minin mägen vri 
unde hän durch genäde 
her zö der gevrägit". 

„die viudistfi", sprach Dietherich. 1435 

mit Berker besprach her sich, 
waz sie deme herren solden geven, 
daz her mit eren mochte nemen. 
alsua riet do der aide man: 

„got hat vil woie zö dir getan 1440 

mit grozeme gote. 
nü helf in fizir der nöte 
und wiltus minen räd haven, 



1413 tu gerne {(lin) gwant allensamt 1414 svrf 1415 der iwer groxzen 
iiachenttagen 141«» do hiez er eins dar tragen 1417 nu Ion dir got sprach dier 
gravff zu im 141S und reiztest auch zeicare und vtrnim 1419 der helt 1431 
gr. da 1422 nam do s. m. sa 1424 im 1425 rn. schöner geberde ane vere 
1427 der ritccbaere 142H mine vint rertriben mich von eren 1429 nu ist mir guot 
tiure 1430 dar umbv bedarf ich din sture 1431 und iedoch s. 1432 rehter 
edfl fri 1433 .. . hvr \A-'A die vindest du sprach er 1435 do beriet her D. 
143(5 m. Berthcrc sich 1437 smtz . mochten g. 1439 also ritt 1440 vil fehlt 
144 ) trtV flu ez m. 



Ö5 

so heiz den schaz her vore tragin. 

hir newirt der bö^heit nicht geplegen: 1445 

man sal en düsint marc geven 

und itwaz geven mere, 

so heifit iz ouch den harren, 

daz her den besten hof gewinne, 

den man in der stat viüde". 1450 

„in trouwen", sprach Aspriän 

„her sal ouch minen^) hän, 

dar inne wil ich ime, daz ist war, 

driezich rittäre vazzen ein jär". 

Dietheriche düchte die rede göt. 1455 

den meren schaz man vor in tröch 
inde gaf deme edelen manne, 
dö vor her vröliche danne 
hinne vor Constantinin 

unde sagete ime unde den stnen: 1460 

„diz hat mir Dietherich gegevin, 
got läze ene mit genäden lieven!" 
dö sprach d6 edile kuningin: 
„weiz got her mach wol edile sin. 

hir schinit Constantinis sin. 1405 

«iä arme, wie ich nü virstözin bin! 
daz min tochtir deme virsagit wart, 
der disen helit virtrieven hat! 
dirre töd so vrumichiiche. 

ich weiz woi, Röther der ist riche 1470 

unde mac wol gewalt hän". 
dö sprächen Constantinis man: 
„vrouwe, ü ist der ride not. 
der tüvil tö en den döt, 
die iz ie irwantin, 1475 



1444 fuor dich tr. 1445 der fehlt 1447 u. dar züo ros diu meren 
1448 hilf ouch ich 1449 gewinnet 1450 hie indert vindet 1452 mine stiure 
hau 1453 ich wil im dar zuo deswar 1455 der rat 1456 in fehlt 1457 
eilenden m. 1458 do schiet 1460 und ouch 1462 soelden 1463 do fehlt guote 
eh. 1465 h, seh. aber Constantin 1468 welher eren ich v. b. 1470 jener ist 
zeware r. 1471 grozzen gewalt 1472 entriwen sp. 1473 « ist] iuch ga 
1474 en] im 1475 der ez halt ie erwande. 

1) So wird statt des ninen der hs. zu leaeu. ^^Vii. "ö«ä ISitxcXVyiÄT Vt-a.'v 
ment bietet für diese stelle die bessere leaar^* 



56 

wir weren uz deine lande 

mit deine kiininc Röthere. 

der hette unsicli widir over mere 

gesant mit grözen eren. 

nü dunkit uns bezzer, hdrre^), 1480 

nü des nicht nemach irgän, 

daz wer werden Dietherichis man. 

her gevet uns vromeliche 

linde machit uns alle riohe". 

Die eilende gräve 1485 

nam sine inäge 
unde vor vur Dietheriche. 
her intfienc sie viumichdche 
und sante in vor in de stat. 

Berker im einin hof gab, 1490 

dar zö gab ime Aspriän 
drtzic ritär lossam 
mit grözime gote. 
do wart vaste zö inöte 

des kuningis ingesinde, 1495 

sie newoldin nicht irwenden, 
sie newurdin Diethertches man. 
dar begiinden vrige herren gan, 
dar nacht die edilen gräven 

unde alle die da wären 1500 

in Constantinis hove 
äne die riken herzogen, 
die irlazis daz liet: 
sie netÄdens ouch nicht, 
swaz der anderen vrome^) was, 1505 



1470 ican icir utzer l. 1477 gevarn m. • 1479 nach g,e. 1481 aii de9 
niht moht ergan 14S2 daz fehlt 1483 der g. 14Sü nam do 1487. 88 
felilcu 1485) und fuor tcider in die s. 1492 d. r. siner man 1494 wuU 
was in z. m. 149l> dt'z niht vcolten e. 1498 vrige] die 1499 edilen fehlt 1501 
chunich C. 1503 die eniaten sin nieht ir)04 aU uns chundet daz liet 150& 
vrome] da. 

1) So uach dem fra^ment, dio hs. hat heztere. 

2) Entweder als adj. zu ueliineu vrom oder als subst. , «vorteil, natsen" 
und dann zu dem vorausgehenden zu ziehen: ,,wie viel vorteil auch die 

anderen davou hatten". 



57 

die ziigin hin mit heres kraft 

zü Dietheriche. 

lier gab en tagelicbe 

mit golde deme rötin 

de pellele imgescrotin, 1510 

dar z6 mantele snevare: 

dar nach höven sie sie dare. 

du moste die riese Aspriän 

dicke zö der kamereu gän, 

biz her sie gewerte, 1515 

des sie an den herren gerten. 

dö lovete men Dietheriche, 

die herren al geliche. 

dar newas ouch nichein man, 

her nemochte mit erin bestän, 1520 

ob sc virsant wären, 

die sinen schaz nämen.*) 

Also die ritäre wider qiiämen 
mit den schönen gaven, 

dö hob sich harde tongin 1525 

daz rünin under den vrouwin, 
beide vrö unde späde 
an der vrouwen kemenäten 
von deme herren Dietheriche, 

her levete vromicliche. 1530 

„owi, we sal ich", sprach die kimingin, 
„irwerbe umbe den vater min, 
daz wer den selvcn herren 
gesien mit unsen Oren?" 

„ich new^iz in troiiwen", sprach Herlint-, 1535 

„du bist einigiz daz kint. 



1506 die cherten dar alse ich ez laz 1507 hime 1508 der . ßizechliehe 
151Ü den pfelle 1511 die mandel sneiciz gar 1512 da von zagten alle dar 
1514 hinze 1515 nutz daz 1516 dez man von im g. 1517 da lopten D. 1518 
alle 15'iO mit erm] in mit 1521 virsant] ensampt 1524 der gäbe seh. 1525 
fiarde] also 1527 beide fehlt 1528 an] in 1530 herliche 1531 owi fehlt 
1534 mit] nach 1535 in trouwen fehlt. 1536 (ein (ein. 

1) ,, Falls die fortgeschickt worden wären, die (jetzt^ seinen schätz er- 
hielten*":' Ee liefft wahrscheinlich eine Verderbnis des textes vor (vgl. das 
fragnient). Auch das erin in v. 1520 ist nicht gesichttt. 



68 

<iinen vater also lieb: 

nü bitte in einer hocgezite, 

daz der dene bellt zö büs neme, 

zö waren icb dir daz sagen, 1540 

fiö mog wir in aller best gesen, 

iz nemac oiieb nimmir baz gesehen". 

die jnnevrouwe[n] ging[in] dräte 

Zü ir vater keuienatin 

unde sprach: „woldi/ er nü, vater mtu, 1545 

dise i)inkesten liir beime sin, 

daz dfichte micb ein ere getan, 

unde sameneten fiwere man, 

daz die recken sagin, 

ob ir iecbt riebe waren. 1550 

ich neweiz war zu der viirste sal, 

her ne bette ettewanne schal 

mit vrouweden in deme bove sin". 

dö sprach der kuninc Constantin: 

„wol dich, tochter, daz du levis! 1555 

w6 du nach den eren strevis 

unde rctis ie daz beste! 

icb wille haven geste, 

daz man inmier sagete mßre, 

waz hie Schalles were 15C0 

zö disen bochgezitin. 

min gewalt get so wide, 

virsizzit iz danne geman, 

der moz den lipb virloren bfin". 

Widir zö kemenatin ginc daz megetin. 150^ 

dö sante der kuninc Constantin 
Wide siue Uicre 
unde gebot den ritarin 
hin zö der wertscbefte, 
die was gelovet mit krafte. 15 *" 

ir>37 alio fehlt i:»:jy virt er d.h. IWO fehlt 1541 da mmgen 1^ 
fehlt lö43 do fjif dif j. l-'>45 h »pr. 1Ö48 sam taeten iicer m. 1W9 ^^ 
ouch 1').'>1 icaz tiu V. li.")".» mge m. l.')(J"i witfn l.OüJ gemaii\ dthotin i^»^* 
iMu. «)8 abweicheiid (. . . iriti'n : . . . herrcn riten). Iö70 geboten nach 1571 ^'^ 
zoilo pin^oMchoheii (,...*»« nihi ye»parr»M. 



59 

her hiez sie sichirliche varen. 

dö möstin sie alle dare: 

swer sich iecht sazte dar widir, 

deme gebot man iz bt der widen, 

daz her geraer dar gienge, 1575 

dan man in hienge. 

done torstiz nieman irlän. 

4sich gesellete man wider man 

zu sime geliehen 

nnde vazziten sie vlizeliche. 1580 

dar nehette nichen mantll namen, 

her newere mit golde besclagen, 

unde mochte daz so lichte sin getan, 

daz stn nieman niheine war neman. 

die vorsten riebe 1585 

hoven sich geliche 

hin zö deme Poderamus hove. 

sesz^n herzogen 

unde drizic grävin 

mit scalle sie da wären 1590 

unde nuzzin Constantinis göt, 

aö man noch manichis harren tot. 

D6 sie quämin zö Constantinopole, 
der vil m^ren bürge, 

die vrostin wären dar ober nacht, 1595 

daz man ire da wole plaf. 
der tac begunde fif gän. 
iegelich kameräre nam 
sime herren eine stat, 

die man eme von hove gab. 1600 

do heizin sie Aspriäne 
daz gesidile vähen 



1572 allesampt dar 1573 sazte da wider gar. nach 1574 eine zeile ein- 
geschoben (. . . wceren ire lide). 1575 . . . des abe g. 1577 da engetorstes «, 
Verlan 1578 cein igelich m. 1579 zuo dem $. g. 1581 enhasin chUeitt het m. n. 
1582 tool b. 1583 lieht sin so g. 1584 ne fehlt 1585 fursten die riehen 1586 
<tlle g. 1587 boderames hoven 1589 marchraven 1593 te C. furent si 1594 
ze d. m. burgi 159(> daz ir nieman enpflach 1597 do der t, uf b. g. 1600 aUe 
man si im 1602 gegensidel. 



60 

deine lierren Diethertche: 

dar benketer vlizeliche 

mit aldime gestöle, 1605 

daz verre was gevorit 

hie vor von ir lande: 

iz trögen elpbande 

wile in den gebeine. 

dar inne lac göt gesteine; 1610 

swe dinster die nacht was, 

sie luchtiu also der tac. 

her sazte einen tisch heriich, 

dar mochte der rtche Diethertcb 

äne laster zö gän. 16t5 

do was ein harte her man, 

ein herzöge, der hiez Friderich, 

des kameräre virsümede sich. 

der hiez Aspriäne 

sine benke rucken nähir 1620 

unde sagite ime zwäre, 

wie rike sin herre wäre: 

her wolde also türe stn 

so der kuninc Constauttn. 

er sprach: „nü rümit, gröze bulgän!*) lb25 

wir sulin daz geginsidile hän". 

„in trouwen", sprach Aspriän, 

„daz newirt nuwet gedän. 

von hove schöf man mir die sfat, 

daz sie u ntman negaf. 1630 

irhevet ir wider mich socheinen zom, 

den mochter gerne hän virborn 



lGOr> g. (jestulet 1G07 da v. 1009 in den] ze 1010 got fehlt 1611 vinsttr 
IT. d. n. mi'\ uzser tische igelich 1014 riche] herre K51G harte fehlt 1617 der 
fehlt 1020 sin gestuole 1021 im groze mere 1024 sam 1025 nu r. mir* 
grozter hoülan 1620 muzzin 1027 do A. 1028 ez w. nimmer g. 1680 iu ti 
l(i'i\ dehainen 10^12 daz mrt in sicher lieh verlorn. 

1) bulgäii ist wahrscheinlich - Apulianus, ein volksname, mit dem 
sich im mittelalter eine schlimme nebenbedeutung verband {pufjän ist in 
der bedeiitung ,,kuppler'* nachgewiesen). An das in einem russischen Tolk»» 
liodo vokommende polkan, das weiter nichts als ein verstümmelter eigirai- 
name ist, darf gewis nicht gedacht werden. 



61 

biz z6 eime anderen male, 

s6 iz hie heimlicher wäre, 

daz düchte mich wistüm getan. 1635 

nü kiesit einin anderen man 

unde läzit mich min gestöle hän". 

Der kamerSre hßre, 
der zomite sich sere 

unde tröste sich z6 hundert mannen, 1640 

die mit ime wann gegangin 
unde dftchtin törliche getan, 
daz der riese Aspriän 
icht torste riden. da widir. 

her stezt eme einin banc dar nider. 1645 

Aspriän der hellt g6t 
die hant her üf höf 
unde slöc ime einen örslac, 
' daz eme der köpf al zöbrach. 

nach den Schilden giengin sine man 1650 

unde woldin Aspriäne slän, 
der herzöge Friderich 
«elve wäphinter sich 
unde rief sinen seilen. 

dö höf sich ein geschelle, 16ö5 

daz Tiederichis kamerere 
da zö hove bestanden were 
mit michilicher kraft. 
jenir der da gebunden lac, 

der begunde bremin alse ein bere, 1600 

die ketenin die zöbrach er gare 
unde begreif eine stäline stangin 
vier und zwönzic eile lange. 



1634 tu bezzer 1635 w. und <tn, darnach: mir ist lait daz ich iu so 
htexzieh bin 1636 eh. iu 1637 u. lai mir mint benke stan 1638 dez herzogen k. 
1639 d. z. vil gewaere 1640 u. het zuo sinen m. troat 1641 daz er von in 
wurde er lost 1642 loan in duhte 1644 getorste sprechen da w. 1645 unde s. 
im (ein b. nidere 1647 «/] zornlichen 1648 fuoste s. 1649 daz er schiere 
nider lach 1650 nach s. Sprüngen s. m. 1654 u. saihse siner gesellen 1656 
schellen 1657 da fehlt 1658 micheler magenchra/t 1660 b. grinen 1661 die 
ketten zöbrach er 1602 statine fehlt. 1663 vier und fehlt. 



62 

swaz ime des volkes widirstiez, 

wie hizzel her des genesen liez! 1655 

du sprach ein riese die hiez Grimme: 

„iz wirt hie ubil inne. 

ich sie Widolde varen. 

nu gedenket, herre Aspriän, 

uwir grözer gute!'* 167i> 

mit listigenie möte 

vragittT dene grinmiigin man, 

waz eme daz Mit hette getan, 

(laz her in so viant si. 

„mir wart gescgit, herre min", lü7^ 

|du] sprach Widolt, der helit göt, 

„sie hetten dicht bracht an gröze not. 

doiie wistich we iz hette getan: 

ich wolde sie alle irslagen hän. 

were der danne zo iemanne zom, !6S<> 

der moste den liph haben virlorin". 

„in trouwen", sprach Aspriän, 

„sie nehetten mer niecht getan 

wane ere unde gotis. 

11 u wichit üwers gemotis 16S5 

linde gebit die stangin diesiin man". 

ein riese sie im üz der hant nam. 

Den herzogen lieren 
rou sin kemerere. 

daz vülc al zo semene 1690 

hof sich dar zo gegine 
unde wolden Aspriäiie slän. 
(16 sprach Widolt der kone man: 
„waz ist jeniz gedrenge? 
owi miner stangin! 1695^ 



l(iG4 «. t. do d. 100«; der fehlt 1C07 hie %d. vil u. t. 16C8 Witolf turnt 
dort her gegan lü(i!) g deuche, damuch : daz wir im gnemen die Stange oder 
ir leben ist zergangen 1(57«) Aspriän der g. 1672 fragt er 1673 der bw^ 
1«)74 vaere 1(>70 du tc. m. g. maere 1G77 tu betrübet denmuot 1679 de* loqlde 
ichs a. e. h. 1U8() und vaere d. IGAl der hiet den l. schiere v. 1683 mir hat 
hie nieman n. g. 1084 ere] minnen 108r> encinde dines muotes 1689 it. teren 
lüi^O d. c. in dem geswaere 1091 h. s. d. begewaere 1093 Witolf 1694 in jenem. 
JüUö so tce mir m* s. 



6a 

sie woldin di schaden, hßrre, 

des ingelden sie hüte vil sere: 

iz nest daz ich irsterve, 

in inöz vile we werden, 

sie kumin vluchtic widir". 1700 

mit der vüst slöc er einin dar nider 

unde begreif den herzogen göt 

unde krazzitime ave den stälin höt. 

mit deme häre her in üf want, 

do intfiel er eme in daz gedranch. 1705 

swä her die anderen gevienc, 

wie strodicke iz üf gienc! 

dar wart gestözen manic man, 

daz her unsanfte nider quam. 

nu neweiz ich wie ein spileman 1710 

zü hove vor den kuninc quam 

unde sagite ime mere, 

daz dar groz vechte were. 

Constanttn vrägete mere, 
waz dar Schalles were. 1715 

her sprach: „daz weiz der heilige Crist, • 

ich sage der alsiz ist. 
dar gaf einer daz föter*) 
mit der lengistin röten, 

die ich mit den ougin ie gesach, 1720 

biz man sie ime üze der hant brach: 
dö wart her dancneme. 
sie sin ime alle gezöme, 
armen unde riche: 

her röfit sie vreisliche. 1725 

mir is lieb, daz ich so vrö inran, 



1696 ufelleni iuch slahen 1697 hüte fehlt 1698 ich muoz e verderben 
1701 er si nidere 1702 er b. 1703 brach im abe den stal h. 1704 bi . swaneh. 
1705 d<u er im enpßel 1706 swag er der a. do gevie 1707 hey w. s. ez da gie 
1708 erlupftet 1712. 13 fehlen 1715 geschaltes 1716 daz] ez 1717 eu niht 
mm aUe e. i. 1718 ainer futer lange^ 1719 m. ainer Stalin Stange 1720 nie 
bat gemexten saeh 1721 untz 1722 doch wart gestuemer sin vart 1723 do «i 
im genomen wart 1724 die a. xuo den riehen 1725 rouft er 1726 so vro] im. 

1) YolkitOmlicher ausdruck für „schlagen", wie eine minne schenken^ 
vgl. 4311. 



64 

doch warf her mich over vor man, 

daz mine vöze 

die erden niene berortin. 

ich stönt ime ouch vor deme Hechten: 1730 

her nebedorte min dar zö niechte". 

Widol wart gevangin, 
gebundin an die lannin. 
aiser zo den herbergen quam, 

wie drate iegelich man 1735 

nä deme anderen zoch! 
vor deme kuninge wart die klache grOz 
over Dietherichis kemerere, 
daz sie gerouft weren. 

„daz ist mer leit", sprach Constantin, 1740 

„nd sagit iz deme herren sin. 
wil her ü riech tin, daz is mer lieb, 
ichne underwindes mich niecht". 

Alsiz Dietherich vimam, 
her hiez z6 eme sine man gän, 1745 

Widolden den konen 
fiffe den hof vronen. 
,,hät er iemanne icht getan, 
iz sal ime an den liph gän 

zö üwir aller gesiebte". 1750 

„wir irläzin in des gerichtis", 
sprach Friderich der herzöge, 
„e der tüvil kiime her zö hove, 
swanner her quäme, 

da wir in alle gesechin". 1755 

bi den henden sie sich bevingen, 
vor den kuninc sc giengen. 
sie si)rächen: „neinä herre Dietherich, 



17'i7 vir zech 1728 die mine 1729 rurCen die erden unsuzze 1780 owch 
Stundich im an d. l. 1731 er hedorfte 1732 Witolf 1733 ieider g. auo 4ir 
landen 1734 do er ze h. chan 1737 vor Constantin wart doch^ darnach mwei 
verse eiugeschoben, von denen nur zwe; worte erhalten 1738 von 1739 *f« 
sie gefrce . . . 1742 wil erz iu 1743 ne fehlt 1744 afse 1745 do hiez er zw... 
174Ü Witol/t-n 174!) daz muoze im 1750 ir aller 1751 nu e. 1758 daz er 
immer 1754 wan sone moh . . . 1755 ichn ruoche in . . . 175C behanden 1737 
reden 1758 und s. 



65 

nicht neladene vore dich. 

her nehät uns sulechis nicht geschadit, 1760 

daz iz dir immer werde geklagit. 

nü du helith virtriven bist, 

man sal dich eren, wizze Crist, 

h6 in diseme riche, 

daz stet uns gevöchliche". 1765 

dö dankete in der herre. 

ettelicher forte sere, 

her wurde des roufens gedagit^) 

mit vil grözin bülslageu, 

ob der helit köne 1770 

fif den hof queme, 

dar umbe liezen sie die klage 

unde swigitin lasteris unde schaden. 

Die gerouftin mit deme häre, 
die swigitin is zwäre 1775 

swilche wis sie mochtin. 
der kuninc saz in riechte*) 
nnde klagitiz der kuningin: 
„eiä arme, wie ich nü gehönit bin 

an den vremeden mägin, 1780 

die here geritin wären 
üz anderen riehen: 
die sin s6 vreisliche 
beide gerou/V unde geslagin, 

daz siez immer mugen klagen. 1785 

daz hat Dietherichis man 
umme ein gesiole getan, 
vluchtic quämen sie wider, 
her stiez sie mit der vfist nidir, 



1759 gebiute in 1760 ne fehlt 1761 dez wir nu chla . . . 1762 sit 1705 
d. s. hovelichen 1767 im sere 1768 . . ./en hin legen 1772 daz chlagen 1774 6i 
d. h. 1777 mit trahten 1779 nu fehlt 1785 nimmer mach verchlagen 1787 . . . 
sidel g. 1788 alle w. 

1) Wahrscheinlich gedegit (: hülsligen) ,,zuin schweigen gebracht hin- 
sichtlich des raufeiis*'. 

2) Wahrscheinlich entstellt aus tax in trechten (wie 4330. 4569. 4865) 
ygl. das fragment. . 

Köüig Rother. ' «> 



66 

daz sie in dorne höre lägen. 119i) 

wane mochten sie umbe die schuzzen vrägen? 

die mochten sie^ haven geschozzen, 

sone hetten sie* is nicht genozzen, 

des woldich immer vrö sin". 

„nft swich", sprach die kuningin, 1895 

„unde läze wir daz geschuzze. 

din rede ist unnuzze, 

hette der der so nä gestn, 

daz du ene rechte hettis gesen, 

dir negehulfe des nichein böge, 1800 

dune mostis sin gevlogin^ 

zö aller vurdrist after wege; 

unde w^re aber Röthere gegeven 

die unse tochter schöne, 

sone tröste dich nieman honen, 1805 

her liette dir üze sime lande 

der türin wigande 

gesendit, daz dich nieman 

mit here torste bestän. 

von du möz ich wole klagen. 1810 

nü dulde hönede unde schaden 

htr in dime lande 

von Dietherichis manne! 

Uen zom liez Constantin bestän 
unde hiez nä siner tochter gän, 1815 

daz die magit schone 
schire zö dische quäme. 
dar ane nesümete sie nicht, 
ir was üffe den hof lieb, 
die vrouwe begonde vore gän. 1820 

17i)'i en fian erxchozzen \l\i-\ so enhet erz 17S)6 la varen ditz g^cMktt 
1797 entcihte 17U8 wan tcttr er dir so nahen gestern 1799 reht mohtett ge- 
sehen an 1800 so enhetest du von kainen bogen 1801 ouch rin g^/tohem 180i 
uf dem tc. 1S04 unst-rr lKOr> »in engetorsten dich mht gehotun 1807 dU 1808 
dekain m. IS 10 da von muet mich din chl. 1811 ehumber 1812 dinas Umdm 
181:) handenj darnach: entriwen ez lit vil eben an er hat dir rehte gtUm 1814 
stan 1810 noh. Das fraginont bricht hier ab. 

1) Kann nicht richtig sein, da es nur auf Widolt bu besiebtii ist. 

2) Kntstellt aus gevlohin. 



67 

hundert -megede lossam, 

die volgedin ir zwären, 

alle valehere. 

manigin armboue rot 

trdgin sie gewirot. 1925 

uns sagit daz liet mere, 

wie sie gevazzit weren: 

daz aller vordirste wipli 

die hette gezierit den Itph 

mit einer krönen guldtn: 1S30 

daz gebdt ir vater Constantin. 

die anderen megide alle samen 

die trögin ritarlich gewant 

von grozeme overmöte. 

cyclat der göte 1835 

der was mit deme golde 

gestickit aUen halven, 

dar nnder zabil unde kelin. 

sie moste manigir ane seen, 

ß die vrouwe schöne 1840 

hin zö diske quäme. 

Do höf sich daz gedrenge 
von manigeme snellen manne 
mit deme h§rren Dietheriche: 

die wären wundirliche 1S45 

gevazzit, aiser vore gieng. 
ir nehörtit e noch sint 
gesagin von bezzerme gewete 
dan die recken hetin; 

ir himide wären sidiD, 1850 

sie trögin bönit guldin, 
da inne göt gesteinc. 
ein[en] karbunkul schöne 
uffe Dietheriche stünt, 

der virdnicte manich gcsmide göt, 1855 

daz wole gelo>it wäre, 
ob man dit dar inne nich nesage. 

Wie mochtiw ftffe der erden 
die mantele immer werdin 



68 

bezzer mit gevöge 1860 

dan die Mrren trogen? 

die inville wären liennelin, 

dar over gezogen cyclatin; 

der in nä bi was, 

den düchtiz schöne also ein gras. 1865 

alse die varwe virlasc, 

aller steine iibirglas 

lüchte von der edelicheite sin.^) 

wie mochte tftrirs icht stn? 

dar zu smactiz süze. 1870 

iz brächtin blatvüze^) 

Aspriäne zö eren: 

her gaf iz sime herren. 

von du möstin sie al intsamt 

des herren Diethertchis gewant 1875 

schouwin, de da wären.' 

von den kaffaren 

virlös die vrouwe ir höchgizit, 

daz sie niene besach des ritäris liph. 

Die höchgezit wären alle 1880 

dre tage volle. 

alsiz an den drieten tach quam, , 

die varunde diet begunde gän 
vor den Dietherichis disch: 

her gaf in schöne, wizze Crist. 1885 

den hals her neigöte, 
her gaf siniw mantil göten 
eineme armen spilemanne: 
her was zö heile dar in gegangen. 

so täten die anderen al intsamt, 1890 

dar nebehelt nieman sin gewan/. 
die mit ime dar wären, 
sie neröchtin zwären. 



1) Wenn die färbe des mantelstoffes wegen der entfemang nicht mehr 
zu erkennen war, leuchtete der karbunkel wieder hervor. 

'2) Ein sagenhaftes volk, von dem im Herzog Ernst erzfthlt wird, dM 

allerdings auch schon früher gelegentlich erwähnt wird, ygl. Bartsch, 

Hexzog Ernst CLXIX. Die stelle ist wahrscheinlich später eingetchobeiu 



69 

wie iz in üz der hant nain: 

ir mantele nequam nichen dan. 1S95 

Dö scheit sich die höchgezit. 
aller inannelich 
reit z5 sinin selidin, 
äne Dietheriches helede: 

die vören zö deo herebergen 1900 

unde mOstin gevazzit werden, 
vrumicheit hette her dar begän. 
iz newart ouch nie nehein man, 
die Dietheriche dorste bestan, 

die recken namen hette. 1905 

daz her so vile getäte, 
von du lobit in daz liet. 
sie nigenöztin sich alle dar zö nicht. 

Die höfzich was irgangen. 
dö lief man wider manne 1910 

zö vröner kemenätin 
unde sagite von der gewete, 
die der recke Dietherich 
hette gevazzit ane sich. 

also der eine inne was, 1915 

der ander vor den turin was*), 
wante die magit so vil vimam, 
daz sie den tuginthaftin man 
von aller slachte sinne 

in iren herzen begunde minnen. 1920 

noch dan was sie ime ^Temide: 
sint gewan sie mit deme helede 
manige werltwunne, 
unde ouch trübe dar under. 

In der kemenätin wart iz stille. 1925 

dö sprach die kuninginne: 
„owi, vrouwe Herlint, 
wie gröz mine sorge sint 
umme den herren Diethertche. 
den hettich sichirliche 1930 



1) Wol saz. 



70 

vorholne gern gesen 

unde mochtiz mit gewöge geschön 

umbe den tuginthaftin man. 

vunf bouge lossam 

die mochte ein böte schtre 1935 

umbe mich verdienen, 

der den helit dräte 

brächte zö miner kemenäten". 

„in trouwen", sprach Herlint, 

„ich wille mich heven an den sint. 1940 

iz si schade oder nesi, 

ich ge zü den herbergen sin. 

doch pflegit her sulicher züchte, 

daz wir sin wären äne laster*'. 

Herlint gienc dräte 1945 

z5 einir kemenätin 
unde nam die tfirlichen wät, 
also manich vrouwe hat. 
dar in zierte sie den Itph. 

do ging daz listigez wiph 1950 

zö deme herren Dietheriche. 
lier intfinc sie vromeliche. 
vil nä sie zu ime saz, 
deme recken sie in daz öre sprach: 

„dir imbütit holde minne 1955 

min vrouwe die kuninginne 
unde ist der vruntschefte underdän, 
du Salt hin zö ir gän. 
dar wil die magit zwäre 

dich selve wol infan 1960 

nicht wene durch din ere. 
aller trüwin, herre, 
des machdü vil gewis sin 
an der juncvrouwen min". 

Alsus ridede dö Dietherich: 1965 

„vrouwe, du sundigis dich 
an mer eilenden manne, 
ich bin ouch zö kemenätin gegangen 
Jile vore, dö daz mochte sin. 



71 

war nmme spozeder min? 1970 

leider so töd man den armen ie. 

üwer vrouwe ingedächte die rede nie. 

hie is so vile herzogen 

unde vorsten in deme hove, 

daz ir mit einen anderen man 1975 

dwerin scheimf mochtin hän, 

des hettir minnir sunde. 

ir virdienit daz afgrunde, 

daz er mich sd tdrecht woldit hän, 

ich nebin ng sd arm man, 1980 

ine wäre doch zwäre 

dar heime ein richer gräve". 

Herlint sprach deme herren zö 
(sie künde ire rede wale gedön); 

„neinä, h^rre Dietherich, 1985 

nicht nedenke des ane mich, 
ich nehän is weiz got nicht getan, 
mich hiez min vrouwe here gän: 
sie nimit michil wunder, 

daz du sd manige stunde 1990 

in desseme.hove heves gewesen 
unde sie newoldis nie gesen. 
daz ist doch seidene getan 
von eime so statehaften man. 

nft wizet mer der rede nicht: 1995 

der kuninginne wäre lieph, 
swelich ere der gesch8, 
swie du sie nie nigesß. 
woldistu aber dar gän, 
dune tädis nicht ubelis dar anne". 2000 

Dietherich zö der vrouwin sprach 
(her wiste wole daz iz ir emist was): 
„hie ist der merkere s6 vile: 
swer sin ere behaldin wille, 

der sal gezogenliche gän. 2005 

ja w^nit der eilende man, 
daz her nimmer so wole getö, 
daz siez alle vür göt 



72 

nimen, die in deme liove stn. 

nü sage der junevrouwin din 20 lü 

min dienist, ob sie is geröchit 

icli nemach sie nicht gesöchen 

vor der missehelle. 

ich vorte daz iz irschelle 

uns beiden lasterliche: 2015 

so virbutit mer daz riche 

(yonstantin der herre, 

so mOz ich immir mere 

vlüchtich sin vor Röthere 

unde nemach mich niergin generen". 2020 

Herlint wolde dannen gän. 
der herre bat sie dar bestan 
unde heiz die goltsmide sin 
zwene schö silverin 

ilinde giezin — 2025 

wie sie dö zouwin liezin! — 
unde zwene von golde, 
aiser sie geven wolde. 
dö bat her Aspriän, 

daz sie zö einime vöze quämen, ^ 2030 

daz her die beide neme 
unde der vrouwen geve, 
unde enin mantil vile göt, 
zwelf bouge goltröt: 

so sal men einir kuninginne 2035 

ir botin minnin. 
do si)ranch sie vröliche 
von deme herren Dietheriche. 

Herlint (luam dräte 
zö ir vrouwin kemenäten 2040 

unde sagete ir von deme hörren, 
her pflege sinir eren 
harte vlizeliche. 
„daz wizzin werliche, 

ime sin des kuninges hulde lieb. 2045 

her nemach dich gesen nicht 
mit niclwinir «lachte vöge. 



73 

DÜ warte an dise scböhe, 

die gab mir der helit göt 

unde tete mir lievis genöch, 2050 

unde einin mantil wol getan — 

wol mich daz ich ie dare quam! — 

unde zwelf bouge die ich hän, 

die gaf mir der helit lossam. 

iz nemochte üffe der erdin 2055 

nie schönir ritar werden 

dan Dietherich der degin. 

so läze[ne] mich got liebin, 

ich ka£fedene undankis ane, 

daz ich mich is imer mach schämen". 2060 

„Iz schtnit wole", sprach die kuningin, , 
„daz ich nicht s61ich nebln, 
nü her min nicht wil gesehen, 
machdü mir die schö geven, 

durch des herren hulde, 2065 

die vullich dir mit golde". 
schtre wart der kof getan, 
sie z5ch dene guldinen an 
unde nam dene silverinen schön. 

der ginc an den selven vöz. 2070 

„owi", sprach die kuningin, 
„wie wer nü gehönit sin, 
dö dieser schöen lossam 
ist missegrife getan. 

ich nebringen nimer an. 2075 

in trouwen du möst liine wldir gän 
unde bitten Dietheriche 
harde gezogenliche, 
daz her dir den anderin schon gebe 

unde mich selbe wille gesen, 2080 

och her in sime kunne 
ie göter slachte gewimne". 

„Owi", sprach Herlint, 
„wie gare die laster danne sint 

unser beider, vrouwe! 2085 

nü wizzistaz in trouwin. 



74 

soldieh immer schände hän, 

ich möz abir widir gän". 

dö hob die magit wol getan 

ir wät lossam 2090 

vaste an de kne; 

sie nigedächte der zucht nie, 

vronwelicher gange sie virgaz. 

wie schire sie ober den hof geloufin was 

zö deme lierren Dietheriche! 2095 

her infinc sie vromichliche 

in allen den gebore, 

aiser sie nie gesege. 

dö wiste der hellt wole sän, 

war umme sie dar wider quam. 2100 

Herlint sprach z6 deme hßren: 
„ich möz immer mere 
in bodescheffe gän. 
der schön ist missegrife getan. 

sie sin der kuninginne 2105 

gegeven durch dinin willin. 
noch solde wir den einin haven: 
des heiz dich min vrouwe manen, 
daz du ir den anderen schön geven woldis 
unde sie gesOges selbe'), 2110 

ob du undir dlme kunne 
ie göt gesiechte gewwnnis". 

„Ich dätiz gerne", sprach Dietherich, 
„wane die kamerere die meldin mich". 
„n<?m sie", sprach Herlint, 2115 

„mit vrouweden sie in deme hove sint: 
die ritäre schiezen den Schaft, 
dar ist michil spilis kraft, 
ich wil hin vore gän: 

nn nim zwene diner man 2120 

unde heve dich vil dräte 
nä uier zö der kemenäten. 



1) Wahrbcheinlich giud die reimworte ursprünglich g4v€$ : gufffes 
gew^aeu. 



75 

mit deme grözen schalle 

virmissm sie dtn alle. 

ich gescheffe ein gestille 2125 

von der kuninginne".*) 

Herlint wolde dannen gän. 
d5 sprach der listiger man: 
„nu beide des kamer^ris: 

ich wille nä den schön vrägen". 2130 

schtre quam Aspriän. 
her sprach: „owi, waz hän ich der getan? 
die wege ich nicht irlidin nemac. 
dd möwis mich allen disen tac 

mit itenüwim mere 2135 

dan du ie getatis, h^rre. 
ir was hie ein michel teil geslagen, 
die hän die knechte zotragin. 
ist ir dar ich irvallen, 

ich bringe der sie alle". 2140 

dö nam Aspriän 
de anderen schön lossam 
unde einin mantil vile göt 
unde zwelif armböge röt 

unde gab di al der vrouwin, 2145 

dö gienc sie also tougin 
vil harte vröliche 
von deme harren Dietheriche 
unde sagite ouch zwären 
ir vrouwen lieb märe. 2150 

Der megede wartin was grözlich. 
sich beriet der herre Dietherich 
mit Berkere, deme alden manne, 
wo iz mit gQN^^Q mochte gän. 

„vile wole", sprach der herzöge, 2155 

„an deme Poderamus hove 
sal ich machen grözen schal: 
*dar züt daz lüt ubir al, 
sone wardit dtn nichein man". 



1) „Ich maohe, dass man die künigin in luhe V&ftftV*'. geUiUe V«X *vq1. 



76 

her heiz die riesen üz gän; 2160 

selve bedacter sin ros. 

sich höf der lüt ütfe dene hof. 

dö vörte der aide jimgelinc 

düsint ritär in den sint. 

Widolt mit der Stangen 2165 

vor dar scrickande 

in allen den gebere, 

alser heriz wäre. 

da ubirwarf sich Aspriän, 

der was der riesen spileman, 2170 

Grimme zwelif kläfter spranc, 

s5 dätin die anderin al intsamt. 

her greif einin ungevögen stein, 

daz der merkere nechein 

Diederiche virnam, 217d 

dö sie begiinden umbe gän. 

In deme venstere die junge kuninginne stunt. 
schire quam der hellt junc 
over hof gegangin. 

da wart er wole infangen, 2180 

mit zwen ritärin erlich. 
dar ginc die recke Dietherich, 
dö wart die kemenäte üf getan, 
dar in ginc der hellt wol getan. 

den hiez die junge kuningin 2185 

selve willekume sin 
unde sprach, swes her dar gebete, 
daz sie daz gerne deten 
nä er beider eren. 

„ich hän dich gerne, herre, 2190 

durch dine vromicheit gesen, 
daz ne is durch anderis nicht gesehen, 
desse schon lossani 
die saltu mir zien an". 

„vile gerne", sprach Dietherich, 2195 

„nfi irs goruchit an mich", 
der herre zö den vuzen gesaz, 
vil schöne sin gebere was. 



77 

üiTe sin bein sazte sie den vöz: 

z newart nie vrouwe baz gescböt. 2200 

do sprach der listiger man: 
„nü sage mer, vrouwe lossam, 
mßre üflfe die trüwe din, 
alse du cristin wolles sin — 

nn hat din gebetin manic man — 2205 

ob iz an dinin willin solde stan, 
wilich under in allen 
der beste gevalle". 

,4)az sagic der'*, sprach die vrouwe, 
„vil emistliche in trouwen, 2210 

herre, üffe die sele min, 
alsich getoufet bin: 
der uze allen landen 
die turin wigande 

zd ein ander hieze gin, 2215 

sone wart nie niehein man, 
der din genoz mochte sin. 
daz nemich an d^ trüwe min, 
daz nie niehein möter gewan 

ein barin also lossam, 2220 

daz iz mit zuchtin, Dietherich, 
mochte gesizzin ineben dich, 
von du bistn der tuginde ein üz genumen man. 
soldich aber die wele han, 

so nemich einin hellt got unde halt, 2225 

des botin quimin her in diz lant 
unde ligin hie zwäre 
in minis vater kerkenere. 
der ist geheizin Kothere 

unde sizzet westert über mere. 2230 

ich wü oueh immer ma^t gan, 
mer newerde der hellt lossam". 

Alsiz Diedeiich vimam, 
dd sprach die listege man: 

„wiltü ROtfaere minnen, 2235 

den wil ich dir schire bringin. 
iz nelevet niehein werltman, 



78 

der mer so leve hette getan. 

des sal her noch geniezen. 

bit in die hönede liezin^), 2240 

her bözte mer dicke mtne not, 

des lone ime noch got. 

wir nuzzen vröliche daz lant 

unde leveten vröliche samt. 

her was mir ie genedich unde göt, 2245 

all6n have m\c nü virtriven der helit göt". 

„In trüwen", sprach die junge kuningin, 
„ich virstä mich an der ride dtn, 
der ist Röther also leib, 

her nehät dich virtriven nicht. 2250 

swannen du verist, helit halt, 
du bist ein bode her gesant. 
dt sint des kuningis hulde lieb, 
nunc virhel mich der rede nicht! 

swaz mir hüte wirt gesagit, 2255 

daz ist imer wole virdagit 
biz an den jungistin tac". 
der herre zö der vrouwen sprach: 
„nü läzich alle mtne dinc 

au godes genäde ande din. 2260 

ja stönt dine vöte 
in Rötheris schöze". 

Die vrouwe harte irscricte, 
den vöz sie üf züchte 

unde sprach zö Dietheriche 2265 

harde blötliche«): 
„nunc wart ich ne so ungezogin; 
mich hat min ubermöt bedrogen, 
daz ic mine vöze 

sazte in dine schöze. 2270 

ande bistü Röther so her. 
sone machtü, kuninc, nimir mör 



1) ,,So lange als ihu die hochfahrende gesinnting frei liess", d.h. bis 
diese herrschaft über ihn gewann. 

2) So mit Edzardi für hoUHche der hs. haltliche „geschwind, rasch" 
bei Kückert passt nicht. 



79 

bezzer tugint gewinnen. 

der üz genumener dinge 

hästü von meisterschaf list. 2275 

sowilchis kunnis du aber bist, 

min herze was eilende.^) 

unde hette dich got nü her gesendet, 

daz w^re mer innencliche lieb. 

ich nemach is doch getrüwen niet, 2280 

dune scheinis mir die wärheit. 

unde wäriz dan al der werlde leit, 

s6 rümde ich sichirltche 

mit samt der die rtche. 

BUS ist iz aber immir ungetan. 22S5 

doch nelebet nichein man 

sd schöne, den ich da vor n6me, 

ob dö der kuninc Röthere warfst". 

Alsus redite dö Dietherich 
(sin gemöte was harte listich): 2290 

„nun^ hän ich vrunde mSre 
dan die armin harren 
in deme kerkenere. 
swä mich die gesehin, 

dar mochtis dich an en virstän, 2295 

daz ich der war gesagit hän". 
„in trouwin", sprach die kuningtn, 
„de irwerbich umbe den vatir min 
mit etteltcheme sinne, 

daz ich sie üz gewinne. 2300 

her negevet sie aber nicheinime man, 
her nemöze sie üffe den liph hän, 
daz er nichein intrinne, 
biz man sie abir wider bringe 

in den kerkenere, 2305 

dar sie mit nötin wären". 

Des antwarte dö Dietherich: 
,4ch wil sie nemen ubir mich 



1) Schwerlich mit der hs. und Bückert hellende^ das als ,, einen laut 
TOn sich gebend", ,,laut ankündigend" zu nehmen wäre. 



80 

vor Constantine deme riehen, 

raorgin sichirliche 2310 

so sal ich her zö hove gän". 

die vroiiwe also lossam 

kuste den herren. 

dö schiet her danne mit eren 

uz van der kemenätin 2315 

zö den herbergen dräte. 

also daz Berker gesach, 

wie sehire der rinc zeläzen was! 

do sagete der herre Dietherich 

die mere also wunnicltch 2320 

deme türlichen herzogen. 

des begimdin sie beide got loven. 

Die juncvrouwe lac über nacht. 
w6 gröz ire gedanke was! 

alsiz zö deme tage quam, 2325 

einin stab sie nam 
unde slouf in ein swarziz gewßte, 
alse sie sich gewilöt hette, 
einin palmen sie ober ir achslen nam, 

alse sie uz deme lande wolde gän, 2330 

unde hob sich vil dräte 
zö ins vater kemenäten 
unde klopfete an daz turlin. 
uf dete dö Constantin. 

also hc die magit an gesach, 2335 

wie listichliche sie zö ime sprach: 
„nü gebüt mir, herre vatir min, 
möter, er sult gesunt sin. 
mir ist so getroumöt, 

mer nesende der waldindiger got 2340 

sinin botin underdän»), 
ich möz in abgrunde gän 
mit levendigen liphe, 
des nist nehein zwivil. 
is nemac mich neman irwenden, 2345 



1) Schwerlich mit Bückert unJer dem „damider'* und ,,dACwiMh«n**. 



81 

ioh newille daz elelende 
büwin immir mere 
zö trdste mtnir sele'^ 

Trürich sprach dö Constantin: 
„neinä, leve tochter min, 2350 

sage mir waz du willis, 
ji wegich der dir helle", 
„yater, daz ist immir ungetan, 
mir newerden die botin lossam: 

die wil ich vazzen unde baden, 2355 

daz sie genäde raozen haven 
an ir armin live 
etteltche wile. 

ich negerer nicht wane drte tage, 

so werden sie dt widir aber 2360 

zö deme kerkenere^S 
Constantin der mere 
sprach, dat her daz gerne dete, 
ab sie einin burgin betten, 

der sie üife den Itf torste nemen 2305 

unde sie ime widir mochte geven, 
daz ir nichein intnmne. 
dö sprach die magit junge : 
„ich bitis hüte s9 manich man, 

daz sie etelicher inöt bestän, 2370 

des Itf ist also tuginthaft, 
'deme du sie mit eren geven machte 
dö sprach Constanttn: 
„daz tön ich gerne, tochter min". 

Der ztt iz näote 2.375 

yfl harde genöte, 
daz Constanttn z6 tiske gienc. 
Diethertch des nicht neliez, 
her quöme mit sinin mannen 

vor den kuninc gegangen. 2380 

dö man daz wazzer nam, 
die juncvrouwe lossam 
gtnc vor deme tiske umbe 
beize weinimde, 

KOnig Rother. ^ 



82 

ob sie iemanne so l^ve hette getan, 2385 

der die botin lossam 

üffe den Itf torste nemen. 

ir nechein torste sie des geweren: 

herzogin die rtchin 

virzigint ir geltche, 2890 

biz sie z5 den recken quam, 

mit deme die rät was getan. 

dö sprach die migit ^rllch: 

nu gedenke, helit Dietherich, 

aller dinir göte 2395 

linde hil/* mir öz der nöte. 

nim die botin üffe daz levent, 

die heizit der die kuninc geven. 

irzagit sin mtnis vater man: 

sie neturrin sie nicht bestän. 2400 

doch sol die edelecheit din 

mit samt mir geteilit stn, 

daz ich der genieze. 

sw6 gerne du daz liezis, 

dich neläze[n] din tuginthafter mdt! 2405 

du Salt mich geweren, helit göt". 

„gerne", sprach Dietherich, 

„sin^ irs geröchit ane mich. 

iz negät mir nicht wene an den liph; 

doch werdich dtn bürge, schöne wlph**. 2410 

Die botin gab dö Constanttn 
Diethertche üffe den llf sin. 
der herre sie dö obernam. 
dö Yolgetin ime des kuningis man 

zö deme kerken^re, 2415 

dar sie mit nötin wären, 
die eilenden haftin 
lägin in unkreften 
unde leveden bermeliche. 

Berker der rtche ' 2420 

stünt unde weinöte, 
dö her den schal gehörte. 
den kerkendre man üf brach, 



as 

dar in schein du der tac. 

schire qoam In daz liecht, 2425 

des newärin sie gewone niecht 

Erwtn was der erste man, 
der üz deme kerkenere quam, 
alsen der vater an gesach, 

wie grdz sin herzerftwe was! 2430 

her karte sich hine umbe 
nnde wranc sine hende, 
her netorste nicht weinen 
nnde nestünt ime nie so leide, 

sint in stn moter getrOch. 2435 

Erwin der helit got 
was von deme liphe getan 
also von rechte ein arm man. 

Sie nämin die zwelf gravin 
üz deme kerkenere 2440 

unde iegelich sinen man. 
die ritär also lossam, 
sie wärin swarz uude sale, 
von grdzen nötin missevare. 

Lüpolt der meister 2445 

nemochte nicht geleisten 
wan ein böse schurzelin, 
daz want her umme den liph sin. 
dd was der weinige man 

harte barlichc getan, 2450 

zoschundin unde zeswellit 
Diethertch der helit göt 
stünt trörich von leide 
unde newolde doch nicht weinen 

umbe die botin lossam. 2455 

Berker der aide man 
ginc al umbe 
die haften schouwende: 
done ruwen in nichein dinc 
harter dan stne schönen kint. 24*M> 

Diethertch der h6rre 
heiz die botin heren 



84 

vören zu den lierbergen sin, 

wan Lüpolt iinde Erwin 

die liez man eine gän, 2465 

daz er neplaf nehein man. 

dö sprach Erwin der mere: 

„Lüpolt trüt lierre, 

sie^ du einin grawin man 

mit deme schonin barte stan, 2470 

der mich schouwete 

wunderen nöteV 

her karte sich unibe 

unde wranc sine hande, 

her netorste nicht weinen 2475 

unde nestunt ime doch nie so leide. 

waz ob got der göte 

durch stne ötmöte 

ein grOz zeichin wil begän, 

daz wir kumin hinnen? 2490 

daz is war, brödir min, 

her mach wole unse vatir sin". 

dö lachetin sie beide 

von vrouweden unde leide. 

Die eilenden geste 2485 

wÄrin hanfeste ^) 
biz an den anderen dach, 
die juncvrouwe eren vater bat, 
daz her sie lieze dare gan, 

sie wolden selve dienan. 2490 

orlof er der kuninc gaf. 
we schire sie over hof getrach*) 
zö deme herren Diethertche! 
d5 hiez man al geliche 

die vremedin rttar fiz gän. 2405 

dar nebeleib nichein man 
wan der verchmäge 
die über mere wärin gevarin. 



1) Wol: B. in die liand gegeben und nur so gebunden. 
iV gpfrach Jcann (vgl. einl. s. 13) sowol - - getraf, als getrat sein. 
Letztere» ist vor/u;!ieheii wegen der veT\>\TiA.\mg mSA. zt. 



86 

den botin also lossam 

den legete man göt gewant an 2500 

unde vazzede sie vlizicliche. 

daz quam von Dietheriche. 

der tisc wart gerichtöt. 

Berker der helt göt 

was trochtsäze 2505 

die wile sine kint äzin. 

Alse die harren gesäzen, 
ir leides ein teil virgäzen, 
dö nam die recke Dietherich 

eine harfin, die was erlich, 2510 

unde scleich hinder den ummehanc. 
wie schire ein leich dar üz klanc! 
swilieh ir begunde trinkin, 
deme begundiz nidir sinkin, 

daz er iz üffe den tisc[e] göz. 2515 

swilieh u- abir sneit daz bröt, 
deme intfiel daz mezses durch not. 
sie wurdin von tröste wizzelös. 
wie manich sin trören virlös! 

sie säzin alle unde hörtin 2520 

war daz spil hinnen karte, 
lüde der eine leich klanc: 
Lüppolt ober den tisch spranch 
unde der gräve Erwin, 

sie heizin in willekume sin, 2525 

den riehen harfere 
und kustin en zwären. 
wie rechte die vrouwe dö sach, 
daz her der kuninc Köther was! 

Alse die juncvrouwe hinnin widir quam, 2530 

dö liez man die botin üz gän 
allenthalven in die stat, 
daz ir neman neplach. 
dö merketen iz des kuningis man 

unde sagetin iz ir herren sän. 2535 

„nü neröchit", sprach Constantin, 
„ich bevalch sie eme üffe daz leven sin. 



86 

her ploget so göter sinne, 

ir nemach ime nichein intrinne". 

der kerken^re wart gero^möt, 2540 

alse die juncvrouwe gebot. 

d5 drie tage irgengin, 

die botin sie aber viengen 

unde legetin sie zwären 

widir in den kerken^re. 2545 

raichil bcttewäte 

unde ander göt gerate 

wart in virholene dar tn getragin, 

(dd mosten sie genäde haven) 

similen unde w!z bröt, 2550 

des was den helidin vil not. 

die juncvrouwe heiz enin man 

zo Dietherichis herbergen gän, 

der grob ein hol zö berge 

von deme korkenere, '2555 

swar sie woldin hinnin k^ren. 

do lägin die haftin 

in sanftin unkreftin. 

die botin lägen dar alle 

zwenzich tage vulle 2560 

unde haveten grözen wirtschaf. 

sie wunnen an dem live kraft. 

Dö hob sich under deme himele 
von zwein unde sibinzic kuningin 

von Tvösler Babilone^) 2565 

zö Constanttno deme kuninge 
die aller görziste hervart 
die iergin gewart. 
Ymelot*) gerte sin zö man, 



1) Hsbilon iu der wUsic üt Kairo. 

2) JtidcufallB identisch mit Mbelöt, der im Biterolf unter «ndaren 
heidnischen königen genannt wird. Vers 295 f.: Man taget von A'ib€löt§ dax, 
wie er te lldryse tat in einem riehen kuide; den ich vil teol erkand«. der 
machte himele guidin, seihe wolde er got «in, mit kraft er Ute tütent her; es 
mohte niema» keine wer wider in gefüeren^ et getonte oiteh gerüeren mit etr^te 
nieman siniu laut. 



67 

her vas cö Ädiäi. vTäHBoi. 2»?^ 

ime mtmütisit wäaz vi&sdui. 
her woide Afc räeäit ULt läi 




aber il 

sone 

her wolde fcfre veK& goc 

SimefiB hol äs «ib. 

her tieUs i«i» Jefirtifc?» sex: dca Bpfc. 

D6 qua Ä iSade mam 
TOT deme To&e pe'ozm 
lo CoBStaatiBO|i»>Be. 
der TÜ merr» Imrpt. 
ande sigete deme ksü^ meie. 
wie B&t iae were, 

ob her sieh Bochie irwefcs. 2i>» 

m soehte ein kiefti^ here. 
alsiis ledede d» ComsoaulB: 
„wer moefate s6 riche sis, 
der mich tonte bestü'*? 

dö 8i»ieh dtf gihimler ma: 2a^> 

„diB groze OTCimöt 
der nis x6 mchte göt. 
in tronwes sie havent genendot. 
iz 18 der heire Ymeld^ 

▼on wöster Babikiiiie. :i^di» 

sw^ne unde sibinzie knninge 
die sdchea daz luit diu. 
ieh sieh die Torreise sin, 
8Ö manich zeit of geslagen: 
sie mogiB w(rf zenzic dosist hayen^. :iM> 

Deme knninge wurden swire 
die starken nftmere. 
Dietherleh der beut göt. 
der tröste wok sinin möt. 

her sprach: „halt dich wole, Constantin, 3i$»>5 

imde gib mer nffe den liph min 
die eilenden baftin 
üz den nnkreftin. 



91 



her brächtimo manigin hellt gdt. 

dö zeigite man z5 manne, 2725 

unser z5 Ymelöte quam 

in ein zeilt lossam. 

daz swert züchte Aspriän 

unde hiez in vil stille stan, 

ob her den liph wolde han. 2730 

der kuninc dö nicht nesprach, 

aiser die stangin an gesach, 

die düchtin harde vreissam: 

gevangin was der rtke man. 

Diethertch unde stne man 2735 

begondin deginliche gan 
ander eine dicke schare, 
dar yaltin sie daz here gare. 
Widolt gab die stangin 

nüwet üz den handin: 2740 

swaz her der beiden ane quam, 
die slouc her alse en donir sän; 
8wär er zö der dicke quam, 
dar slouc her üffe den man, 

daz sie al zescreitin 2745 

also ein stdp daz dö hine weite. 

Die zwelf riesen vreissam, 
die sclögin manichen man. 
die heidin vlün durch not, 

sie jagete der grimme töth. 2750 

Widolt wart gevangin, 
gebundin an die lannin. 
Diethertch der hörre 
vor zö den herbergin 

in allen den geboren, 2755 

abiz ime nicht gesehen were. 

Diethertch heiz sine man 
zö den herbergen gän, 
swaz Schalles sie vememen, 

daz sie icht zö den rossen quämen. 2760 

dö rief der wachtere 
obir daz here m8re: 



92 

„wol üf, herre Constantin, 

ich höre die viande din 

mit grozeme schalle: 2765 

ich wene sie here wollen". 

we sere sie irquämen, 

dö sie die vlucht virnämen 

von der heidenschefte, 

die dar lagin mit heres krefte! 2770 

Constantin wart gewafenöt 

unde vil manich hellt göt. 

dö sprachin sumiliche: 

„nü siet zö Dietheriche, 

her ligit dar alse ein böse zage, 2775 

swie her uns here gewlsit hevet; 

von den iintrüwin sin 

Sit ir virrätin, hdrre Constantin". 

Constantin dö rande, 
als ime daz marc irhancte 27S0 

vor ein gezelt erlich: 
„wol üf, her Dietherich! 
die heidin willin uns bestan. 
hie nachet der töth manic manne". 

lüt<i rief Ymelöt : 2785 

„herre, ir spotit äne not. 
hinacht zö mittir nacht, 
dö ich in mineme bette lac, 
dö quam ein vreislicher man 

unde trouc mich under sinen arme dan. 2790 

mu- sin die mine gar irslagin, 
sie nemugiu dir nicht geschadin". 

Alse daz Constantin vimam, 
dö kerte her vröliche dan 

unde sagite sinen mannen: 2795 

„Ymelöt is gevangin! 
daz hat Dietherich getan, 
nü mözin sie lasterliche stan, 
die den herren äne not 

zö verre habin gevalscöt 2500 

mit grozeme unrechte". 



93 

dö gingin got^ knechte 

z6 deme herren Diethertche 

unde danketin ime grözliche. 

daz march virleiz Constanttn, 2805 

ze vordirst her in daz gezelt ginc. 

die hande nam her vor sich. 

her sprach: „got löne der, herre Dietherich, 

daz du mit dinin mannin 

den kuninc hast gevangin. 2^10 

eia türlicher degin, 

wilich ere dir ist geschein! 

hettich nü sig^m gut, 

des dir immir wurde not, 

daz sal der wesen undirtan". 2815 

ir aller sorge was irgän. 

Der tac begunde üf gän, 
d5 salite man manic man. 
Dietherich der wlgant 

nam Ymelotin bt der hant 2820 

unde vdrtine vor Constanttno, 
her bevalch in ime unde stnin. 

dö sprach der listiger man: 

„wir soldin einin botin hän, 

der den vrouwen sagete 2825 

waz wir gevromit hebetin". 

„introuwen", sprach Constanttn, 

„der böte saltü selve stn 

durch miner tochter willen, 

unde sage der kuninginne 2830 

unde den vrouwin allin samt, 

wt ritin in daz lant 

vil harte vröliche. 

din volc sumelichiz 

läz mit mir hei bestan". 2835 

dö sprach der listige man, 

daz her gerne dete, 

des in der kuninc b^te. 

Diethertch ginc dannen 

mit stnin heimlichen mannin '^'^^^ 



94 

unde sante daz volc zd des kuningis vanm, 

her bat sie grözen danc haven. 

z5 ime nan her sine man, 

swaz ir ober mere quam. 

den künin her sagete 2845 

wes her willin habete. 

die türin wtgande 

hngitin d5 z5 lande. 

Dannin vor dö Dietherich. 
ein zeichin daz was herlfch 2850 

brächter zö Constantinopole, 
der vil meren bürge, 
mit den sinin mannin 
her sprach were intrunnin. 

dö weinte d^ vrouwe kuningtn: 2855 

Jariä, wä is Constantin 
unde die wigande 
uz von mauigeme lande? 
Dietherich, lieber herre, 

gese wir sie immir mere?** 2860 

„nein ir, daz weiz got, 
sie hat geslagin Ymelöt 
unde ritit da here mit heris krafb. 
her wil zevörin die stat, 

ich netrüwe mich nicht irweren: 2865 

nü möz ich vliezin ober mere. 
beide wib unde kint, 
wä sie in der bürg it sint, 
sie kiesint alle den tot. 
sie irslet der kuninc Ymelöt". 2S70 

Dö nam daz Constantinis wib 
ir tochter die was hSrlich 

unde bätin Dietheriche ' 

beide grözliche, 

daz her in hülfe üz der heidinschefte, 2875 

die dar quämen mit heres krefte. 
dö heiz der listige man 
die zelder also lossam 
der kuDiDginne dar zehen 



95 

imde vörte sie zö den kielen. 2880 

dar mngit ir geloubin 

von manigir schönir vroawen 

weinin unde hantslagin. 

sie nemochtin nicht gedagin. 

er zöch ein michil maginkraft 2885 

na Diethertche üz der stat. 

sie woldin alle üffe den mere 

vor Ymelöte den liph generen. 

dö tröste sie der karge man, 

her hetiz durch eine list getan. 2890 

Dietherfch heiz sine man 
vil dräte in k61 gän. 
Aspriän, der hellt g5t, 
den kamerschaz[man] dar in tröch. 

sie gShetin alle üffe daz mere. 2895 

dd heiz der kuninc Röther 
die möter an deme Stade stan, 
die tochter in den kiel gän. 
ir weinin was grözlich. 

sie sprach: „owl hSrre Diedertch, 2900 

weme wiltü, tuginthaftir man, 
unsich armen wiph län?" 
BUS sprach die göte kuningin: 
„nü nim mich in den kiel din 

z6 miner tochter lossam^^ 2905 

dö sprach die listige man: 
„vrouwe, ir sollt üch wol gehavin, 
Constanttn nis nicht geslagin. 
Ymelöte han wir gevangin, 

iz ist Constantino wol irgangin. 2910 

hd rtdit here zö lande 
mit lieven örande. 
her komit ovir dri tage. 
ir mogit eme w^rliche sagin, 

sin tochter si mit Röthere 2915 

gevaren westene over mere. 
nü gebüt mir, vrouwe h^rlichl 
Jone heizich niuwit Dietherich". 



96 

„Wol mich" sprach die kuningin, 
„daz ich ie gewan den Itf mtn. 2920 

nft läze dich got der gdde 
durch sine otmöde 
die mine tochter lossam 
lange mit gemachin hän. 

daz ist war, türltcher degen, 2925 

sie were der samfter gegevin, 
dan du si hast gewunnin, 
inde stundiz an minin willin. 
8wie Constantin nü den lif 

quelede umbe daz schöne wtf, 2930 

daz ist mir daz minnist, 
ni\ du Röther bist, 
nü vare, türltcher degin, 
Sante Gilege möze din plegin". 

dö sprach daz schöne megettn: 2935 

„gehavet üch wole, möder min", 
die vrouwen also lossam 
gtngin lachende danen 
üf den Constanttnis sal 

unde gunden Rothere wol, 2940 

daz in got gesande 
mit gren heim zö lande. 

Alse Röther over mere quan, 
dö wart die vrouwe lossam 

swanger einis kindis, 2945 

einis seligin bamis. 
dö was Eme/ger döt, 
die lant alle verstöröt 
van ses margrävin, 

die woldin Hademären 2950 

zö eime koninge hän genomin unde gelovet: 
dö was ein riche herzöge, 
geboren von Diezen. 
die Röther gehiezen 

trouwen biz he queme, 2955 

die wertin die kröne 
deme riehen ervelösan mau, 



97 

nnze Wolfrät daz swert genam 

an enlm scbdnim ringe, 

der was van Tengelinge, 2960 

des koningis Amelgeres sune: 

iz nequam van eineme [sinin] kunne 

also manich türe wigant. 

beide liude unde lant 

die beherte der türe man, 2965 

biz Röther wider quam. 

In stride lägen die laut. 
Röther der wigant 
liez die wechmüdin 

luzzil gerüwen: 2970 

he moste durch gerichte varen. 
he heiz die vrouwen bewaren 
Lüppolden den getrüwen man. 
die andre ritäre lossam 

z6 den rossin wären sie gerech. 2975 

do reit dar manich göt knech 
bit Röthere ingegin Beme 
unde strichen durch die berge, 
die riesen hetten grözen not, 

sie liefen alle gewäfeuöt. 29S0 

d^r reise Wolfr^/ enerwant,*) 
dö wister over lant 
eine vil breide menie 
Röthere zö gegine. 

her infienc in mit ercn 29S5 

also van rechte ein man sinen hörren. 

Sich höf der lüt over den döz.') 
dar wart der scal harde gröz, 
dar der here Constanttn 

reit üf den hof sin 2990 

zö Constantinopole in der stät. 
der ko^ninc hasteliche sprach, 



1) ,,er unterliess uicht den auszug, unternahm ihn". Andre versuche 
dem corrupt überlieferten verse aufzuhelfen, sind: die riesen Wolf rät an 
erwant (Küek.) ,,cr traf auf die riesen" oder die reise W. an ertoant (Edzardi). 

2) over den döz ist nicht genügend etkV&it. 

König Rotber. \ 



98 

wä sin tochter were, 

daz he sie nicht ins^ge. 

des antwarde die kuningin: 2995 

„gehalt dich wale, Constanttn. 

geinir ritär erltch, 

der sich da nante Dietherich, 

daz was der koninc Röther 

unde hat gevört over mere 3000 

mtne tochter unde din. 

wie mochte sie baz bestadet stn? 

si wil der listige man 

z6 eineme wette hän, 

biz ime wirt gelönit 3005 

des he der hat gedienit. 

her hat uns rechte getan. 

wir hetten wonderlichen wän; 

wat recken moclite dar s6 riche stn? 

ir Sit gewarnet, Constanttn: 3010 

kome ü imermer gein vertriven man, 

da solit ir üch baz vor waman". 

Constantinis gemöde 
sich verwandelöde, 

her begunde sere weinin 3015 

inde quelite sich von leide, 
he sprach: „owt, vrou koningtn, 
nü rouwet mich die tochter mtn, 
die der kuninc Röther 

hat gevört over mere. 3020 

nu ist iz mich düre bestan, 
waz so her gaf geh^nin man", 
her viel van leide in unmacht. 
dö zouch der bürgere kraf 

üz der stat mere.^ 3025 

Ire röfin was möregröz. 
w§ wal des Ymelöt genöz! 
der stn solde plegin, 
der zouch dur wunder after wege 



1) Eine zeile ist aasgefallen. 



99 

linde wolde gerne hän gesien, 3030 

waz da were gescien. 

Ymelot mit listin 

begiinde den lif vristin: 

dö Constanttn dar nider lach, 

Ymelot hftf sich üze der stat, 3035 

in eime scifFe he intran 

unde vor bit koufmannin dan 

z() der wösten Babilonie, 

danne sich manigew koninge 

von ime begeginde gröz herzeleit: 3040 

des gewonnin ouch die reckin michel arbeit. 

Alse Constantin zö ime selven beqiiam, 
dö rief man wider man, 
de aldin und die jungin: 

„Ymelot ist intronnin". • 3045 

„järiä" sprach Constantin, 
nft nemit scaz, vroiiwe koningin, 
linde gevit den wigandin 
linde vromit si heim zö lande, 

of hö mich hie nä beste, 3050 

daz mir des volkis ich zege". 
si was des goldis milde, 
si legedit uf die scilde; 
vorsten den riehen 

gaf si riclichen 3055 

linde lönede den gödin knechtin, 
alse man noch van rechtin 
plegit grözer eren. 
zö lande riden die herren. 

Dö die gröze menie 3060 

gerömde deme koninge, 
dö sprac ein spileman: 
„h^rre, du salt dich wol gehänl 
lönis du mir, Constanttn, 

ich brenge dir die tochter dtn. 3065 

wir mözin aver einin kiel havin, 
die maniger hande wondir trage, 
golt unde steine, 



100 

wazzerperlin kleine, 

scarlachin unde pellen. 3070 

swer da koufen wolle, 

daz wir des göde Stade liän. 

seszich ritare lossam 

die solin derinne verholne s!n. 

die juncvrouwe, Constantin, 3075 

bedrügit die selts^ne wäij 

dat sie lichte in den kiel gä^ 

unde schouwet min krämgewant, 

s5 vöre wir si in daz dtn lant. 

nü sprich waz du mir biedis; 3080 

unde behaget mir die mede, 

ich sezze in urteil den lif, 

ich nebrenge der Rötheres wif *. 

„Genädhe, here" sprach Constantin, 
„ich wise dich üf den scaz mtn. 3085 

des nim dir, trütgeselle, 
swe vile du willis. 
mir ist z6 der verde lief, 
ich neversüme dich minis dankis nich". 
der sigel zö deme kele 3090 

wart gereit schire, 
dar tn trouch man golt röt, 
alse der koninc gebot, 
nuschen unde böge unde härbant, 

seltsene krämgewant, 3095 

daz sante Constantin 
mit räde nä der tochter sin. 
daz göt begunde man z5 tragin: 
sclre wart der kiel geladhin. 

veren unde spileman 3100 

hüven sich alle dar an, 
ingigin Bare seiften over mere. 
dö was der kuninc Köthere 
hine zö Rlflande*) 
mit sinin viandeu. 3105 



JJ Das ripu&rische Frauken. 



101 

dar richte der göde keiser 
widewin unde weisin. 

DO die leide Elriechin 
ze Bare z5 stiezin, 

üz gienc der spileman 3110 

unde trüch der kiselinge an 
v€re, die her anme Stade vant. 
listich was der välant. 
nü siet war z6 he s6 wolde 
oder w6 si koufen solde! 3115 

Des morgins alsiz dagede, 
der spileman havede 
behangen sine krame 
mit gewöte seltsene. 

dö giengin die bürgere 3120 

fiz der stat ze Bare, 
sie veilsceden golt unde pellin: 
„wie biedet ir dat, geselle?" 
dane was nechein s6 türe dinc, 

her negßvit umbe einin penninc. 3125 

dö düchte die burgäre, 
daz h^ ein töre wäre, 
si kouften sin gewete, 
swat he götes hette. 

einer die kiselinge gesach, 3130 

her sprach: „geselle, war zö wollig ir daz?" 
dö böit h^ einin an der stunt 
nit wan umbe düsint punt 
des allir bestin goldis, 

des die vrouwen tragen woldin. 3135 

dö sprach der burgäre, 
dat iz stn spot were: 
„ir lieget deme düvele an daz bein,^) 
diz dunkit mich ein böse veitstein". 

„Entrouwen", sprach die spileman, 3140 

„ir havent ime unrechte getan. 



1) ,,ihr macht mit euren lügen dem teufel zu scliaffen". Aehnlich 
schweizerisch ,,dem teufel ein ohr ablUgen''. 



102 

ir velschedin anc not; 
he ist ze uianigin diugin guot. 
neme in ein kouingin an die bant, 

her lüchte ovir al diz lant. 3145 

neraan ersturve: 
e he begraven wurde, 
man solden dar inide bestriebin, 
so leveder sicherltcbe; 

nieman inis balz noch krump, 3150 

lie ne wurde sciere gesunt, 
gerorde in die koningin 
mit deme goden steine min; 
si soldiz avor in disme seifte dön, 

over it nis chein vTome dar zO. 3155 

bette wir einin krumbin man, 
inde woble die koningin dar tn gän, 
[in] nest it dan nfiwit war, 
dat ich u gesagit hän, 

so heizit micli vfin 316u 

unde up ein boum hän". 
Dö spracli ein ritäre, 
de geweldicb was ze Bare: 
„ieb liän zwei wenige kindelin, 

die ein jär gelegin sin, 3165 

die wir ie mostin tragin: 
ich willit minir vrouwen sagin. 
wat of si durch ire gode 
gebözet der selver nodeV 

gehütet in der din stein, 3170 

<biz sie g(;int wider heim, 
ich geve der gotes suliche kraft, 
swaz du is gevoren macht", 
„liegich", sprach der spileman, 

„heizit mir min bovet ave sclän. 3175 

mir ist der lif so liet", 
ich negevew dir so niet". 
sine vronde he do nam, 
seszen koufman, 
Nudo f(ienc vor die vrouwviTi is\Ä\\. 31S0 



103 

do infienc in die riebe 
harde gimstelicbe 
in allen den gebere 
aiser ein berre were. 

Do bat ber die kuninginne 3185 

durcb sanete Petres willen, 
dat sie üf bulfe zwen baften 
von grozen unkreften. 
„daz sin, vroiiwe, mine kint, 

die lange krump gelegin sint. 3190 

bie steit ein kiel bi deme Stade, 
dar sal leb si up beizin tragin. 
dar liget gesteine dat ist göt 
unde bözit manigen siner not. 

nemet ir einin, vrouwe, an die bant, 3195 

b6 lücbtet over alle die lant, 
swilicb man erstervit, 
e be begravin werde, 
woldet ir in dar mide bestriebin, 

be levede sän vrölicben. 3200 

neman nis balz noeb krump, 
be newerde zö bant gesunt, 
alse uns gener geseget bat, 
de si bat bere bräcb. 

ber spriebit, inst iz niuwit war, 3205 

daz icb ü gesagit bän, 
daz ic in beze van 
unde üf einin boum bän. 
versöcbtez, vrouwe, durcb got! 

is wirt ü wol gelönöt, 3210 

unde tröstet mine arme kint, 
die nü lange gelegin sint^ 
wand icb weinger man 
sin da micbel leit bän". 

„Nü du micb", spracb die koningin, 3215 

„biddis durcb unsin trecbttn, 
icb newille dir nit versagen, 
nü beiz die kint zö deme sciflfe tragin". 
Lüppolt was üz gegän; 



104 

zwenzich ritär lossam 3220 

volgeden der vrouwen zö deine kiele. 

dar quämen ^ie siechen scire, 

den sü dar göt solde sin. 

in den kiel trat die koningin. 

„wol uf * sprach der spileman, 3225 

„z6 den Kriechen wille wir varen. 

siet war daz wif stat, 

die uns here gemout hat". 

dö sprungin vil scire 

die Kriechen z6 deme kiele, 3230 

die krumben wurchen sie an daz stat, 

geneme wart der hantslach. 

die der vrouwen soldin plegen, 

die vörden die Kriechen after wege. 

nü siet zö deme välandas man, 3235 

we he dat wif gewan! 

Die Kriechen hüven sich dan. 
die vrouwe vrägede den spileman, 
wie in dare sante 

zo deme selvin lande. 3240 

„daz dede min herre Constantin, 
der lieve vater din 
sante uns over mere". 
„owi koninc Röthere" 

sprach daz wenige wtf, 3245 

„wie du nfi dinen lif 
beginnis quelin umbe mich, 
s6 duon ich minin umbe dich". ' 

Die vrouwew gehätin sich ovele. 
zö Constantinopile 3250 

vörde sie die spileman. 
wie sctre nümere quam, 
den vorsten wßre gelungin! 
aldin unde jungin 

heizin sie willekomin sin. 3255 

in den kiel trat Constantin 
unde nam die tochter bt der haut 
unde vörde sie üf daz laut. 



105 

he halste sitr iisde knsLe: 

wie wol in dt*5 ^<rlu«T<rI 336* 

die müder weinende grene. 

ir tochter sie ungeme infient. 

swaz die mtKier redde. 

die tochter iz illiz dolete. 

(*onstantine was tu Bei. 326^ 

her machte^) ixf irr sp»re>ehin nit. 

he liez si swigin nnde digin, 

biz si is gDMch moehte barin. 

Do ersca] diiz nnmire 
ovir al die «tat z6 Bare. 3270 

daz die Trouwe was verloren. 
si vorten Bc»tberes zorn: 
beide wif nnde mäv. 
sie woldin alle in weeL gmn. 

du quam der helrr Liqjpoh 3275 

nnde tröste daz tr«'»rige vole. 
he bat sie dir beliven: 
des inwere negein zwiveL 
he negewonne die biilde. 

daz Rother die wulde 32M) 

an ir negeime rtsebe 
oder icht[es] leides s?prw:he. 
do vielen al geliche 
die bürgere also riebe 

zo den vozen Lüpiiolde. 32S5 

sie sprachen, swaz he wolde, 
des volgeden sie iii aluirn trost. 
ir sorgen waren viJ«.' groz. 
do sprach der herre i-ile got: 

^ot helfe uns lu&er not! :{2WI 

mines herren miwe is so vile, 
wir gene««n wol. of iz got wil". 

Von dem tage over siven nacht 



li ^^o -wrubx^MivU'.L iiut H«n«cb für iittuittt. dx üf tmtkabrm 
halten" coxin ZiicLt vjrkaiuiijt. Jm folg. v. vielleicht nr*yim v^ide dapim 
fdann auch morh'.tu S:;*> . vm vrlä-i^/lh «t *.nf tcichl'r -^mi mntter zu le> 
ziehn. 



106 

do quam mit grozer beres kraft 

Rüther der herfe 3295 

unde vant leide mere. 

Lüppolt der getrüwe man, 

der gienc vor die lierren alle stan 

unde sprach zö deme koninge herlich: 

„ich hau mich, herre, wider dich 3300 

ovele behalden, Rothere. 

din wif ist wider over mere. 

daz havet Constantinis man 

mit grözen listen getan. 

nu Tortich, herre, dinen zom, 3305 

daz mer der lif si verlorn. 

hie steit min broder Er>vin. 

he lach durch den willin din 

zö Kriechen vil manigen taeh, 

daz he die sunne nie gesach. 3310 

mochte wir sin geniezen, 

daz ir genesen liezin 

eine vil unsculdige diet: 

die nehät dir getan nich. 

ich nam die burgäre. 3315 

die woldin üzer Bare 

alle iren wech gän; 

üf minin tröst sin sie hie bestän. 

ich bin eine sculdich wider dich, 

du solt richtin over mich. 3320 

daz ist billich unde recht. 

waz bedorfte ein göt knecht 

richetumcs mere, 

behelde he trfiwe unde ere? 

nü ich des nine hän getan, 3325 

nu läz «2 mir an den lif gän". 

Nü vememet wie Röther sprach, 
deme daz herzeleit gescach. 
vor den herren allin samt 

nam he Lüppolde mit der hant 3330 

unde kuste en vor den munt sin: 
^gehave dich wole, neve min, 



107 

war umbe quelis du den Itf? 

iz levet so manich schöne wif. 

is uns aver sichein guot 3335 

vo« der vrouwen geordinöt, 

daz mach ze jungest wal irgän. 

Bwich, dugenhafter man. 

vorchtes du mtnen zorn, 

BÖ wöre din dienest ovele verlorn, 3340 

daz du mir dicke hast getan. 

ja löge du, helt lossam, 

zö Kriechen dritehalf jär 

dines lives harte ungewar, 

unde manich ritär erlich. 3345 

gezornitich immir widir dich, 

so dädich alse Jüdäs, 

der sich selvin virlöis. 

du Salt den burgören sagin, 

daz sie sich alle wal gehaven". 3350 

Dar hörde manich göt knecht 
Kötheres lantrech 
unde wie sin zorn was getan, 
der herzöge von Merän 

gienc gezogenliche 3355 

vor den koninc riche 
unde lachede vor lieve: 
„nü läze dich got verdienen, 
daz du Lüppolde hast getan, " 

an mir armen man. 3360 

hüde hat din trüwe 
die aldin zucht genüwet, 
der din vatir plegete 
die wile daz hö levete. 

unde wäre min lif zwäre 3365 

alse vor vonfzich jären, 
so verdiendich dise ere 
unde edliche mere. 
nune mach des leider niwet sin. 

nu hat der kuninc Constantin 3370 

etelicheme gemachet mo" — 



108 

dar gedenket, jungelinge, zö! — 

die hie intgegenwart stän. 

daz ist des välandes man. 

ieli gemezze, Kother, 3375 

wir solin mit kreften over mere. 

mir nist der bart nie so grä, 

daz ich hie heime bestä". 

„War sint nü", sprach Aspriän, 
minis herren Rotheres man, 3380 

den he ie sin got gaf 
unde den kreftigen scaz? 
nu bedarf her er an der nöde". 
du dnmgin helede gote 
vaste zo deme ringe 3385 

') 

unde erven manich lantrecht. 

dar lovete manich got knecht 

Kothere deme riehen 

harde vromellche, 

(liiemez ime an die not, 3390 

sie rieden mit ime an den döt. 

hlde rief Widolt : 

„hie ist ein lierlicher volc, 

lant unde mage 

sczzent sie an die wage 3396 

durch dinen willin, Rothere. 

wir solin dir lielpin ovir mere. 

swer dir icht dienet, 

deme wirt wal gelönet. 

uns havint Constantinis man 3400 

ein gröz herzeleit getan. 

genuzzen si des, daz were mer zom, 

so hettieh och einin michelen louf verlorn**.-) 

Do sprach der hellt Wolfrät: 
„nü iz Widolt gelovet hat, 3405 

daz wir deme koninge Rothere 



1) Ym fehlt wol nur ein vers, etwa: «e tcoldin gOt gticinnen. 

2) WaljrJT'lieiiilich pprichwörtlicher ausdnick. 



109 

solin helfen over mere, 

ich v5re üzer mine/t lande 

der türeu wigande 

eine michele scare, 3410 

zwelif düsent ritare wale gare. 

Lüppolde zwären 

wil ich sin ere waren. 

der here ist min konlinc. 

iz ist ein cristenlich dinc, 3415 

daz beide brödere unde neven 

bit ein ander rechte levin. 

swer den \Tont durch sin eines rät 

verlazet, so iz ime an die not gät, 

geswiche her deme lantman, 3420 

her hette michel baz getan. 

Berker der riebe 

der tede vromeliche: 

dö min vatir was virtriven, 

h6 gewan ime sin lant wider, 3425 

hß erslüch Elvewine, 

einen herzogen van Rine,^) 

der was ein vreisclicher man, 

her bäte uns michil leith getan. 

von den sculdin sin, 3430 

Lüppolt, trat neve min, 

s6 wil ich imer dir bi stan 

die wile ich daz levin hän". 

sus vermaz sich in deme ringe 

der here von Tengelinge. 3435 

„War sin mine mäge unde man? 
wir sulin sicherliche varen 
in daz Constantiuis lant'^ 
sprach Lüppolt, der helet halt. 

„nü mm neve Wolfrät, 3440 

aiser gelovet hat, 
rtdet heim ze lande 



1) Die sage herichtot sonst nichts von einem herzog Elvewin. Un- 
statthaft ist es an den longobardenkönig Alboin zu denken, oder gar 
Berehtor mit dessen mürder Peredeo zu identificiren. 



110 

nä den wigande, 

so vürich helede junge 

zö der samenimgc 3445 

fiz der stat zö Meylän, 

die ich von Köthere lian, 

zwenzieh dfisint manne 

mit snewizen bronien.*) 

des si ein tacli gesprochin 3456 

van hüte ober zweit' woehin 

her zö Bare fit' den sant". 

daz gelovete manieli wigant 

vor Köthere deme riehen 

harde vromeliche. 3455 

dö sprach der herzöge von Merän: 

„zwenzieh dnsint hissam, • 

der Salt du wartin, Köthere, 

von 7nir ze volleist over mere. 

ich gelove dir an die trüwe mtn, 3460 

widervert mir Constantin, 

deme wert lichte ein swerdis slach, 

daz he gedenken nine mach, 

of ime di tochter ie wurde lief — 

stervich e [dan], des inmach ich dan nicht — : 3465 

daz inwize mir negcin man, 

wände he hat mir michel leit getan. 

mich dwingit noch die Jilde not, 

daz he Luppolde so hat gemarteröt**. 

Die herren lagen over nacht 3470 

ze Bare in der stat. 
des morgenis rümpten si den sant. 
dö strichen vorsten over lant, 
Lüppolt gegen Meylän, 

Berker ze Merän. 3475 

dö reit ein hellt junge 
gegen Tenge[n]lingen, 
daz was der helit Wolfrät, 



1) Da vric aus 3550 f. hervorgeht', Berchter mit seiaen kindem la- 
Baminc-n nur 'JO.OOO mannen in den kämpf führt (dieselben die 34!»7 Terheiam 
werden), bo verrät »ich die «teile al« i^ivgetet zusatz. 



111 

als uns daz buch gezalt hat, 

mit wie getanen Crin 3480 

sie Rüthere deme hcrrin 

gewunnin die vil goten 

Pipinchis milder, 

van deme uns KarlM.9 sit bequam 

unde eine magit lossam, 3485 

die göde sancte Gerdrut. 

dar zo Nivelle hat sie hüs^) 

unde hütet den eilenden 

gerae üze den sunden. 

von du nis daz liet 3490 

von lugenen gedichtet niet.*) 

Der zit it nähen began. 
sich vazzede manich man 
in die grözen herevart, 

die Röther gelovet hat. 3495 

dö streich ein alder wigant 
wol gevazzit over laut 
in die stat ze Bare 
unde sagete licve mere, 

daz queme manich hereman. 3500 

h6 reit ein ros lovesam 
unde vörde in deme scilde sin 
eine bukelen guldin. 
der seilt was also getan, 

daz he alse ein vür bran 3505 

von deme overglaste. 
he tröch eine brunien vaste, 
üf den gurtel ginc ime der bart. 
nechein here newart 

bt den ziden also lofsam 3510 

alse der herre von Merän. 
Röther der riche ♦ 



1) Gertrud, Aebtissin von Nivelle, ist in Wirklichkeit die toobter 
Pippins von 'Landen. 

2) Vielleicht anspielend auf den anfong der Kaiserchronik (D 2,7 manege 
erdenehent in luge unde vuogen $i xesamen mit seophelichen uorten). Vgl. 
auch 4792 f. und Einleitung S. 4. 



112 

entfienc in vromeliclie, 

also tede Aspriän 

unde Widolt der köne man. 3515 

he sprach : „eiä. koninc edele, 

nune halt dich nicht ovele 

unde gif mir daz boden bröt. 

dir komet manich helet göt. 

nim die burgäre 3520 

inde rit üz ze Bare 

üf den sant lofsam. 

du gesist edelichen man, 

e dise dach ende. 

ich bin vore gesendit, 3525 

daz ich der, herre, sal ^agin 

wie gröze mänkraft si haven". 

Rüther unde Aspriän 
unde Widolt der köne man, 

die nämen die burgäre 3530 

unde rieden uz ze Bare 
üf einin sant lofsam 
unde wartin allinthalvin dan. 
dö sägen si under lüften 

volc bit grözer krefte[n] 3535 

rtden wol gewafenöt. 
dar brächte manigen helet guot 
Lüppolt, der getrüe man 
unde vörde einin herltchen vanen. 

aisin der wint hette verwandelöt, 3540 

so lüchte dar ane daz golt röt 
in allin den geberin, 
alsiz himelbliche werin. 
dö sprächen die burgäre 

üzer der stat ze Bare: 3545 

„genedecUcher trechtin, 
wer mac geniz volc sin 
bi deme vanen wol getan?" 
dö sprach der herzöge von Meräu: 

„Röther, lieve herre min, 3550 

dat sin die nötstadele din. 



u 

jeniz zeichen lossam 

vürit Lüppolt, der getrfie man; 

der verdienet liüde sine gräfscaft, 

daz du ir ime wole giinnen macht. 3555 

iz ist harde we undersniden, • 

dar rident zwenzich dnsint mide 

also getaner hereman, 

daz diir nüwet macli vore bestänt. 

die vorich unde mine kint 3560 

durch dinen willin in den sint". 

Do lüften in strite over lant 
smaracten unde jacliant 
neven der Lüppoldis scare. 

deme einin vanen snevare 3565 

deme volgedin jungelinge, 
die vörde \1in Tenge[n]linge 
Wolfrät der junge man. 
dar rieden vonzich dusint an 

der üz genomenen diete, 3570 

in allin eren stiite. 
pellin unde kleine gewire, 
die scönen gezire, 
die dar ie dechein man 

ze herverte gewan, 3575 

die vörtin si an den rossen. 
in pellinen rockin 
quam die berische diet. 
iz nebelfichte niechein licht 

also manigen heim gut 35S0 

mit golde wol gezierot, 
dan der helet Wolfrät 
sime neven hette bracht. 
iz sclnet den Beieren imer mer an: 
da ist noch manich wätziere man. 35S5 

Alse die helede guote 
geherbegeten 

üife den sant bi dem mere, 
dö gienc der koninc Röthere 
unde infienc mit grozen eren 3.i9ci 

König Rother. S^ 



y 



114 

Lüppolde den herren 
nnde Wolfrätin 
linde manigen helet guten, 
die heiz he willekomin sin. 

„owi, Rüther herre min'* " 3595 

sprach der riese Asprian, 
.,daz ich niclit samenunge neliän 
üzer mineme lande 
der tüeren wigande; 

daz machet daz si verre sint. 3600 

nfi möz ich leider eine sin". 
„swigit, here Asprian", 
sprach Widolt der köne man, 
„dar zö Constantinopole, 

in der nieren biirgc, 3605 

nist negeinis salis dure 
linde gesteint ir mich da vore, 
ist dar dan ieman inne, 
sich hevet ein unminne, 

daz man si hiz tüme[n]s tach 3610 

bit necheinen eren verreden inmach". 
Die heren wären dar over nacht 
biz an den anderen tach. 
du nam der here von Merän 

Luppolden den getrnwen man 3615 

imde Wolfräten, 
sie giengen vil drätc, 
die swert drüch P^rwin, 
daz gebot ime der vador sin. 

du rieden sie deme koninge, 3620 

daz lie fizer der menie 
welide drizich dusint lossam 
unde lieze die andre ze hüs varin 
inde gäfin bit golde, 

die daz nomeu wolde. 3625 

alse de rät was getan, 
do gienc der riese Asprian 
unde nam des koninges golt rot, 
als ime Berker gebot, 



115 

inde gaf den wiganden; Ji630 

lie vromede sie heim ze lande. 

dO vorte der koninc Rothere 

drizic düsint over mere, 

linde zwen unde zwenzich kiele 

wordin geladen scire. 3635 

dar vor vil manich man, 

des vader nie ze Bare quam. 

Lude duzziu die segele, 
die kiele giengen evene 

inde quämen in ses woehen 3640 

over mere gevlozzen 
hin ze Constautinopole, 
der vil mcren bürge, 
eine mile niderhalf der stat, 

dar holz unde geberge lach, 3645 

dar zugen Rötheres man 
under die boume lossam 
die ros üz den kielen, 
daz iz inwiste nieman 

over al Kriechenlant, 3650 

wie manich tüere wigant 
in den walt scöne 
brächte der koninc von Röme. 
an den lach die aide zucht 

unde die wereltliche vroucht,^) 3655 

die solde ein iegelich man 
wider sinen herren hän, 
sone worde die gnintveste 
nüwet der helle geste.^) 

Alse die helede gute 3660 

die seif gerümoten, 
dö zugen die Rötheres man 
under die boume lossam. 
dö sprach der koninc riche 



1) vroucht hier vorht^ das im gedieht mehrmals die bedeutung 
,, Sorgfalt, eifer" hat. Statt wereltliche ist vielleicht tcerdecliche zu lesen. 

'D ,,So würde die erde nicht den feinden aus der hölle zu teil'*. 
Schwerlich wird vorde zu lesen sein .,80 fUrchtetc d\ft «tAfe w\t\>\. ^"äa 
aufschäuioe/i Jer bOlle'*. 



116 

harde wisliclie: 3665 

„vriint inde man, 

ich Wille vor Constantine gän, 

in walleres wise 

werven niine spise 

durch nümäris willen". 367t) 

dö spracli von Tengelingen 

Wohrät der junge man: 

„dune Salt nicht eine dare gän. 

Berker ist ein wis man 

unde hat dir manigen rät getan; 3675 

wilt du, koninc here, 

behalden din ere, 

dan bidde mit dir gän 

Lüppolde den getrüwen man. 

nü nira daz guode hörn min, 3680 

daz sal die bezechenungo sin. 

die Krichen plcgent sinne 

unde wirt din ieman innen, 

dich vänt Constantinjs man". 

„introuwen" sprach Aspriän, 3683 

„verneme wir din hom, 

so ist die veste verlorn, 

die bruc nist nirgen so wit, 

so mir sele unde lif, 

vor wilecher sträze ich bestän 3690 

unde Widolt der köne man, 

dar wir der engeste pfat, 

den iechein man gesach". 

Dö sluffen die helede guode 
in pilegrimis gewete. 3695 

der herzöge von Merän 
unde Lüppolt der gctrüwe man, 
die volgitin deme koninge, 
gände von der menige. 

Dö reit ein recke guote, 3700 

vor den walt her schouwete. 
Röther der riche 
grdztin gnüicha 



117 

unde vragete *) 

waz dar mßres wäre: 3705 

„ich bin ein eilender man, 

nä mtner sptse mdz ich gän. 

nü sage mir, trüch herre min, 

ich bin ein arm pilegrtm 

unde vare durch die rtche 3710 

vil gämerllche. 

s5 mdz der ndthafter man 

dicke zö hove gän; 

dar vrägit man den wallSre 

gerne nümäre. 3715 

sagistü mir icht durch goch, 

des wirt dir wole gelönöt". 

Dö sprach der helt tuginthaft: 
„ich sage der wimders kraft. 

ht zö Constantinopole, 3720 

der vil mßrin bürge, 
was ein reck^ here 
unde plach grözir ßrin; 
daz schtnit mir immir an, 

her hat mer michil guot getan. 3725 

ime wären die vursten alle holt, 
her gaf in daz kreftige golt, 
daz ie sichein man 
z6 desir werlde gewan. 

sin hof stünt offin vromeliche 3730 

den ärmin unde den riehen, 
die vundin au deme götin 
vatir unde motir. 
sin Mille was zö gebine. 

her neröchte nicht zö lebine 3735 

mit sicheinis scazzis ubersite:^) 
dar hetter urloge mite, 
her swante in nacht unde tac. 

1) Er fehlt das reimwort, vielleicht dräde. 

2) über Site wol „missbrauch" ,,üblo anweudung". Zum folgenden 
vgl. 11*27 *ene erbarmet zö harde daz g6t\ Rother übte keine Hohonnng 
gegen seine schätze. 



118 

swer in düsint pfunde bat, 

her gab sie ime also ringe 3740 

also zwene penninge. 

beide, herre, ich wil dir sagin, 

war umbe ich die rede hän irhaven". 

Röther [der] gerne vimam, 
waz her selve hette getan. 3745 

d6 sprach der riche mere: 
,ich sage dir von deme herren. 
her was ötmöte 
unde plach der bezzistin gote, 

die ie sichein man 3750 

z6 der werlde gewan. 
icht nelevet nichein zunge, 
die daz gesagen künde, 
waz her tuginde hat begän. 

her bereit die eilenden man, 3755 

arme kint heiz her vazzin unde baden, 
vor sich ilffe den tisc tragin. 
her gaben al daz her gewan; 
her neröchte wer iz nam. 

her vörto sulke degine, 3760 

daz under deme himele 
nie nichein virtriven man 
so gröze hereschaf gewan. 
Constanttne deme riehen 

half er vrumicltche 3765 

von grOzin nötin. 
her vinc Ymelötin, 
der was ein heidin vreislich, 
deme dienten tagelich 

zwßne unde sivenzic koninge 3770 

von wöster Babilönie. 
dö karte unse gedigine 
vröltche Midere. 
her sante den wigant 

zö botin in daz laut, 3775 

daz her den vrouwen sagete 
waz her ^evnimit havite. 



hie zö Constantinopole ' 

in der merin bürge 

was d&z gcöne wif. 

die iu gewaD den lib. 

dar niube hetter arbeit 

linde irwarb mit stnir bovisclieit, 

daz die magit lossam 

ir vater ioniD, 

Sr sie wider quuniiii. 

d^ beter ime zö löne 

umlü TÖrte westert over mere. 

daz was der kouinc Rölhere 

Tan Söme, ein tiiginthafter man, 

linde liät uns al lieb getan. 

nu Tirnioi, giiole pilegrim, 

w§ ime des geir^nit >\" 

Rötber -ku\<\v ilimuiu gkn, 
ät spncb der belit losaam: 
„beite, waliSre. 
ic sage der starlie mere. 
«Ise min biTrt nidir qUilül, 
ime inian der heidiuLi^kt' man. 
dd sante der Iconinc Constantia 
tmtin nä der tochter sin, 
■ie stilin sie deme kouioge Bötbere 
nnde v6rtin sie widii orer mere. 
dft reit der koninc Vmelüt 
nnde vdrte manigin hellt göl 
iMr zö Kriecben in daz lant 
nnde sti/te ronb nnde brant 
uDde rienc Coostantlne, 
den leiden lieirc^u miniD. 
d6 löste (oüstantin sinen lil 
■nd« gai' daz Köiberes wif 
deme Treisllchen konin ge 
van woster Habilonie. 
des snne sal sie nemin hlnacht 
alse da selbe sen inachi. 
tö Constantinopole in der stai 



120 

sin mit grozer heres kraft 

(Irizic koninge 

van wöster Babilönie. 

dar stät Rötheres wif 3820 

imde quelit den erltcliin üb: 

van herzeleide daz ist. 

nü s6 der wald^/irfiger Crist, 

der Aspriänen sante, 

e dise tac wante".^ 3825 

de herren sprächin: „amen, 

dat ste an gotis genädin". 

die recke[n] dravite balde 

widir z6 deme walde, 

heize weininde, 3830 

sine hande wringinde. 

dö klagite der heiit guot 

der juncvrouwen not. 

Röther gienc in de stat. 
Berker sinin herren bat, 3835 

daz her würbe gewerliche. 
Constantin der riche 
saz mit grözin kreftin 
z6 einir wirtschefte 

üf einim erlichen sal. 3840 

dar was michil schal 
vor den riehen kuningen 
von wöstir Babilönie. 
Röther ((uam mit listin 

zö Constantinis tiske; 3845 

deme saz bi [der siin] ein koniuc heiz Basilisthmi 
unde was Ymelötis sun. 
bl deme saz Rötheres wib 
unde qualite ir lib. 

Dö sprach Constantin: 3850 

„nü swic, tochter min, 
mir troumite nachte von der, 



1) JHese vttrst! werden nur verständlich, wenn man die reimworte in 
sende : tcende verändert, der ist dann daz tr /u nehmen. 



121 

des saltü wol gelouben mir, 

we ein valke qiiäme 

gevlogin von R6me 3S55 

imde vörte dich widir over mere". 

du slouf Röther 

linder tise unde sin^ man,*) 

daz man ir nicheine war nenam. 

dö hörter al daz Constantin 3860 

redite mit den gestiche*^) sin. 

Die heideniskin kuninge 
vrouwetin sieh der menige 
linde sprächin: „queme Rother, 

er wurde irtrenkit in dem mere 3865 

odir bösliche virlom, 
daz wäre Widolte zorn". 
dö sprach die kuningin: 
„owt, gesentin iinse trechtin 

under nch so richin, 3870 

hö worde etlicheme, 
daz hi in sivin nachtin 
virsmerze ntne mochte". 

Röther sat näher 
üffe den vözschßmil 3875 

unde nam ein guldin vingerin 
unde gaf der koningin. 
dar stftnt geböchstavet ane 
des riehen koningis name. 

jilsin die vrouwe gelas, 3S80 

daz Röther in deme sale was, 
dö lachite die göte 
unde sagetiz ir mötir, 
daz in von Bare 
der kuninc kumen wäre. 3885 

Daz lachin Constantin gesach, 



1) Das handschriftliche sin man kann vielleicht dadurch gerechtfertigt 
wurden, dass man annimmt, dass erst in folge einer interpolation Luppolt 
3G79. 97 und 4171 f. als begleiter Rothers genannt wird. Auch :^i>3('. geschieht 
Lappolts keine erwähnung. 

2) gettich collective bildung , .menge der gaste*'. 



122 

nü mugit ir hören wie her sprach: 

„wol dich, trüt tochter intn, 

nü vrouwit sich der vatir din". 

dö sprach die yrouwe erlich: 3890 

„daz ich ie gezornte Midir dich, 

daz röwit mich sere. 

ich negetöz nimmir mere". 

dö sprach Ymelöt: 

„vrouwe, ir liegit äne not. 3895 

ich w^ne uns üwer lachin 

herzeleit icht mache 

unde wringinde die hende, 

Bwanne iz nimit ende. 

wir hötin unsich wole; 3900 

hie sint in deme sale 

der leidin spehere 

des kuningis von Bare. 

swer mir des ntne gelouvet, 

deme gevich min houbit". 3905 

D6 sprach Ymelötis sune, 
der koninc Basilistium: 
„ich sach ein guot vingertn, 
daz gaf din tochtir, Constanttn, 

der aldip kuningin. 3910 

Röthere is hie inne, 
der koninc von Röme, 
swie her here quöme, 
des saltü wole gewis stn". 

dö sprach der koninc Constanttn: 3915 

„ich heze zwelf m!nir man 
vor des salis ture stan, 
daz sie rechte irkinnin 
die wir haven hie inne. 

is Röther dar under, 3020 

den have wir schire vunden. 
wolder aber her vore gän, 
daz wßre ime ere getan, 
e wir den koninc riehen 
söchtin idsterliche 3925 



123 

alse einin vluchtigin dieb. 
iz nist ouch sinis rechtis niet,^) 
swä man sin inne werde, 
daz her sich icht berche". 

Köther der riche 3930 

beriet sich A^'meliche. 
dö sprach der herzöge von Merän: 
„wir sulin hie vore gäu 
in ere des himiliskin koningis 

vmde alles stnis heris, 3935 

daz her uns beide behöde 
durch stn ötmdde 
von der heidenschefte, 
die mit stnir krefte 

Moysen heiz gän 3940 

durch daz röte mere vreissam 
mit der israh^ischen diet; 
dar nelevet ein barin niet 
an des meres gründe. 

got der hat gebundin *) 3945 

beide ovil unde guot, 
swannez widir ime duot. 
iedoch st wir reckin, 
widir unsin trechtin 

beide lütir unde licht, 3950 

her inlSzi/ uns under wege nit. 
in sante Giljes namen 
8Ö wil ich endeliche vore gän" 
sprach der herzöge von Merän. 

d6 bovin sich bit liste 3955 

die harren vonme tiske. 
Bdtbere dö vore gienc: 
„ich bin sicherliche hir. 
mich scouwe wer so wille". 
die rtchen koninge alle 3960 



1) ,,E8 ist seinem staudo nicht angemessen'^ 

3) ,,Häli gebunden, vereitelt ihre plane?'' Der zusammeuhaug dieser 
sicher interpolirten stelle ist schwer verständlich. 



124 

(iromveden ime an den lif; 
daz galt etlicher sint. 

Dö sprach Ymelötis sune, 
der koninc Basilistiimi : 

„ich Wille dich heizen, llöther, :\%h 

irtrenkin in deme mere. 
du vengist den vater min, 
daz gut dir an den lif din. 
du most verloren werdin, 

swie du wilt irsterven". 3970 

„introuwen" sprach Constantin, 
„he sal ovele irsterver/ sin", 
du sprach der koninc riclie 
harde wiscliche : 

,,wer mir nü der lif, 3975 

sone mochte ich doch genesen nit. 
sies du jenez geberge stan 
vor deme wakU^ lossam? 
dar wil ich hangin. 

nu gebuet dinen mannin, 39fi0 

daz sie der helfen dar zö. 
du salt mer selve den doit tön; 
iz ist in mime lande recht" 
sprach KOther der guode knocht, 

.^sowAz einen vorsten gesche, 3985 

<laz iz der ander ane se. 
hie ist ein michil minie, 
drizic koninge, 
die kumin dir alle 

linde hänt mich in dem sealle, 3990 

daz ist dir ere getan, 
jdö gienc Ymelötis manp) 
du liAst dich wol gercx'hin". 
daz wart durch list gesprochen : 

1) V. :;!!!>*.' imsft (liirchaus uicht in (1«>m TEUHamineuhung iiiiil bcmlit 

vicllfii-lit auf liiii'ni inis^lilrktcu versuch lU*» schrcibcrR ein uiivollHtändig 

lUn-rlirfj-rti-- vcr^imar zu t-rgäliizMi. V.:Ji»!»:i ist judcnfalln noch von Ilother 

fScHi>un'\\cu. Maraii kul)]>ft iler dichter die (>rkliir?iii(f, -warum sich Rother 

firrraili- ilh'i'cn plut/ ausfj(?«uc\it Vvat. 



125 

dar he sich bat hän, 3995 

dar lach sin here näin^ 

hß zeichenede rechte die stat, 

dar die riese Aspriän lach. 

Ymelöt heiz die koninge 
von wöster Babilönie 4000 

Röthere van, 
he woldin selve hän. 
„introuwen" sprach Constantin, 
„des willich helfe wesen din, 

daz he uns icht inrinne. 4005 

jenir aide mit deme barde, 
die möwit die lüde harte 
mit herverten ovir lant. 
nü ha wir sie alle samt, 

sone vreiskin die Romere 4010 

Itchte nimmir mere, 
war die koniuc si kumin, 
oder wie her sin ende have geuomin". 

Dar nä den stundin 
Röthere wart gebundin. 4015 

daz däten Ymelötis man. 
wie harte trüren began 
die junge koninginne 
unde virwandelüte die sinne 

von grözir herzeleide. 4020 

wöfin unde weinin 
höven die vrouwin 
mit vliezenden ougin. 
da dorfte nieman vrägan. 

dd klagete wif unde man 4025 

alle Rötheres not; 
sint half der riche got 
Arnolde, daz her in benam 
deme koninge vreissam. 

Rötheris hähin 4030 

irschal so witine märe 
z6 Constantinopole, 
der vil meren bürge, 



126 

den kuiiin wigcindin 

fiz van nianigin landin. 4035 

die lietm weinande 
eine strrxze z6 tale. 
micliil was der ir sclial. 
sie si>ra(*hin: „wahlindiger fifot, 

war iinil»e lias du des virhengOt, 4040 

daz her hie gebunden stiit, 
der unsieli al generet liat*'? 
Do hettegebfiwit harte 
mit düsint marken, 

die ime Kothere gaf — 4045 

ime tUeneten in der stat 
sivin lumdrit lossam, 
die wrmn mit handhi ') sine man — 
<ler heiz grave Arnolt. 

her hette silver unde golt, 4050 

des was der lielit mihle. 
zweit' hundrit sehihle 
braehter zo deme sclialle 
unde bat die herreii alle, 

daz sie hosten mit iren banden 4055 

Rütheren uzen bandin. 
,,nu stfit her gevangin 
unde wirt her hüde gehangin, 
sone virwinde wir in niet. 

in nemaeh oueh die rnmiske diet • 4060 

nimmir mcre virklagin. 
ir nehOrtit-) nimmir [mer] gesagen 

1) H<-7J«>ht Hich auf d«>ii lM>i der lehnBhaldigung üinRclialtenen gebnneh, 
das» dur luiiiiu dorn hcrrii di«> g(*falt(iti>ii hiliidc darreichte^ der sie xwliolMi 
die Hpiiiigfii ualiin. 

'i) Iii<>r tritt duH erHtc MUnchcuer fruginent ciu: hihnen für gttagem 
von sinemf fjnoze selten. icir tuln im huite gelten^ daz vnt der tugeiUhafte 
man con den dnrftUjen nnm. nuota, guote chnechte, tat it an minem 
trehtin, hrlft-t ime frumiclirhe! ia dienet ir dat gotet rieht : tweUur hmite 
hie tcirt tr »lagen, des seh- muz gnade haben" tprdh Arnolt, ein guot eknedU 
,,T'u<tren vir daz gotes recht! die htidene suln vir bestan. da denek« oek 

sancte Johannes an der heilige daz Rtiother vere der aller tnriüe 

man der it . . . . 



127 

von sinen genoze [in]selden. 

wir sulin ime hüte geldin, 

daz der tugenthafter man 4065 

van deme armöte unsich nam. 

nü när, guten knechte, 

liXt it an minen trechtin 

linde heifit ime vromicliche. 

ir virdinet daz himilriche" 4070 

sprach Arnolt ein göt knecht, 

,ja vöre wir godis recht. 

swer hie hüte wirt irsclagin, 

des sele sal genäde havin. 

die heiden sul wir slän. 4075 

dar denke Sancte Ylien an 

unde sanctus Johannes der touföre, 

daz Röthere were 

der aller türiste man 

der ie konincriche gewan". 4080 

Do scluffin die recken 
in staline röche, 
sie wunnin ein herliche schare, 
vunf düsint wole gare. 

die woldin alle den lib geven, 4085 

se nelösten Röthere daz leven. 

Sic huoven mit grözer menige 
drizic koninge 
von wöster Babilönie 

üzer Constantinopole. 4090 

dö vörte der Ymelötis sune, 
der koninc Basilistium, 
Röthere gevangin 
unde wolden haven irhangin. 

michel was der ir b[a]racht. 4095 

sie vörden in üz der stat, 
wol zenzic düsint Valewin 
mit in zd deme galgin, 
unde also') manigin heidin. 



1) Rückseite des ersten MOnchener fragmenta: (jravamg^en hevdeu. Aa 



128 

d6 was deine recken leide: 4100 

Arnolt der wigant, 

eine ketsin her an daz sper bant, 

die her in deme tome nam. 

sie reten unsin trechtin an 

unde dravetin in üz der stat nä. 4105 

in was ütfe daz velt gä 

mit vunf düsint mannin 

in snewizen bnmien. 

Alse Ymelüt daz gesach, 
nü mudir hören wie her sprach: 4110 

„woch geniz sint die recken, 
die woldin uns irsreckin. 
an den gerechicli minin zom. 
sie havent oiicli den lib virlom'*. 

Die lieiden begunden nähen 4115 

dar man Kothere solde hähen. 
du riefin sie allenthalven : 
„nü richdit fif den galgin"! 
daz irbarmote die recken sere; 

ir weinte michel mcre, 4120 

dan er e täte. 
dd was lier in starker nOte. 
Arnolt, der kone man. 
rief die eilenden an: 

„nfi höret, göte knechte, 4125 

war umbe wir hüte vechtin. 
uns sint gebotin zwei Ion 
(wi mugin iz deste gemer tön): 
daz eine ist sichirliche 
daz schöne himelriche: 4130 



was den rechen laide: Arnolt der wigant, eine che/se er an tin tper bantt 
die er in deme vrone tuome nam. sie riefen unseren Herren an tmde Uten 
in uz der stete nach. iif daz velt was in vil gach. (4107. 8 fehlen) alio m 
Jmelot ersuch, nu muoget ir hören wie er sprach: fjenez sint die rechen, 
die tcolten uns erscrechen, an den erriche ich minen zom, si habent och alle 
den iip verlorn''. (4115 — 42 fehleu) Der heidene wicgeruste was harte veste. 
si truogen hurnin gicant. die chefsen mau hoher gebant vor den chuonen 
rec/ien. .♦/ if(rav)eten gegen der 



129 

8we hie ligit tot, 

des sele wirt geledigöt 

in daz wunnichliche leven. 

waz mochte dar bezzeris sin gege vin? 

daz ander ist also getan: 4135 

generder den getrüwin man, 

er vörit üch in sin lant 

imde behalt iinsich alle samt". 

dö troveten ime die ougin. 

mit rechtime gelouven 4140 

bestündin sie die heidinschaft 

unde sclügin ir eine michele kraft. 

Daz heidine wicgero^ste 
daz was vile vaste. 

sie trougin homin gewant. 4145 

die kefsin man over bant 
vor den könin reckin, 
sie hoven sich gegin der dicke, 
daz heilichdüm vor ze vorderöst. 

sie vuchtin üf den godis tröst 4150 

mit so getäneme härme, 
daz in vor deme arme 
nicht inmochte bestän, 
iz nemoste aliiz undergän. 

Die heidenen unde die Valewen 4155 

wichin von deme galgin 
durch die michelen not. 
dar lach manich helet döt. 
Arnolt, der wigant, 

gaf daz zeichen üzer hant 4160 

unde zouch ein swert daz hiez Mal. 
iz inwas negein stäl 
so hart noch so vast, 
iz nemoste bresten. 

des nämen von sinen henden 4165 

der koninge sesse ir ende, 
swaz he der andren ane quam, 
den tede he sicherliche sam, 

König Kother. Q 



130 

biz h^ in den herren benam 

linde Berkeren von Merän 4170 

linde Lüppoldin, 

den sie dar liän woldin. 

die böch newille uns missesagen, 

ir nemochte ire nieman achte havin. 

die dar wären schadehaft, 4175 

si jähen iz däde die godes kraft. 

Alse Röther gesach, 
dat Arnolt bi ime was, 
dö sprach die koninc riche 

harde vromeliche: * 4180 

„snitä, kone wigant, 
rai die bände von der hant! 
linde gebläs ich min horin, 
ir wirt michil me verlorn 

dan ir noch si getan. 4185 

uns kumit der helet Aspriän". 
dö die recken daz vemämen, 
wie vrö si alle wären! 
in was zö deme storme vile lief, 

si nedächten an die vliicht nit, 4190 

die könin wigande. 

Do stündin in deme sande 
dannoch siven koninge 
mit achzich düsint menie. 

lüde dö ein hom scal 4195 

over berich unde dale, 
daz bles Rötheres man 
Lüppolt von Meylän. 
löte rief Aspriän : 

„min here ist weizgot bestän. 4200 

wol üf, helet Wolfrät! 
ich wene dinen neven not bestät. 
nü wil ich Rötheres gedagin, 
inde wirt Lüppolt irslagin, 

he mochte uns imer rouwin, 4205 

he ist gruntveste allir trouwe". 

Widolt gächete balde 



131 

uz deme walde. 

wie die halsberch klanc, 

dar he over die strüke spranc, 4210 

linde der helet Aspriän! 

die zwelef rieseu ^TeissaIl 

liefen rfi inde slecb. 

dar volgete manicb gOt knecht 

deme Ten^^el/w^erc: 4215 

he brachte ein here mere 

fiz deme walde lossam. 

duz wären Kotheres man. 

dar gäcbete manicli wigant 

wal gewapbenet over lant. 4220 

Der luden wan allintbalven. 
sie losten in von deme gal^n 
linde hörten die erden biven. 
dar liefen do mit uide 

zwene riesen \Tei.s.sam: 4225 

der eine was Aspriän, 
der ander was Widolt; 
verre lücbte ime daz golt 
von des skildLs rande. 

Ymelöt irkande 4230 

Kotheres sinne: 
lie wolde gerne intrinnen. 
dar wart die vlucbt vile groz. 
der wint von Aspriäne doz. 

llöther gienc ingegiu in, 4235 

he sprach: .,kone belt, vimim, 
die dort vor Lufjpolde havin, 
den nesolin die riesin niiiwet scaden. 
mir haven die sehe berren 

geholfin grozer eriu. 4240 

in trouwen, ich was gevangin, 
mich wolden han irbaugin 
die vreisliche koninge 
von wöster Babilonie. 

wirt dar icbt widir getan, 4245 

daz läz ich also bestän*^ 



1 



132 

lüde rief dö Grimme: 

„sine koment niemer hinne". 

Die riesen liefen alle in daz wal. 
dar wart des heres michil scal. 4250 

dar sclüch der helet Aspriän 
alliz daz he ane quam. 
Widolt nicht insprach, 
biz ime die stange zebrach. 

dö zouch der grimmige man 4255 

ein waten daz was vreissan. 
du lägen uf den döden 
die tüere mar verscrodin. 
von den wundin vlöz daz blüt, 

da Wülfrät der helet got 4260 

zö deme volcwige quam 
unde andere Rotheres man. 
die könin Avigande 
die vromeden mit iren banden 

daz man imer möz sagen, 4265 

wände wir daz orkunde haven 
von den alden herren, 
die nach vertrieven wären.*) 

Sich betten die siven koninge 
besundret von der menie 4270 

unde vluwen vreisltcbe dannen. 
Erwin rande ir einin an 
unde sclöcht den selven välant 
durch sin homin gewant 

von der aslin biz an den sadeL 4275 

da räch der helet sinin vader. 
ir wurdin vimve irhangen; 
iz was in ovele irgangin. 
sich höf der uncristine val. 

die siechen lägen in den wal; 4280 

swä sigein we rief, 
Widolt in ane lief 



1) Diese beiden verse sind nicht ganz verst&ndlich. Unter den alden 
hirren (die besserung al den Mrren Hegt nah) können nur Bother und Beine 
mannen verstanden werden. 



183 

unde trat eme in den munt, 
der newart nimer gesunt. 

sie möstin durch n5t dagen 4285 

unde beiden düme[n]s tagis, 
daz dar nieman genas. 
Ymelöt, des die reise was, 
den h§z man hine läzen 

varen sine sträzen, 4290 

daz h§ dar heime mochte sagen, 
• wer ime daz volc hette irsclagin. 

Do wären der spüemanne 
wol hundret mit in gegangin, 

die heiz der helet Grimme 4295 

durch Ymelötis wülen 
bit den zugeweichen staven 
vaste recken unde slän. 
dö vlo ein spileman, 

die Widolden ouch hie vore intran, 4300 

vor Constantinen den rtchen 
harde hasticltche. 
dö vrägeten die vrosten alle 
von deme grözen scalle, 

der da ze velde were. 4305 

„ich sage ü starke mere, 
sich hat irlerfiget der hafte; 
sie rident here mit heris krafte. 
swer ungeme hange, 

der nesizze nicht z6 lange. 4310 

dar gevet der helet Widolt 
beide sptse unde solt*) 
den heidenischen reckin. 
ich wart dar nider gestrecket, 

ich wart bevilt unde bescoren, 4315 

ich hette nach den Itf verlorn, 
ich wil iz ü wärltche sagen: 
die türltchen bülslage 
gaf Widolt mit der stangin. 



1) Vgl. 1712 dar gaf einer daz föter. 



136 

Widolt sal vor die dure stän:^) 

swer dan dar üz gät, 

wie wol uns d§ gerichit dat! 

vinnissit sin der helet göt, 4395 

wir läzenz immir äne not". 

„entrouwin" sprach Aspriän, 

ir läzit die bure stän. 

sich havent dar geläzin nidere 

der zwelefboden sivene ^) 4400 ' 

unde die vile göde 

Constanttnis möder, 

Helena, die daz crüce vant, 

dar got die werlt ane intbant, 

nach der öflferstande 4405 

löste mit siner hande. 

der Adamen valde, 

er nicht vermiden newolde 

daz ime der aide got verbot.») 

die unsich hat gebiledöt, 4410 

her hettis allis gewalt. 

beide berc unde walt 

scüf her unde die lüfte 

mit stnin mänkrefte. 

swer deme icht gedienit, 4415 

deme wirt wol gelönit, 

daz ime sine dinc wole stßnt 

unde ime nimmir me zeg^nt 

von ewin wan zen 6win. 



1) Vgl. V. 3603—11. 

2) Bei dieser dem interpolator angehörigen beratung über das Schicksal 
Constantinopels hat der Wolfdietrich yorgeschwebt vgl. in der bearbeitung 
B 935 Vit lüte ruofte häche ein fürtte lobesam „mtr hdnt die bnrgcere vil 
ze leide getan, diu »tat diu muox verbrinnen** sprach der küene man^ ,,icA 
gibe in de» min triutce, et muoz in an dat leben gän". 926 yeind lieber ge- 
seile** sprach Wolfdietrich, „du solt ir gerne schönen, daz stät dir tugent- 
lich. sich hdnt hie nider läsen** sprach der küene man „der zwei/boten 
sibene des suln wir si geniezen Idn**. 

3) Der Zusammenhang dieser verse mit den vorausgehenden ist nicht 
ganz deutlich. Mit dem, was der tenfel nicht unterlassen wollte, scheint 

der tod Cbriati gemeint zu sein. 



13 



« 



nü sconk des &kiin hi^rren** 441t> 

spnch des nese Aspriän. 
,,dsz dunkit mieh ^jZ zetkur. 

Widoh Torthre den heiUnt. 
des wart he over ille die lant 

gemeine sit den reeken. 442» 

her sprach: Jieüi^r trechtin. 
waz woldis dii minis armen man? 
nü ich die wizze nine hin. 
80 der Üf irstervit. 

waz sal der seien werden r 4130 

owf daz ich ie geb<mn wart! 
mir riet der tÜTel sine vart, 
daz ich arme töre 
die bnrc wolde zesturen. 

grdz sint mine scolde. 4435 

ich hette dine holde 
gerne, trechtin h^re. 
nnde vorchte TÜe sere. 
sd dft mich lieze gewerden, 

dft lazes mich irstervin 4440 

also in minin sandin. 
nü ist daz afgmnde 
gesezzit den unrechten, 
wie harde ich Torchte 

sanctnm Miehaelen. 44-15 

er ist trdst allir sSlen, 
vor deme der tüvel gelac — 
her tede ime einen micbelen slach — 
in vüre und in glüde. 

von stme overmüde 4450 

is \k% yerstözen 
Yon alHn sinen gen6zin^. 

Die riesen allentsament 
worfin die stangin oz der hant 

dnrc den Ewigen got, 4455 

der in ze levene gebdt, 
liezen sie Constantinople stan; 
iz newäre anders nicht getan. 



138 

Röther heiz vor sich gän 
Lüppoldin den getröwin man 4460 

unde Berkeren den riehen, 
der riet ime wisliche. 
he sprach: „nü scöne, koninc höre, 
godis unde diner sele, 

des hästü gröze ere, ' 4465 

unde heiz die burc läzin stan. 
wirt Constantino icht getan, 
so si wir sculdich irkorn ' 
unde sin eweliche verloren. 

Constantinum den riehen 4470 

vorchtich vreisliche. 
nü sal he des geniezen. 
der uns gewerden hieze, 
got der gildit harde vil. 

swenne sich der mensche ovir wil, 4475 

so tut he unrechte, 
ja spriehit unse trechtin, 
swer in bit trüwen meine, 
der si in ewin reine. 

nü sende, trüt herre min, 4480 

nä deme wive din". 

Dö sprach der koninc riche 
harde wiscliche: 
„sint mir der vater starf 

und icht der bevolen wart, 4485 

so werest du minir ßren 
willich immir mere. 
du trüdis mich nacht unde tach, 
daz mir ze leide nicht gescach 

unde du zugis mich alse dtn kint — 4490 

daz wären kristenliche dinc — 
unde lerdis mich göde knechte 
haven nach iren rechte. 
nü läze dich got der guode 

durch sin ötmöde 4495 

geniezen aller trüwin. 
da sah mich immu: rouwin; 



f 



139 

is daz ich dich overleve, 

sone mochte mir nimir leidir wesin". 

Des koningis geköse 4500 

was ime valslöse. 
sie höten sich der sunde. 
done dorsten se vor den scanden 
gereden nehein helet göder, 

wan des ime was ze möde 4505 

"wider iegeltchen man. 
d6 wären die vorsten lovesan 
unde leveten inme riche 
mit trouwin städicliche. 

Constantin der riche 4510 

der vorste ime vreisltche. 
h% sprach z6 der koningin: 
„owi trüt vrouwe min, 
daz ich ie den lif min gewan! 

mich slänt Eötheres man. 4515 

wie grözer kintheit ic geweit, ^) 
daz ich ime sin wif nam! 
dar gescach mir ovele an, 
iz was ouch alliz äne not. 

h6 hette mir wol gedienöt. 4520 

des woldich deme riehen 
Mde bösliche 
Idnin mit deme galgin. 
iz begegenit allinthalvin 

dicke den man, 4525 

swaz he dan hat getan. 
die gröve hetich gegravin, 
ic möz dar selve in varin, 
so iz allir wdtliche^^ ist, 

mich innere der wald^nrfige Crist 4530 

unde die güde koningin. 
nft nim die scone tochter min 
unde ydre sie deme helede 



1) Es fehlt ein vers mit entsprechendem reim ohne dass eine lUcka 
im sinne hervortritt. 



140 

üz der burc intgegene 

unde bide in durch got den gddin 4535 

gedenkin minir nöde, 

daz hg mich läze genesen. 

ich wil immir me wesen 

zö Constanttnopole werch&ft, 

daz man stt biz an den tömis tach 

») 4540 

daz he ze Constanttnopole hat getan, 
do in Röther nine Itz irhän**. 
Dö sprach die koningin: 
„wes vorstis du, Constantin? 

der helfint die konini^^ 4545 

von wöster Babilönie, 
daz da Rotheren häis. 
waz of du in noch geväis? 
dtnis overtrüwen^ sca[n]den,*) 

ich nemochtis dir ze . . . nie gesagin. 4550 

du versmädes harde got, 
der uns ze levene gebot, 
unde volgedis deme vertrivenin, 
die legede[n] dich dar nidere. 

umbc diesin wer iz bezzir; 4555 

gener leget dich in daz wazzir,^) 
dar du inde dtne gadin 
nemugin geswimmin noch gewadin. 
von du machdü wol verstan, 

daz nechein dinc dem man 4560 

grözeren scaden düt 
dan der leide overmüt, 
dar von der tüevel gewan, 
daz ime nimer zeran, 
ochis noch achis 4565 



1) Es fehlen wahrscheinlich 2 verse, des Inhalts: (dass man bis zont 
jüngsten tag) von mir sagen soll: dass was er einst verschuldet hat, hat 
er durch das wieder gut gemacht u. s. w. werchaft in v. 4539 {tcerohaft hs.) 
„tätig, arbeitsam'^ Rück, liest verhaß und ergänzt anders. 

2) „Den aus deiner Selbstüberschätzung erwa'hsenen schaden (?)'* 

3) Die höhe ist gemeint. 



141 

noch allis ungemachis, 

des hat he immer gen (ich, 

und giveris och dir, of du nä ime düst". 

Constantin saz in trechtin, 
wie he genesen mochte 4570 

vor liötheres gestin. 
dö dächte he des bestin, 
sine tochter heiz her vore.gän 
in ire gewande lossam. 

dö zierede [man] megede unde wif 4575 

mit vlize den iren lif; 
sie trögin kurzebolde, 
gelistet mit deme golde, 
unde mit edelen gesteine 

gewiret vile kleine. 4580 

vor Constantinin den richin 
giengen gezogenlichen 
achtich scöne vrouwin 
mit*) goldinen krönen. 

Dö quämen die zeldere inde die ros 4585 

üfife den Pöderamus hof. 
da klappende daz gesteine 
mit den tsperlin kleine 
an den vorebougin. 

mit samite grünin 4590 

wären die sadele bezogin, 
iz inhaven de buche gelogin. 
dar säzen Constantinis kint 
üf ein stdin gewinn. 

der koninc reit äne sine man 4595 

under den vrouwin lossam. 



1) Hier begiunt das zweite Münchener fragment: guldinen eronen, 
man zoch da zelter unde ros an den Fodrammes hof. da elaffete dat ge- 
steine uf isperlin clainen an den furbuogen. tnit sabene gruonen waren 
die satele bezogen, uns nehaben diu scophbuoch gelogen, do taz daz Con- 
stantines kint uf ain sidin gwint. der ehunee rait ane alle sine man under 
den frouwen lussam, neben der chunigin und bi der lieben tohter sin. der 
luhte ein carbunkel — der wart nie tunchel — obene uz der ehrone. oheeG 
frouwen scone fürte der chunec Constantin mit der lieben tohter sin , . . ^ 



142 

bi deme reit die koningin 

linde die lieve tochter sin. 

dar lachte ein karbunkil — 

dar newart nimmir dimki^ — 4600 

ovene iiz der krönin. 

achzicli vrouwin scone 

vorde der koninc Constantin 

mit der lievin tochter sin 

Rothere deme helede 4605 

HZ der biirc intgegene, 

daz sie deme Kötheres .... 

') 

Wie die zoume khuigin, 
do die vrouwin druugin 

üz der burc in widerstrit! 4610 

dar hu'lite daz Itotheres wip 
vor andren wiven over lant 
als ein bernender jacliant. 
<laz irsaeh der grave Erwin, 

lie si)rach zö deme herren s!n: 4615 

,,där komit din leide swägir, 
du Salt in wol inttahen. 
gedenke der aldin züchte und eriu, 
wie hie bevoren die herren 

ir leit liezin durc got. 4620 

nu nemache der-) werlde necheinin spot 
an deme godin knechte, 
daz komit dir rechte, 
nu der kuninc Constantin 
ridit üz intgegin di, 4625 



1) ScliluHS von 4ü07 und 4G0S (bis auf den letzten buchstaben . . . r) 
sind ausradirt, 

2) Kückseite des zweiten Mttnchener fragments: trerlt nehein spot 
an deme guottn chnechte. herre daz chutnet dir rechte, »it der ehunee Coih- 
stantin ritet vf di" gnade din, nu laze ime iinen lip ; er bringet ein vil 
scone tcip'^. ,,ez wäre des halp vil wol" sprach Asprian j, wurde im fioA 
ein tnulslac getan** Berther der riche sprach do wisliche: neina, helt Aspriem^ 
din zucht sol huite für gnn. sit er under die frouwen ist chomen und heter 
ininen cMnden benomen allen den lip, so muosen wir eren disiu wip a« 
rtVvTi c^uninfje oder iz chome uns vil ubele. swenne der 



143 

daz du ime läzis den lif. 
he bringit dir daz scöniste wif*. 
„iz were vil wol" sprach Aspriän, 
„worde ime ein bolslac geslan". 

Do sprach gezoginliche 4630 

Berker der riche: 
„neinä, herre Aspriän, 
hie sal die zucht vore gän; 
nu he iindir den vrouwin ist komin 

imde hette her benumin 4635 

allin minin kindin den lif, 
wir salin eren dise wif 
an deme riehen koninge, 
iz queme uns anders ovele. 

alse der man genädhin gerit, 4640 

iz ist recht der in gewerit". 

Köther der riche 
sprach gvocliche: 
„nu nar, wigande, 

von romischen lande! 4645 

intfät Constantinin 
durch den willin minin!" 
do ginc der herzöge von Merän 
intgigin der vrouwen lossam. 

Lüppolt unde Erwin 4650 

iutfiengen die koningin. 
Röther kuste sin wif, 
si was ime alse der lif. 
he kuste ouch die aldin koningin 

unde heiz si willekome sin. 4655 

Wolfrät der wigant 
nam Constantine bi der hant. 
dö in Widolt gesaeh, 
ovilliche he sprach,^) 

her lach inde beiz in die stangin, 4660 

daz die vöris flamme 
dar üz vören dicke, 



1) Wol sach. 



144 

die vreislichen blicke 

sach man an deme kOnin man. 

dar nemochte neman z5 gegän, 4665 

sine rededen ime vil evene mide. 

he höf die meisten unside, 

des he immir began, 

zc wilichen hantwerke h^ quam. 

Wie rechte die koningin gesach 4670 

daz Widolt unsitich was! 
zü Constantino deme riehen 
sprach si gezogeuliche : 
„dft solt vor Rüthere stän. 

dort steit Aspritines man; 4675 

sin gemöte ist herte. 
waz of dich dinis gevertis 
noch hüde selve irvilt? 
nü warde wie jenez kint spiiit, 

daz ime die vüirflammin 4680 

scrickint fiz der stangin. 
wene durch des koningis ere 
dune bescouwedis nimmer mere 
weder lüde noch lant, 

dich slüge der selve välant. 4685 

inbreche her von den lannin, 
din levent were irgangin". 

Die koningin ir tochter nam, 
eine vrouwe lossam: 

„Röther, herre min, 4690 

diz ist die echone din, 
die nim in dine gewalt, 
swie du gebüdist, helet halt, 
got lone dir maniger eren 

unde allin disin heren, 4695 

die si zü mir hänt getan. 
Berker von Merän, 
du bist ein üz irwelet helt, 
z6 allin trouwin irwelt, 

unde irkennis och unsin trechtin. 4700 

din mödir müze sälich sin, 



145 

daz si dich ie getrüch. 

du bist biderve unde göt. 

dm zucht is hüte wole sctn, 

Sit der koninc Constantln 4705 

mit deme ilve intgät, 

sO vile h6 dir leides getan hat". 

si sprach deme götin knechte 

wol mit grözeme rechte: 

im was ie ailir haz leit; 4710 

des beherdint die buch die wärheit 

D5 sprach der koninc Constantin: 
„Rother, live hSrre min, 
heiz Arnolde here vore gän, 

ich wil deme tugenthaften man 4715 

durch sine dugint gevin, 
daz her immir samfte mag levin, 
der dich nerin wolde". 
dO kronete man in mit golde 

unde lech ime ein laut dar. 4720 

dö wart h6 koninc n Grßciä. 
die vonf düsint h8rren, 
die mit ime geriden wären 
uz der burich lossam, 

die wurdin bit banden stne man. 4725 

dö reit he vröliche 
in daz sin riebe 
inde levete mit grözin 8rin, 
die hetter immir m8re 

bizze an sinin tot. 4730 

sus wart ime gelönöt. 
gedächte des noch etltch junc man — 
iz nistünde ime nicht ovele an — 
unde dienete vllzUche, 
ime lonete etliche. 4735 

Die harren rümpten iz dar. 
Amolt vor in Gr8ciä. 
die koningln ginc umbe 
unde kuste besunder 
alle Rötheres man. *^*>^ 

König Botber. \^ 



146 

si heiz sie gode bevolin varin. 

Wolfrät der wlgant 

nam achzich düsint bi der hant 

und brächte si viie sctre 

z6 eime scönin kiele, 4745 

die vörde der koninc Röthere 

mit sineme wife over mere. 

dö heiz der riese Aspriän 

die lüde in den kiel gän. 

die heren vören alle samt 4750 

wider hein in ir lant. 

dö reit der h§rre Constantln 

unde die rlche koningin 

z6 Coustantinopole, 

der mären bürge. 4755 

in nerou sin tochter nicht: 

Rötheres ßre was ime lief. 

Die kiele begundin evene gan. 
Röthere unde sine man 

vören vröliche 4760 

ingegen römesche/i riebe 
her wider ze Bare üf den sant. 
dar vromete man ros unde gewant 
und alliz dat in deme kiele was. 

die vrouwe Pipinis genas 4765 

an deme selven tage, 
dö si quämen zö deme Stade. 
Lüppolt der getrüwe man 
geinc vor Rötheren stän. 

hö sprach : „vrö weset, hörre, 4770 

der lieven nimere 
die ich iu willin sagin. 
iur wif hat einin sun gedragin". 
der koninc vor leive up spranc: 

„hSre got, nü have danc! 4775 

waz du genäden hast getan 
zu mir vil sundigin mau! 
ich sie wal, de bit di bestät, 
dat imc Dimmer zegät 



147 

des §wigen richis. 4780 

du hilfis ime städencUche". 

Sic hüven capelläne, 
dö sie die rede vemämen, 
unde touften daz kindeltn, 

daz wart geheizen Pipptn. 4785 

do quam vii manich amme 
in die biirc gegangin 
unde zugen daz kint bit vorten. 
sin beslif it Berten, 

eine vrouwen vile gut, 4790 

die Sit Karlen getrftch. 
von du nesulit ir dit Itt 
den andren gelichin nit, 
wandit s6 manich recht hat, 
danne ime die wärheit instät.^) 4795 

Röther in deme hove saz: 
wie michii dat gedranc was 
vor dcmc koninge lossam! 
dö hugede iegelich man 

wider heim in sin lant, 4800 

wände si in der herverde 
manige ztt harde 
hetten gewunnin. 
beide alden ande jungin 

bädin in gevin urlof, 4S05 

si woldin rümen den hof. 
der koninc sich in zö vözin bot 
unde bat si durc got: 
„neinä, mäge unde man, 

ir sult mit mir bestän. 4810 

nfi wart durch got scöne, 
biz ich iu gelöne. 
iz wäre die meiste scande 
die in sicheinen lande 

ie ^nich man gesach". 4815 

manich gftt knecht dö sprach: 



1) Vgl. V. 3490. 91. 



148 

„nein ir, hörre, w§zgot, 

ir havet uns wal gelönet". 

d5 sprac der riese Aspriän: 

„wir sulin hie bestan. 4820 

ich nekome nimmir hinne 

äne des koningis minne'^ 

Röther der riche 
lönede vromicliche 

den güden knechten allent samint. 4825 

pßch he die riehen Scottelant 
unde]^) deme helede Grimme, 
der Mete dar inne 
bit michelen eren. 

Aspriäne gaf hg Römis 4830 

unde l§ch ime die marke, 
der hette gedienet starke, 
den z@n riesen^) allent samt 
18ch h8 die riehen Scotland. 

Zo^ringin unde Bräbant, 4835 

Vriesen unde Hollant 
gaf hd vier hSren, 
die mit ime wären 
flz ir lande gevarin, 

die betten herzogin namen. 4840 

he märten allin ir gut, 
sie betten ime wol gedienöt. 

Röther saz bit voller hant 
und deilte widene die lant, 

hö rtchede manigen. 4845^ 

Erwine gaf hö Ispanien. 
Sassen unde Turinge, 



1) Wenn auch die ganze stelle dem nnprüngliohen gedieht wol nicht 
angehört, so erklären sich die eingeklammerten worte doch nur durch ein 
versehen des Schreibers, der erst von v. 4825 auf y. 4883 übergesprungen war 
und dann auf die ausgelassenen verse wieder zurückkam. Vermutlich ist auch 
dem Grimme eine Stadt verliehen worden. Qanz sinnlos wäre die Verbindung 
von V. 4825 mit 4826. 

2) Sonst ist von 12 rieten die rede, aber Grimme und Asprian, die be- 
Mtmden belebnt sindf werden hier nicht mitgezählt. 



149 

Plisnin^) und Swurven*) 

gaf hS z6n gräven 

die mit Lüppolde wären 4850 

over mere gevaren. 

her nam ir allir güde wäre. 

die ime icht lieves betten getan, 

die neverluren da nit an. 

dane was neh^n scaz m@ liefj 4855 

er neböt och die rosse nit, 

mit der breidin erdin 

müsten gelönet werden. 

Hie saget uns der richtöre*) 
von deme liede m6re, 4860 

dat is den vromin allin lif, 
die bösen negelouvent is nit. 
sine hänt der vromech^de nicht getan 
und ingetrüwen^ der geinen man. 

Edther saz in trechten 4865 

unde gaf alliz daz h@ mochte, 
dö liei_z. hg.ime gewiniüiL 
den harren von Tengelingin, 
unde gaf im^atfiijtche,. . 

her gaf ime wärltche 4870 

BeFein unde Polen, 
daz h6 sich deste baz mochte begän. 
done gewas bt dem mer 
weder stt noch ör 

nech^n so stadehafter man. 4875 

iz was ime allez underdän. 
her bette des gödes michele macht 
unde was der rechten vorsten slach 
die alle s6 irsturbin, 
dat sie nie bezigin newordin 4880 



1) Der gau Flisni, das heutige Sachsen- Altenburg und die angrenzen- 
den gegenden umfassend. 

2) Das land der Sorben, die Lausitz, damals zur thüringischen Ost- 
mark gehörig. 

3) Nicht soviel wie „bearbeiter", sondern dem sinne nach = tichtire^ 
wenn nicht überhaupt hieraus verlesen. 



160 

vabkes wldir niheinin man. 
ir ende was göt unde lovesam. 

Röther wol gedächte 
wer ime wole gedienit häte. 

Lüppoldin den getrüwin man 4885 

her heiz vor sich gän 
unde machete den helt jungin 
koninc zö Earlungin 
unde gaf ime Berkeris gewalt,*) 

Pulge unde Ceciijinlant. 4890 

von du wart ime sin Ißn breit, 
daz Berker mit sime scilde bereit, 
manigin winter kaldin 
vil dicke deme alden 

stn hart rinne began: 4895 

er was ein unbedrozzin man. 

Die herren gertin alle samint 
geleidis üffe daz laut. 
d6 sprach Aspriän: 

„wan riti^ ir dar an? 4900 

swen dar ieman bestat, 
wie gewis er den minin schilt hat!" 
des antwerde dö Witolt: 
„ich bin in allin holt, 

die Röther stn underdän: 4905 

der neläzich nimmir nicheinin man, 
swä ich von ime höre sagen, 
dar mich die vöze mögen getragen", 
dö sprächan Aspriänes man, 

sine woldin dar heime nicht bestän, 4910 

bedorster immir m^re 
Röther der hörre: 
„swer ime iecht wolde dön, 
wir zebrachin in alse ein hön". 
do gezöme*) .... beide nlt unde spot . 4915 



1) Bother überträgt auf Lupoid BerVers hersohaft, in deren besits 
dieser aber noch verbleibt. Zu Meran wird auch noch Apulien und Sicilien 
binzugefägt. 

2) Ana fall mehrerer yerse. 



151 

virbötit der waldindigir got, 

alsiz was witin 

bi Rötheres gezttin. 

dö neplac stn nieman, 

iz nemöste ime an den Itf gän. 4920 

von du wistin sie wole 

beide heime unde zö hofe, 

swer deme andriw icht geheiz, 

daz her dat war liet, 

iz neben§me ime der tot 4925 

oder ehaft not. 

Röther dö kuste — 
wie wol in des gelüste ! — 
manigin wärhaftin man. 

die ros man satiiin began . 4930 

widir heim in ir lant. 
dö reit üffe blankin marhe 
in löchtime geserwe 
von Röthere deme riehen 

ein herre werliche. 4935 

der vörte an den beinin 
mit edilime gesteine 
zwo hosin wol geztröt, 
mit golde gewfcröt. 

er vörte an sinem Schilde 4940 

ein tier samt iz spilde 
üz deme golde erlich, 
eime capelüne^) gelich, 
dar umme lägin steine 

gröz unde kleine, 4945 

die daz leicht bärin 
alsiz sterren wären, 
ime stünt umme des schildis rant 
manich göt jächant ; 

in deme satilbogin sin 4950 

stündin swanin guldtn. 



1) Ein drachenähnliohes tier, auch gabilün, gampilün vgl. Martin 
Kudrun 101, 1. 



152 

üffe deme helme lac ein stein, 

der umme mitte nacht schein 

in allen den gebären 

alsez liecht tac wäre. 4955 

den brächte Alexander 

von vremidime lande, 

dar nie nichein kristin man 

weder 3 noch sin nequam. 

Der stein hiez ClaugestiänO, 4960 

den vdrde ein aldgrtsir man, 
deme was die bart harte breit 
ei wie vermezzeltche her reit! 
ime ginc daz marc in sprangen 

baz dan eime jungin. 4965 

urlof her z6 deme koninge nam; . 
iz was der herzöge von Merän, 
nach deme dar heime 
sin wlf dicke weinite. 

der rlche got von himele 4970 

santin ir s!t widere. 

Dö der herzöge von Merän 
z6 deme koninge urlof genam, 
dö rietin sie alle dannen. 

die htoen d5 sungin, 4975 

die marc begundin springin; 
dar wart von den vrouwin 
michil schouwin. 
Röther wranc die hande: 

„nü bin ich eilende. 4980 

noch sal die weit gewis sin, 
möz ich haven den lif min, 
daz ich gerne mtn guot, 
same der edele am tot. 



1) Es ist wol der stein gemeint, dr.r dem Alexander aas dem Para- 
diese zugeworfen wurde, vgl. Lamprechts Alexander ed. Weismann v. 5894 if. 
Hier wird aber weder der ncjno des steineo genannt, noch wird er in über- 
einstimmender weise geschildert. Zacher in seiner zeitschr. X 100 1 ver- 
mutet darum, dass eine andere tradition als quelle gedient habe. Über den 
namen Claugestiän ist nichts ermittelt. 



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\ 

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153 

wil teilin geliche 4985 

annin unde riehen, 

swer iz an mich sochit 

unde is mit 6ren geröchit, 

die wile ich ein bröt hän". 

Widolt unde Aspriän 4990 

unde andere Eötheres man 

vörin in ere riche 

unde begingin sich vromeltche 

mit grözin erin, daz is war, 

zwei unde zw^nzic jär. 4995 

Under des gewöchs Pippin, 
daz her koninc mochte sin. 
Röther der riche 
half ime vromichliche, 

alse noch manich man 5000 

sime sone grdzir erin [ge]gan. 
Röthere saz dar heime — 
got irliet in aller leide — 
unde zöch Pippinin, 

den lieven sone sinin, 5005 

mit grOzin §rin, daz is war, 
vier unde zw^nzic jär, 
bit der türlicher degen 
gerne swert wolde nemen. 

dö wart ein lantspräche 5010 

gebodin hin z5 Ache, 
dar vil manich vrome man 
mit sime hergesellen quam, 
gevazzit vromicliche, 

witin üz deme riche. 5015 

dffe den hof quämin Kötheres man, 
dar Pippin dat swert nam. 
dar quam die riese Aspriän 
unde Widolt der köne man 

unde der helt Grimme, 5020 

der riesen Ingesinde, 
der was griuweliche getan, 
dö brächte der riese Aspriän 



154 

sivin hundrit manne 

mit iserinen Btangin. 5025 

D5 reit durch frenkische lant 
Wolfrät der wlgant 
mit scöneme ingesinde. 
der^hßrre von Tengelingin 

der vörte wundirinköne man, 5030 

drizic düsint lossam, 
üffe den hof zö Ache 
zö der lantspräche. 
von Ispaniä Erwtn 

und Lüppolt der meister stn, 5035 

die wären beide rtche 
unde v6rin gezogenltche. 
durch Pippingis willin 
brächte von Kerlingin 

Lüppolt der getrüge man 5040 

sechzic düsint lossam. 
hei wie lieve Köthere was, 
wände her sie alle gerne gesachl 

Dar z5 Ache wärin sie over nacht 
unz an den andrin tach. 5045 

alsiz des morgenis tagete, 
üffe deme rosse havete 
Pippln der helt göt 
mit golde wole gezlröt. 

die mar begundin springin 5050 

under den jungelingm. 
dd burd^rete manich man, 
dar Pippin swert nam. 
Widolt unde Grimme 

liefin in deme ringe. 5055 

die riesen d5 tunidin 
daz die erde bibite. 
zö Ache was die h^rscaft 
dr6 tage unde drt nacht. 

dö höbin sich geliche 5060 

arme unde riebe. 
die bestündin alle samt 



[ 



155 

/ von Rötheres sone daz lant, 

/ alse sin vater sturve, 

' daz Pippin keiser wurde. 5065 

Die swertleite was getan, 
dö zdch iegelich man 
hin z5 sime lande, 
dar leveten sie äne schände. 

Röther der riche 5070 

der levete vromicUche. 

D5 der koninc Pippln 
vor Röthere deme vatir stn 
/ daz swert umbe gebaut, 

d6 reit her mit manigeme üf daz /ant 5075 

unde richte nach rechte 
hßrrin unde knechten, 
dö scheit sich zö Ache 
die gröze lantspräche. 

Dö quam gestrichin over lant 5080 

ein snewtzer wtgant, 
daz hette dat alder getan, 
ime volgeten sln^ hereman, 
zwei düsint, daz ist war. 

ime was daz edile här 5085 

bi den örin ave geschorin. 
er was von gründe üf geborin 
zö deme aller trüwistin man 
den ie sichein kuninc gewan. 

er reit durch nümäre, 5090 

waz dar zö Ache wäre, 
sin ros was zoumstrenge. 
iz nestünt borlange, 
unz in Röther gesach. 

nü mugit ir hörin w@ er sprach: 5095 

„wol mich, daz ich min lif han. 
dort kumit der helt von Merän. 
nu intfat in alle die hie sin", 
„daz dön ic" sprach d^ koningin. 

die vrouwe lossam 5100 

kuste den helt von Merän 



156 

wie kftme Röthere irbeite 

bit ßerker üf den hof reit! 

«elve intfinc hö sin rosfert, 

des was der helt wole wert. 5105 

do intfiengin Eötheres man, 

flwaz mit Berkere quam. 

die götin knechte 

datin al rechte, 

wan diz hette der helt göt 5110 

vil wole virdienöt, 

dö sine tage dochten 

unde so he ritin mochte. 

Dö Berkßr vimam 
waz Pipptn hette getan, 5115 

Röthere deme riehen 
reit her wisllche: 
„nö volge mer, koninc göte, 
des mer is zö möte, 

unde helf der armin söie, 5120 

daz ist tugint aller 6rin. 
du gräwist, hörre min, 
daz dinc nemac immir nicht sin. 
iz stat den götin knechtin 

in ir aldere rechte, 5125 

daz sie mit göte virdieneten 
so sie von diser werlde endin. 
din dinch stünt gröze. 
der minir genöze 

quämen sechszöne 5130 

üf ir alemöne *) ^ 

nnde klagetin, trüt h^rre min, 
dene liebin vatir rfin, 
der iac in sinin ende 

unde bevalch dich mir bl der hende. 5135 

Sit han ich dir bi gestan. 



1) Die IG genoBsen sind wol die 16 sOhne Uerohters , wie sie die ur- 
sprüngliche sage keunt (vgi. einl. 8. 3). Wie hier Bother dem Berchter, wird 
Wolfdietrich dorn Berchtung von seinem vater Hugdiotrioh auf dem Sterbebette 
•nempfolen: Wolfdietrich B262. Af ir aCemltie ist nicht genügend erklärt. 



157 

daz dir nichein man 

argis nicht neböt, 

her hette uns beiden gedröt. 

^)nu nemach ich, trüt hSrre min, 5140 

der nechein vrome sin, 

dune volgis mineme räde, 

s6 bistü aller nöde 

irläzin immer m§re 

unde helfist och der sele". 514S 

Röther swigete dö. 
Berker sprach ime aber z6: 
„daz ist war, koninc edele, 
ich neräde dir nicht ovele. 

nü koufe dir selve göte wort*), 5150 

ja is der schaz alse ein hör 
leider unreine; 

wir nevindin sin nicht dar heime. 
sw6 vil der man gewinnit, 

wie schire ime zerinnit! 5155 

daz ist uns alle tage schin. 
nü volge deme räde min 
unde helf der armin sele, 
die levet immir möre. 

nune läz dich nicht beträgin; 5160 

swer der gotis genädin 
rechte wirdet innin, 
der möz sie immir minnin.^) 



1) Umarbeitung in dem hier eintretenden Ams waldischen firagment: 
$0 daz dwnemanne ttbel heut getan, unde nü nemachich, trut herre min, 
vorhat dir nehein vrome n'n, dtme volgest mineme ratet — ig nis noch 
ttieht zo spate — so bistu irhuen aller ruvoe: des solt tu mir herre ge- 

ruwen*'. Ruther swigete do. Bereher sprach im aver to: ^.das itt war, 
konine here,' ich rate dir dine ere, ich spreche diner seien wort, ja ist 
.... hört leyder vil unreine . . . 

2) Geht wol auf die fttrspraohe der heiligen. 

3) AmBwaldisohes bruchstüok: ix wäre umme dich also getan, d» 
werest ie vil riche, din dinch stunt grozttche, sieh waz hilfet dir dazt 
getut ein vil arem man baz, der wil din ohergenoz sin. nu volge mir trut 
herre min unde vare wir hin tzo Vulde: swer gerne genesen wulde, der 
mochte da vil gerne broder sin. wir moneken uns tmi Kerre miu. >r\t vA«^ 



158 

du w^re ie riche, 

dln dinch stünt grözltche. 5165 

waz heifit nü daz? 
getöt ein ander bat, 
er wil dtn overgenöz sin. 
nü volge mir, trat hßrre min, 

und ze wir hin zö walde. 5170 

» swer genesen wolde, 
der mochte dar gerne bröder sin. 
wir munichin uns, trüt herre min. 
wir sulin der armin sele wegen; 

diz ist ein unstade leven". 5175 

dö sprach der koninc göte, 
daz her dat gerne däte. 
Röther bl der hant nam 
die vrouwen also lossam 

unde sagete ir sin gemö[ch]te. 5180 

dö sprach die vrouwe göte: 
„iz ist der bezziste rät, 
den Berker getan hat. 
nü volge uns, koninc edele, 

iz nekumit dir nicht ubele". 5185 

dö sprach der*) .... 



also iz noch hüte stat 

daz iz vil manige ^re hat. 

dö clüsete sich de konigln, 

got der gab ir den sin. 5190 

dö stünden die römischen rlche 

harde vredeliche, 

wente Pippin irstarb 

unde Karl daz rlche irwarb. 

der levete slt scöne 5195 

unde richte wol dö kröne. 



der armen sele plegen, iz ist uns anders unghewegen" , do sprach de kuning 
stete, daz her iz vil gerne tete. Rüther an de hant nam .... 

1) Diti Utiidelberger hs. bricht hier ab. Die schlussyerse bietet dM 
AmewaldiBohe tragment. 



159 

Hi hat [ouch] daz buch ende, 
nü väldet flwer hende 
unde biddet alle got, 
der uns z6 levende gebot, 

daz her deme richt§re^) gn^dich sl. 5200 

unde öuch iuwer nicht ne . . . 



1) Vgl. V. 4859. 



Abweichungen yon der handschrift. 

Die Urheber der aufgenommenen conjecturen sind be- 
zeichnet (M = Massmann, R = Rtickert, E = Edzardi). 
Stillschweigend gebessert sind die zalreichen Schreibfehler 
der hs. z. b. Verwechselung von b und A, m und n. Nicht 
berücksichtigt sind femer die orthographischen änderungen; 
nicht besonders aufgezählt auch die fälle des vor vocale vor- 
tretenden h, das schwinden des inlaut. r, n nach vokalen, 
des inlaut. t nach eh. 

1—40 nach M, jetzt grösstenteils unleserlich vgl. Ger- 
mania 20, 405 f. IS er von R ergänzt — 23 alle unleserlich 
— 41 unde M] daz — 55 gestruiste — Sl er fehlt — 115 re- 
dete R] redet — 159 nichein\ incheim — 190 srver R] suvü 
wer — 201 ir kiele M] vor ziele — 259 mic\ mer — 274 aüe 
R] al — 332 der von R ergänzt — 344 sie fehlt — 364 

mtigider R] mugide — 414 schazze"] nur e deutlich — 

425 gervunnin M] getvinnin — 534 daz is sin] des is kin — 
543 schadehaftin R] schade afin — 559 er unleserlich — 
609 rvillicliche R] wülisUche — 626 hedorfter] bedorfte — 
637 den R] der — 733 rvole R] wolde — 739 virwostent R] 
virtvosien — 752 aller] alle — 767 von] v — 807 die M] sie — 
880 gescheit aus geschein corrigirt — 923 irkinne] in kinne — 
925 heizet R] heiz — 936 iuginthafter M] zugint hafter — 
955 holden M] hoden — 970 minnicUche R] minniliche — 976 
is von R ergänzt — 1002 wicgewete R] wicgewere — 1020 
machten trunken R] machent getrukint — 1025 mer R] mere — 
1109 die R] der — 1151 warf] war — 1171 an R] in — 
1193 in] an — 1219 zo von R ergänzt — 1258 neheinen B] 
nehein — 1294 unstadehaft R] vnsiadichat — 1309 beschci- 
nete JKJ beschinete — 1322 riehen "R^ Tiche — 1337 geazin 



161 

M] gezam — 1413 w von R ergänzt — 1443 und R] nv — 
1445 bosheit M] boheit — 1488 vrumichliche R] vrumiche — 
1520 erin\ irin — 1535 rveiz R] rvezei — 1538 einer] eime — 
1545 wolditer R] woldir er — 1546 pinketen — 1554 der 
von R ergänzt — 1563 danne R] daz — 1594 der R] do — 
1600 mati von R ergänzt — 1672 vragiter E] vragit — 1701 er 
von R ergänzt — 1766 in R] isme — 1784 gerouft] R] gerouf 

— 1787 gcsiole R] stole — 1798 der fehlt — 1853 karbunkul 
R] karhulkul — 1857 mochtin R] mochtiz — 1869 twHrs R] 
iuris — 1870 dar R] daz — 1887 sinin R] sinim — 1891 ge- 
want R] gewan — 2037 spranch R] sprach — 2073 dieser R] 
diesen — 2082 gewunne R] gewinne — 2112 gewunnis R] ge- 
winnis — 2115 nein R] nie — 2145 de al der R] der alden 

— 2196 irs R] ies — 2246 mic] mir — 2261 vote aus voze 
corrigirt — 2270 satte aus sazte — 2291 nune R] nu — 
2292 die R] din — 2311 ich von R ergänzt — 2364 einin R] 
einir — 2396 hilf] hü — 2409 mir] mich — 2455 umbe R] 
ww^^ — 2469 sies] sie — 2498 warin R] was — 2565 woster 
von R ergänzt — 2569 iergin] ie gerin — 2640 daz R] do 

— 2645 breiten R] breither — 2652 wostir R] rvostin — 
2688 Äf?m R] her — 2711 Dietheriche — 2715 t r in] usen — 
2732 aiser R] alse — 2740 nuwet fehlt — 2743 swar R] swaz 

— 2756 a/5 iz R] a/2t — 2769 der R] t?<?w — 2802 gote R] 
^ö^ — 2813 sigein R] ^«^^w m — 2818 man von R ergänzt — 
2927 gewunnin R] gewinnin — 2947 Emeger — 2958 Wolfrat 
R] /ö/*Ä«r/ — 2959 a» R] « — 2981 rfiV re^^^ Wolframmen 
erwant — 2998 «W« von R ergänzt — 3039 manigen R] 
manige — 3076 wa^ R] want — 3077 gai R] gan — 3131 
wollir — 3155 vrome R] urowe — 3177 geven R] ^^v^ — 
3191 kiel fehlt — 3205 in R] «2 — 3212 sint M] Aaw — 
3214 sin R] 5i ^w — 3222 die R] 5?V — 3249 vroiiwe — 
3258 Vört?e von M ergänzt — 3266 inachte Bartsch] inhatie 

— 3298 die] den — 3326 iz R] ir — 3336 »on R] vor — 
3341 m/r] mit — 3358 efecÄ R] mich — 3383 er fehlt — 3408 
tninen R] ?wiwe — 3425 der M] rfaz — 3440 min R] w/m — 
3485 Karlus] Karlr — 3526 sagin R] ^a^m — 3571 eren R] 
/r<?w — 3600 verre RJ wewe — 3610 biz R] Ä/Vz — 3643 der 
von M ergänzt — 3664 der von R ergänzt — 3738 swante R] 
sante — 3787 rfe R] do — 3807 ^ft/ife R] stiie — 382a waX> 



162 

dendiger M] waldiger — 3843 rvostir R] rvosiin — 3858 sine 
R] sin — 3872 he von R ergänzt — 3924 heimeliche R] er- 
meliche — 3937 heidenschefte M] heidenin — 3972 irstervet 
R] irsierven — 4023 mit von R ergänzt — 4061 mere von 
R ergänzt — 4129 eine fehlt — 4131 dar R] daz — 4135 daz 
R] dar — 4150 vuchiin R] wuftin — 4174 tz R] ir — 4192 Do 
R] die — 4215 T engeling er e R] teng eiere — 4221 lueden — 
4256 daz M] dar — 4307 irlediget M] irlegiget — 4339 ^^r- 
it^m'n — 4396 lazenz R] /a«^ — 4500 ime E] aw^ — 4528 
wetlichet — 4530 waldendige] waldige — 4539 werchaft\ we- 
rohaft — 4544 koninge M] konin — 4548 overtruwen — 
4557 dar R] daz — 4571 vor R] von — 4594 gewin — 
4600 dunkil R] dunkir — 4761 romeschen R] romesche — 
4773 iur R] iu — 4782 Sic R] hie — 4814 sicheinen R] 
sicheine — 4815 ie enich R] ienich — 4835 Lotringin R] 
(d)orringin — 4839 gevrin — 4855 /fV/* R] diet — 4860 /t>rfe 
R] leiden — 4861 vromin R] vrouin — 4864 ingetruweni] 
ingetruwe — 4881 valkes — 4900 ritit R] riiir — 4901 swen 
R] swer — 4907 von M] vor — 4923 andrin R] andris — 
5051 jungelingin R] Jungelinge — 5060 sich von R ergänzt 

— 5075 lant M] sant — 5083 sine R] sin — 5099 de R] rf^ 

— 5103 Berker M] rother e, reit M] r«?«/ — 5133 rf^iw^ liebin 
vatir min — 5137 nichtein —5139 beiden R] beide — .5150 
gote R] got — 5157 nu R] rfw. — 5185 dir E] w«5. 



HftUe, Druck -von EiYucVi. ISattm. 



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